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SSL X-Desk: Der Test

SSL X-Desk: High-End für alle?
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2009 war ein Jahr der Veränderungen und Solid State Logic hat sie alle kommen sehen. Mehr als bisher hatte es sich dieser englische Hersteller zum Ziel gesetzt, seine Führungsposition in der Welt der professionellen analogen Mischpulte zu behaupten. Das wohl intelligenteste Produkt, welches SSL aus dieser Ambition auf den Markt gebracht hat, ist dann auch ein kompaktes, 16-kanaliges Mischpult mit dem Namen X-Desk. Dieser kleine Mixer machte uns augenblicklich neugierig...



Auch wenn die Bedeutung hinter verschiedenen Firmennamen in den letzten Jahren stetigen Veränderungen ausgesetzt waren, so steht der Name SSL doch immer noch für professionelle Qualität auf höchstem Niveau - sei dies bei der Klangqualität, oder dem technischen Aufbau. Für eine lange Zeit war dieser englische Hersteller eine fast unersetzliche Grösse in professionellen Studios weltweit, doch erst vor kurzem begann man mit Produkten wie der X-Rack Series auch Interesse an modularen Lösungen zu zeigen. Somit war der legendäre Sound von SSL auch für kleinere Projektstudios zahlbar, wenn auch immer noch im Bereich der High-End Lösungen. Im Jahre 2008 wurde dann mit dem Matrix ein Produkt vorgestellt, welches mit einem neuen analogen Mischpult-Konzept einen neuen Kundenkreis für sich gewinnen sollte. Mit 16 Inline Kanälen, 40 Eingängen mit digitalem Routing und DAW Steuerung wurde erstmals ein Brückenschlag zwischen den 'zwei Welten' gewagt. Mit dem X-Desk bewegt sich SSL nun noch weiter in diese Richtung: 16 Kanäle mit Line-Eingängen, keine Mikrofonvorverstärker oder EQ, aber genug Möglichkeiten, um alle möglichen Signal zu mischen und untereinander zu verbinden.

SSL X-DeskAuf den ersten Blick werden einem die kleinen Abmessungen (17.1" x 12.2" x 4.7") dieses Mixers überraschen - vor allem wenn man bedenkt, dass es sich hier um ein Produkt von SSL handelt. Jetzt kann man also den berühmten Oxford Sound direkt in sein Heimstudio holen...auch wenn es sich dabei mehr um ein ein trautes Heim als ein Studio handeln sollte...

Es braucht nur einen Blick auf den Mixer und man weiss, dass es sich um ein echtes SSL Produkt handelt. Zuerst fällt einem natürlich die robuste Verarbeitung auf. Zuverlässige Produktion, klarer Aufdruck und ein sehr gut durchdachtes Design, welches den Arbeitsfluss vereinfachen soll. Der Mixer wurde mit denselben 25-pin D-Sub Verbindungen ausgestattet, die man auf den meisten professionellen Produkten antreffen sollte. Alle 10 D-Sub Verbindungen auf der Rückseite wurden leicht nach innen verlegt, was eine einfache Integration des X-Desk in die eigene Produktionsumgebung garantiert. Stecker können häufig eine Menge Platz für sich beanspruchen und SSL hat sich auf diese Weise dem Problem angenommen.

Dieses kleine Mischpult sieht also ganz hübsch aus und verspricht eine Menge Flexibilität und gute Übersicht. Wie sieht es aber mit der Technologie auf der Innenseite aus?

X-Desk: Technischer Jargon


SSL X-DeskDie Ein- und Ausgänge des X-Desk laufen über 25-Pin D-Sub Verbindungen, während die Monitorausgänge als XLR-Stecker ausgelegt sind. Wer sich jetzt von Euch fragt, was denn eigentlich eine 25-Pin D-Sub Verbindung ist, folgt hier eine kurze Erklärung: Über jede 25-Pin D-Sub Verbindung können acht symmetrische Ein- oder Ausgänge geschickt werden (man findet dies auch auf Geräten wie 192 I/O von Digidesign). Ganz abhängig von der Anwendung kann eine 'Snake' dann acht männliche, oder weibliche XLR Stecker, symmetrische 1/4'' Stecker...oder sogar einen weiteren 25-Pin D-Sub besitzen - zum Beispiel um acht Ausgänge eines Digidesign 192 mit acht Line Eingängen eines X-Desk zu verbinden. Um also alle Funktionen des X-Desk verwenden zu können benötigt man insgesamt zehn 25-Pin D-Sub Verbindungen...und diese muss man natürlich separat kaufen. Wer sich also ein Budget für den Kauf eines X-Desk zusammenstellt, sollte also unbedingt auch in Betracht ziehen, dass pro 25-Pin D-Sub Kabel nochmals etwa €70 anfallen...also bei voller Benutzung bis zu €700!

