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Wie man technologische Änderungen überlebt

Tech Gear Roulette
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Nach diesen 7 Regeln solltet Ihr leben, wenn Euer Budget technische Veränderungen überleben soll.

Ich traff Billy Bumluck in einem Videoladen in den frühen 80er Jahren. Wir waren beide stolze Besitzer eines neuen Videorecorders - er durchstöberte die Beta Sektion, ich schaute mich in der VHS Sektion um. 'Du verwendest VHS?' fragte er? Als ich mit einem Nicken bestätigte sagte er 'Tut mir leid für dich! Beta ist die einzig richtige Wahl - besseres Bild, zuverlässiger und zudem steckt Sony dahinter. Dein Videorecorder wird nächstes Jahr nichts mehr als ein Briefbeschwerer sein!'

 

Wir redeten noch eine Weile mit einander und ich brachte in Erfahrung, dass er ein Gitarrist und Fan von technologischen Entwicklungen war. Also beschlossen wir in Kontakt zu bleiben. Ein Jahr später erhielt ich dann einen Anruf: 'Hey, Du musst diesen neuen Amiga Computer mal testen! Er hat separate Chips für Grafik und Audio, kann besser als ein Fairlight samplen und es gibt dafür eine Menge cooler Spiele.' Also stattete ich ihm einen Besuch ab und in der Tat waren die Macs, Ataris und PCs dieser Zeit nichts im Vergleich. 'Keine Beta Fehler mehr für mich', sagte Billy. 'Dieses Baby ist mein Commodore und wenn man daran denkt, dass sie über 6 Millionen Commodore-64 Rechner verkaufen konnten, glaube ich nicht, dass diese Firma so schnell vom Markt verschwinden wird. '

Nun, nachdem Amiga einging hatte Billy genug. 'Okay', sagte er, 'Ich kaufe mir einen Mac. Es gibt da ein fantastisches Programm mit dem Namen Vision, dass mit Deinem Master Tracks Pro den Boden wischen kann. Es wird eine perfekte Ergänzung zu meinen Sequential Circuits und Oberheim Synthesizern sein.' Und eine Zeit lang sah dies auch nach einer guten Entscheidung aus - speziell als Opcode sein MIDI Sequenzing um Harddisk Recording erweiterte. 'Craig, diese Opcode Jungs können nicht einfach so aufgehalten werden. Niemand sonst bietet Harddisk Recording und MIDI...wenn ich Du wäre würde ich in ihre Aktien investieren.'

Dann verschwand Opcode in einem grossen schwarzen Loch. Billy war zu diesem Zeitpunkt ziemlich frustriert und hörte dass Apple ebenfalls Probleme hatte. Also beschloss er auf PC zu wechseln. 'Davon gibt es Milliarden. Dies ist ein Standard der mich nicht im Stich lassen wird.' Ich sagte ihm, dass Apple so schnell nicht verschwinden würde, doch er blieb stur. 'Nein, keine veralteten Standards mehr für mich und keine kleinen Firmen mehr. Ich geh jetzt gerade ins Geschäft und kaufe mir Logic Windows!'

Nachdem Emagic die Unterstützung für Windows einstellte war Billy nicht mehr derselbe. Das letzte was ich von ihm hörte war, dass er in eine zurück-zur-Natur-Kommune zog, seine Yamaha G10 MIDI Gitarre mit einer akustischen Gitarre ersetzte und ohne Elektrizität und Fernseher ein glücklicheres Dasein fand.

 

Ein bisschen von Billy Bumluck kann dann wohl auch in jedem von uns gefunden werden. Mein Commodore CDTV reiht sich zu Hause immer noch neben weitere Fehlkäufe aus der Vergangenheit...doch zu der Zeit erschien mir das ganze als solch eine gute Idee...

 

Mit diesen ganzen technologischen Änderungen kann man heute nicht einfach mehr so Equipment kaufen...man muss schon fast hellseherische Fähigkeiten haben. Wie kann man sich hier vor Fehlkäufen schützen? Wie behält man die Übersicht und steht gleichzeitig ohne Betreibungen da? Hier sind ein paar Einsichten, die Euch helfen sollten.

