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Eine Anleitung oder Tipp schreiben

Anleitungen: Wie man ohne Loops überzeugende Schlagzeugspuren produziert

Von phraseland am 22/05/2009 - (Generell)

Introduction

Von RobbieRyan am 06/18/2008
(übersetzt von phraseland)

Der grösste Teil der populären Musik des letzten Jahrhunderts basiert auf dem 4/4 Rhythmus. Die Herausforderung für elektronische Produzenten ist es natürlich eine Schlagzeug Performance zu programmieren, die auch zu den jeweils angestrebten Tracks und Stilrichtungen passt. Für diese Anleitung werdet Ihr einen Sequenzer oder DAW benötigen. Zudem solltet Ihr über die Möglichkeit verfügen Perkussions-Elemente zu produzieren und sie mit anderen musikalischen Elementen zu kombinieren.

Étape 1

Viele Produzenten fangen in ihrem Schreibprozess mit einem Beat an. Während dies für gewisse Stilrichtungen sicherlich essentiell ist, so kann es auch in vielen anderen Musikrichtungen eine Behinderung für den kreativen Fluss darstellen. Bei einer bestehenden Schlagzeugspur richtet man seine musikalischen Entscheidungen jeweils danach aus – anstatt umgekehrt. Wenn Ihr Euch mal Eure Lieblingsmusik anhört, dann werdet Ihr merken, dass eine Menge der grundlegenden Elemente der Songs (wie Melodie, Basslinie, Akkordwechsel) eigentlich das Interessante daran ausmachen. Rhythmische Elemente wie Schlagzeug und Perkussion dienen da nur der Untermalung der gesamten Komposition.

Étape 2

Wie bereits erwähnt empfehle ich auf jeden Fall die grundlegenden Elemente des Songs fixiert zu haben: Hauptmelodie, mögliche Gegenmelodie und Basslinie. Wenn diese Einzelteile einmal stehen, kann man anfangen die Rhythmusspur zu definieren. In diesem Augenblick sollte man seinen Sequenzer in den Loop Modus setzen und mit dem Zusammenführen der einzelnen Elemente anfangen. Häufig ist da die Kickdrum ein guter Anfang, weil sie normalerweise mit der Basslinie verbunden wird. Danach kann der Downbeat hinzugefügt werden. Dies ist abhängig von der Stilrichtung und kann jeweils ein Snare Sound, Sidestick oder ein anderer Sample sein. Man hat auch die Option das Ganze zu quantisieren.

Étape 3

Wenn die Kick und Snare Patterns mal stehen sollte man sich um die zwei folgenden Schritte kümmern. Zuerst (vorausgesetzt die Spur ist bereits quantisiert) kann das Timing von Kick und Snare verändert werden, damit sie nicht unbedingt auf Downbeat und Backbeat fallen, sondern ein bisschen vorher oder nachher (wie das bei einem echten Schlagzeuger auch der Fall wäre). Jeder von uns kennt die Beats 'aus der Konserve' die sich häufig auf billigen Keyboards wieder finden – und die will ja schliesslich niemand! Wenn Ihr einmal mit dem Timing zufrieden seid, dann zögert nicht weitere Elemente wie Hi-Hats oder Becken einzuspielen. Um das 'echte' Feeling zu erhalten kann man auch einmal probieren überhaupt ganz auf das Quantisieren zu verzichten.

Étape 4

Sobald Ihr Eurem 'Drum Track' mehr Elemente hinzugefügt habt, könnt Ihr ihn durch verschiedene Techniken noch interessanter gestalten. So ist es zum Beispiel möglich das MIDI Pattern der Snare zu verdoppeln und mit sogenannten 'Ghost Notes' zu erweitern. Dies sind kleine MIDI Noten die dem Pattern den Eindruck von Hall oder 'Early Reflections' geben und die Illusion eines echten Schlagzeugers noch weiter verstärken. Eine andere Art der Performance zusätzliche Akzente zu geben besteht im Überlagern des Snare Sounds mit einer weiteren MIDI Note. Aufgrund der Natur des MIDI Timings wird so ein künstlicher 'Flange' Sound erzeugt. Die Patterns können zudem aufgeteilt und mit Fills untereinander verbunden werden – dies hilft ebenfalls der ganzen Spur einen natürlicheren Charakter zu verleihen.

Étape 5

Sobald das Pattern etabliert ist, wird es Zeit die Spur mit dem Rest der Musik zu abzugleichen. Wenn man Musik komponiert die einen besonders tanzlastigen Charakter besitzt, dann sollte man der Spur wahrscheinlich noch mehr perkussive Elemente spendieren. Denkt dran, dass Schlagzeuger nur zwei Arme und zwei Beine besitzen. Sollte Realismus Euer Ziel sein, so solltet Ihr die ganze Sache also eher sparsam angehen. Auch solltet Ihr beachten, dass ein Schlagzeug schön im Mix sitzen oder stark nach vorne gemischt werden kann – dies ist ganz abhängig von der Stilrichtung. Effekte solltet Ihr auf eigenen Geschmack hin verwenden. Wichtig ist es mit Hall und Delay nicht zu übertreiben, da sie schnell die gewünschten Transienten Eurer Schlagzeugspur wegwaschen können. Viel Glück!

Étape 6

Sobald Ihr Eure Schlagzeugspur in den Rest des Songs integriert habt, gibt es eine Menge Optionen um sie noch weiter zu verfeinern. Der Zuhörer sollte sich was den Rhythmus betrifft eigentlich nie Sorgen machen – der Rhythmus sollte immer ganz klar gefühlt werden können. Achtet darauf, dass Ihr Euer Schlagzeug nie mit zu vielen Elementen unklar macht. DAW Anwendungen haben die Möglichkeit hunderte von Rhythmusspuren miteinander laufen zu lassen. Das tönt zwar theoretisch grossartig, doch in der Praxis sollte man es so einfach wie möglich halten, um die Idee des Songs so weit wie möglich beibehalten zu können. Wenn man alle rhythmischen Elemente eines Songs wegnehmen kann und er immer noch emotional bewegend ist, dann ist man auf dem richtigen Weg.

Conclusion

Wie beim Komponieren oder Arrangieren lernt man bei jedem neuen Projekt wieder etwas und wird stetig besser. Zudem gibt es eigentlich keine fixen Regeln wie  man ein Schlagzeug konstruiert, Fills hinzufügt, etc. Auch wenn ich hier nur auf MIDI Spuren eingegangen bin, so können Loops effektvoll verwendet werden um eine Schlagzeugspur noch weiter zu verbessern. Dennoch ist es wichtig daran zu denken, dass Schlagzeug und Perkussion die Menschheit schon seit Jahrtausenden begleiten und Technologie die Seele selber nie ersetzen kann.