Wer zudem noch von allen Routing Optionen des X-Desk profitieren möchte, dem sei auf jeden Fall noch eine Patchbay für die ganzen Ein- und Ausgänge, Inserts und externe Prozessoren empfohlen.




Summieren ist kein Verbrechen

Der X-Desk wird von SSL als das Herz eines stetig wachsenden SSL Studios beschrieben und ist im Wesentlichen ein Line Summing Mixer mit der SuperAnalogue Technologie, die auch schon in anderen SSL Produkten gefunden werden kann (X-Rack, Matrix, aber auch die AWS 900 und 9000 Mischpulte), aber mit dem Zusatz von Routing- und Verbindungsmöglichkeiten grösserer Hi-End Mischpulte. Nur 8 Fader für 16 Kanäle? Ein Summenmixer, der sich dann doch radikal von der Konkurrenz unterscheidet. Schauen wir uns das genauer an...

SSL X-DeskJeder der acht Kanäle besitzt nur einen Fader, aber zwei Eingänge (Line und Alt), über die Signale mit Line Pegel empfangen werden können (wie zum Beispiel das Ausgangssignal eines Mikrofonvorverstärkers). In der Vorverstärker Sektion findet sich ein ALT Schalter, über den man bei jedem Kanal zwischen dem Line und dem ALT Eingang wählen kann. Der X-Desk könnte so als Inline-Mixer betrachtet werden, da man pro Kanal entweder das Signal des externen Mikrofonvorverstärkers, oder das Signal auf dem Tape Return (DAW, oder analoge Bandmaschine) wählen kann.

Jeder Kanal besitzt beim Eingang einen Gain Regler (-20db bis +20dB) und eine dreifarbige LED Anzeige, die abhängig von der Gain-Stufe grün, gelb, oder rot aufleuchtet (jeweils -24dBu, +4dBu und +21dBu). Nach dem Vorverstärker kommt ein Schalter zur Phasenumkehrung und ein Insert Schalter (Post Gain). Das Signal läuft dann durch drei Aux Sends: ein 'CUE ST' Send (pre/post Fader) und zwei Mono Effect Sends (FX1 und FX2). Nachdem das Signal dann noch die Pan Steuerung, sowie Cut und Solo Schalter (After Fader Listening) durchläuft, wird es auf den Stereo Mix geroutet.

SSL X-DeskJeder der acht Kanäle besitzt einen Channel Output, über den das Signal auf das gewählte Aufnahmegerät geschickt werden kann - entweder pre, oder post Fader. Diese Funktion ist sehr interessant, da man so den Aufnahmepegel mit dem Fader steuern kann...wie zu guten alten Zeiten.

Auf der rechten Seite des Mixers befinden sich drei Master Send Controls für den Stereo Cue Bus und die FX1 und FX2 Aux Sends. Dank dem AFL Schalter kann man auch ausschliesslich Aux Send Signale abhören und das Pre Fader Signal aller Kanäle auf die FX1 und FX2 Sends routen.

Der Mixer bietet zudem eine Steuerung für den Stereo FX Return. Tatsächlich besitzt der X-Desk zwei Stereo Effekt Returns mit separaten Reglern für Pan und Pegel, sowie Schalter für AFL und Mono.

Es gibt noch eine weitere nette Funktion mit der sich die FX Returns dem Mix Bus und/oder Stereo Cue Bus zuweisen lassen. Letzteres kann durchaus praktisch sein, wenn man zum Beispiel einen Sänger aufnimmt, der gerne in seinem Kopfhörer ein wenig Hall hören möchte, während Ihr in der Regie das trockene Signal abhört...


SSL X-DeskWas das Summieren betrifft, so gibt es in der Mix Sektion ein Regler für den Master Level des Mix Bus. Anwender von SSL Produkten werden sich jetzt wahrscheinlich denken, dass an dieser wichtigen Stelle ein Fader die bessere Wahl gewesen wäre. Doch wenn das Hauptziel ist, möglichst wenig Platz einzunehmen, dann ist auch an dieser Stelle ein Fader nicht die höchste Priorität...

Es ist praktisch eine Insert Schaltung im Signalpfad des Mix Bus zu haben, um weitere externe Prozessoren (Kompressor, EQ, etc.) verbinden zu können.