 

Regel #1: Du wirst Fehler machen

Gewöhnt Euch lieber daran. Wenn grosse Firmen mit zig Millionen in Focus Groups und Product Research investierten Millionen Fehler begehen können, so werdet Ihr dies auch. Vielleicht habt Ihr Euch von der Werbung verleiten lassen, oder Ihr habt Euch einfach für etwas entschlossen, das sich über die Zeit einfach nicht bewährt hat. Wichtig ist doch vor allem, dass Ihr solche Fehler möglichst minimiert.

Gewisse Leute entwickeln mit der Zeit so etwas wie eine 'Kauflähmung' und weigern sich irgend etwas zu kaufen, aus Angst dass schon bald etwas besseres auf dem Markt erscheint. Nun, das wird es, also gewöhnt Ihr Euch lieber dran. Das Geheimnis daran ist eher, dass man bei einer Investition möglichst kein Geld verliert.

Nehmen wir zum Beispiel mal an, dass Ihr Euch als einer der Ersten ein 16 Bit Alesis ADAT für $4'000 gekauft habt. Jetzt wo Ihr Euch an Eurer neusten DAW erfreut hat es den Anschein, als ob Ihr hier einen Fehler gemacht habt. Aber wenn Ihr mit diesem Gerät Aufträge im Wert von $10'000 an Land ziehen konntet, dann hat es sich durchaus um eine gute Investition gehandelt...zumindest besser als jegliche Zinsen, die Euch eine Bank momentan zahlen würde.

Denkt immer an den 'Return of Investment' (ROI). Ich war beim Erscheinen der Minidiscs zuerst zögerlich, da es sich um ein relativ teures Medium handelte und das Überleben dieses Formates doch recht fraglich war. Dennoch hatte ich mich dazu entschlossen und schrieb anschliessend genügend Artikel zu diesem Thema, dass sich für mich die Investition am Ende auszahlte. MD existiert heute eigentlich nicht mehr, dennoch war meine Investition unterm Strich kein Fehler.

Die Frage ist also nicht 'Kaufe ich hier etwas, das mit der Zeit überholt ist?', denn Ihr wisst, dass dies der Fall sein wird. Die richtige Frage ist 'Kann ich die Investition amortisieren bevor die Technologie überholt ist?'. Wenn Ihr durch den Kauf eines bestimmten Equipments, oder einer bestimmten Anwendung mehr Geld macht als wenn Ihr dies nicht tun würdet, dann zückt ohne grosse Bedenken Eure Kreditkarte...so einfach ist das.

 

Regel #2: Von komischen Formaten solltest Du wegrennen...schnell!

Erinnert Ihr Euch noch an die Elcaset? DCC (Digital Compact Cassette)? Die QuickDisk? Den Multitrack Tape Recorder (nicht das ADAT). Quad Hi-Fi Systeme? Oh je.

Schaut Euch an was mit SACD und DVD-Audio geschehen ist: Nichts. Während sich Firmen damit auseinandersetzten welches Format sie jetzt verwenden sollten, taten es Ihnen die Kunden gleich. Also kauften sie am Ende vorerst gar nichts. Am besten erinnert man sich wohl noch an das Theater mit BlueRay und HDDVD. Oder wer kennt schon die Unterschiede zwischen DVD+R und DVD-R? Die Brenner werden von Kunden nur gekauft, wenn sie sich um solche Dinge keine Gedanken mehr machen müssen.

Wird 5.1 in ein paar Jahren immer noch eher exotisch sein? Vielleicht nicht...doch wer weiss das schon. Bei den verschiedenen Memory Card Formaten (SD, SmartMedia, Compact Flash, Memory Stick, etc.) hat sich jetzt wohl so langsam nur das SD Format durchgesetzt. Ein gängiges Format kann sich eigentlich nur durchsetzen, wenn die Leute es kaufen...doch da bin ich mir als Laborratte zu schade und überlasse Billy Bumluck das Feld.

Unter dem Strich sollte man bei einem Format warten bis es sich komplett etabliert hat. Falls nötig solltet Ihr auf ein altes Format vertrauten, bis Ihr Euch sicher seid, dass das neue auch richtig laufen kann.

 

Regel #3: Für Windows solltest Du speziell zusammengebaute Rechner kaufen

Hier ist der absolut falsche Weg einen Computer zu kaufen: Geht zu Eurem lokalen Elektronikladen und fragt nach dem besten Preis. Wenn ich Leuten diesen Ratschlage gebe höre ich immer wieder Dinge wie 'Aber für €400 erhalte ich einen 2.4 Ghz DualCore-Prozessor, ein DVD-R Laufwerk, 2GB RAM und sogar einen Monitor!'

Nun gut...aber verfügt der Rechner auch über die Möglichkeit eine Grafikkarte einzubauen, mit der sich zwei Bildschirme betreiben lassen? Besitzt das Motherbord ausreichend Steckplätze um DSP Karten und eventuell eine richtige Soundkarte zu betreiben? Firewire, USB 2.0, oder gar USB 3.0? Und wenn mal was defekt ist, kann man es mit herkömmlichen Bauteilen ersetzen, oder muss man nach spezieller Hardware des Herstellers suchen?

Wenn Ihr einen Rechner kauft, der speziell für Musiker zusammengestellt wurde könnt Ihr häufig auch auf technische Unterstützung zurückgreifen. Klar zahlt Ihr dann anfangs mehr, doch schon nach ein paar Jahren werdet Ihr verstehen, weshalb Ihr diese Investition eingegangen seid.

 

Regel #4: Zwischen einzelnen Anwendungen gibt es nicht so wahnsinnig grosse Unterschiede, also zerbrich Dir deswegen nicht den Kopf

Natürlich können verschiedene Anwendungen ganz unterschiedliche Herangehensweisen haben. Doch jede DAW hat die Befehle Cut, Copy, Paste, kann Plug-Ins verwenden und kann an den Anfang und das Ende einer Datei gehen. Erinnert Euch daran, dass DAWs aus wenigen wirklich wichtigen Funktionen und tausenden kleinen Funktionen bestehen. Wichtig ist also immer, dass Ihr Euch zuerst auf so genannte 'Deal Breaker' und 'Deal Maker' konzentriert. Schaut Euch das ganze immer von ein bisschen weiter weg an und fragt Euch, was Ihr wirklich regelmässig benötigt.

 

Regel #5: Sei vorsichtig, dass Du nicht Dinge kauft bevor Du sie wirklich braucht

Ein Freund fragte mich kürzlich, ob er sich ein neues System mit 96kHz Sampling Rate kaufen soll. Ich frage ihn, ob er immer noch seine fertigen Projekte als CDs aushändigt und seine Antwort war 'ja'. Ich fragte ihn, ob irgendein Kunde jemals eine Aufnahme in 96kHz Auflösung verlangt hatte und er antwortete 'nein'. War er glücklich mit dem momentanen Klang seine Studios? Ja.

Warum wollte er also plötzlich auf 96kHz umsteigen? 'Alle tun es und ich möchte nicht plötzlich ins Hintertreffen geraten. Vielleicht kann ich so auch mehr Kunden generieren.'

Das Schlüsselwort ist hier natürlich 'vielleicht'. Ich empfahl ihm also alles beim Alten zu behalten, bis ihm ein Kunde sagte, er müsse unbedingt 96kHz Projekte einspielen können, oder er Aufträge erhält, wo ein Medium genau diese Auflösung erforderte. Genau dann sollte man sich zu dieser Investition entschliessen: Wenn Ihr das Equipment mit dem eigentlichen Einkommen armotisieren könnt.

Der Vorteil mir Warten liegt natürlich auch daran, dass die Technologie mit der Zeit günstiger wird und sich nach einer Weile gewisse Firmen als kompetenter hervorheben als andere. Es ist fast nie eine gute Idee Equipment mit der Begründung 'Nur um sicher zu gehen' zu kaufen. Wartet bis Ihr einen triftigen Grund dazu habt.

 

Regel #6: Keinen Zuhörer interessiert, welchen Vorverstärker Ihr verwendet habt

...oder welche Software, welchen Computer, Monitor, Mikrofon...Die einzigen Leute die sich darum kümmern sind Techies und ich kann Euch versichern, dass dies auf keinen Fall der Grossteil der Musikkonsumenten sind. Ich habe eine Menge unterschiedliche DAWs verwendet und wisst Ihr was? Meine Musik tönt auf allen in etwa gleich!

Bei der Musik kommt es vor allem auf die emotionale Ebene an. Keiner hört sich Mikrofone an...sondern Sänger. Keiner hört auf Verstärker...sondern Gitarristen. Vergesset das nicht, wenn Ihr das nächste Mal denkt, dass da irgendein 'magisches' Gerät Eure Aufnahmen verbessern könnte.

Und bevor Ihr Euch wegen Eures Klangs übermässig Sorgen macht sollte Ihr noch eines bedenken: Die meisten Leute würden einen guten Klang nicht erkennen, wenn er ihnen frontal in die Fresse hauen würde. Viele denken, dass MP3 ganz in Ordnung klingt. Man ist sich an Autoradios gewöhnt, die eigentlich nur aus Bässen bestehen. Teenager hören sich regelmässig Musik über die Lautsprecher ihrer Handys an. Versteht Ihr was ich meine? Das ist jetzt vielleicht eine etwas bittere Pille, doch nur sehr wenige Zuhörer schätzen wirklich die Zeit und Arbeit die Ihr in ein sauberes und transparentes Klangbild investiert habt.

Ich sage hier natürlich nicht, dass man nicht wirklich gut klingende Musik machen sollte. Was auch immer Ihr macht, Ihr solltet auf jeden Fall Euer Bestes geben. Doch falls Ihr 30 Arbeitsstunden benötigen würdet um ein neues magisches Mikrofon zu amortisieren, dann wäre es wahrscheinlich besser, wenn Ihr dieses Geld in Bücher über Musiktheorie, einen Kurs als Drehbuchautor (zum Verbessern Eurer Lyrics), oder einfach in schöne, ausgedehnte Ferien investieren würdet. Ein teures Mikrofon hilft Euch nämlich nicht dabei Eure Kreativität zu steigern.

 

Regel #7: Man sollte Technologie als das betrachten, was es ist

Ich besitze einen Hammer, der 20 Jahre alt ist. Ich bin mir sicher, dass seit dieser das Metal besser wurde, die Griffe besser in der Hand liegen und das Gewicht in einem modernen Hammer besser verteilt ist. Doch wisst Ihr was? Der Nagel wird auch mit diesem alten Ding ganz gut eingeschlagen.

Mein wichtigster Hardware Synthesizer ist 16 Jahre alt. Mein DAT Deck ist ein TASCAM DA-30 (das Original). Daneben verwende ich jedoch ein paar fantastische Softsynthesizer und besitze zwei grosse Flatscreen Monitore. Was ich damit sagen möchte: Ich lasse mich nicht von der Technologie treiben ('Du musst ein besseres DAT kaufen, Du musst auf Surround umsteigen'). Ich bin der Meister über Technologie und entscheide selber welche Dinge meiner Musik helfen werden.

Ich springe manchmal auch als einer der Ersten ins kalte Wasser, zahle den Höchstpreis und verwende etwas bis zum bitteren Ende, oder warte bis ich als einer der letzten auf einen Zug aufspringe, der jedoch bewährt, zuverlässig und günstig ist. Ich habe als einer der ersten ein Panasonic DA7 Digitalmischpult gekauft und jetzt werden diese zu einem Schleuderpreis verramscht. Kümmert mich das? Überhaupt nicht! Ich habe dieses Mischpult so häufig eingesetzt und habe damit so viel an Projekten verdient, dass es ein grosser Fehler gewesen wäre es nicht zu kaufen.

Abschliessend möchte ich noch folgendes sagen: Was Technologie betrifft, so seid Ihr der Boss! Eure Bedürfnisse sind das Einzige was zählt. Und nun viel Glück bei Euren zukünftigen Entscheidungen!


Übersetzt aus dem englischen Original von Harmony Central.  Reprinted with permission.

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