SSL X-DeskDie Monitor Sektion gibt einem schliesslich noch die Möglichkeit, drei Stereoquellen (Mix, Ext und iJack) auf zwei unterschiedlichen Monitoring Systemen (Main und Alt L/S) abhören zu können, und die linken und rechten Signale in ein Mono Signal zu routen. Ext steht hier für Signale mit einem professionellen Ausgangspegel (+4dB) zur Verfügung, während iJack für iPods und ähnliche Quellen mit 1/8'' Verbindungen gedacht ist. Der iJack Stecker wurde oben auf dem X-Desk platziert, was sich durchaus als nützlich erweisen kann...

Der Mixer besitzt auch eine Talkback Schaltung, welche dem Stereo Cue Bus zugewiesen wurde. Zudem steht einem noch ein Kopfhörerausgang zur Verfügung, über den man das Mix, oder Stereo Cue Signal abhören kann.

Bislang erscheint der X-Desk also eher als relativ normaler, kompakter Mixer mit acht analogen Kanälen und separaten Direct Outs für Aufnahmeanwendungen. Hat sich da SSL auf seinen Lorbeeren ausgeruht?

Nicht ganz: Der X-Desk hat mehr als ein Ass im Ärmel...

This is SSL

SSL X-DeskUns sind die Cue Sends auf jedem Kanal aufgefallen. Wenn man sich die genauer anschaut, dann sieht man neben jedem Cue Send Control einen ALT Schalter und einen komischen Cue To Mix Schalter oberhalb des Master Mix Pegels in der Mix Sektion... Wahrlich komisch...

Hier stellt der X-Desk seine Einzigartigkeit unter Beweis und unterstreicht, dass es weitaus mehr als nur ein einfacher 8-Kanal Mixer ist. Der ALT Schalter jedes Stereo Cue Sends (der sich bei jedem der 8 'Hauptkanäle' findet) ermöglicht es den ALT Eingang des jeweiligen Kanals auf den Stereo Cue Bus des X-Desk zu routen. Somit kann der X-Desk gleichzeitig mit 8 Line Mono Signalen (über die Line Eingänge) und acht zusätzlichen Mono Signalen (über die ALT Eingänge) gespiesen werden. Die Pegel der Line Signale im Main Mix können über die jeweiligen Fader, und die ALT Quellen im Stereo Cue über den CUS ST Regler eingestellt werden. Da jeder Stereo Cue Send einen eigenen Pan Regler besitzt, können auch die acht zusätzlichen Quellen im Stereofeld positioniert werden. Der Cue Mix Schalter ermöglicht das Mixen von 16 Kanälen, indem der Cue Bus wieder mit dem Mix Bus zusammengeführt wird.

Am Ende erhält man so einen 8-Kanaligen Summenmixer mit acht zusätzlichen Kanälen. Nimmt man dann noch die beiden Stereo FX Returns (welche dem Mix Bus, oder dem Stereo Cue Bus zugewiesen werden können) und man besitzt die Möglichkeit, bis zu 20 unterschiedliche Monosignale gleichzeitig zu mischen. Das ist doch gar nicht schlecht...

Doch das ist nicht das einzige Detail welches das gut durchdachte Design dieses Mixers unterstreicht. Neben dem Insert im Mix Bus gibt es auch noch einen ∑ Schalter, über den man das direkte (dry) Signal des Mix Bus mit dem (wet) Signal des Insert Return mischen kann...das wird Fans der Parallel Compression natürlich besonders freuen!

Die intelligentesten unter Euch werden wahrscheinlich schon verstanden haben, worum es hier geht: Wenn man im Mix Bus keinen Insert verwendet, kann man ein beliebiges Signal über die Insert Returns in den Mix Bus speisen... Wir gehen jetzt nicht so weit und sagen, dass der X-Desk ein Summing Mixer mit 22 Kanälen ist, doch die Möglichkeiten sind für so einen kompakten Mixer immens!

SSL ist hier seiner Tradition treu geblieben und bietet Insert Kanäle deren Sends auch dann aktiv sind, wenn der Insert Schalter nicht eingeschaltet ist - genau wie bei der 4000 Series. Somit können sie als zusätzliche (Pre-Fader) Sends verwendet werden und erweitern damit die Möglichkeiten des X-Desk. So kann man zum Beispiel über einen Sidechain das Signal einer Kick Drum verwenden, um einen Kompressor im Basskanal zu triggern.

Eine weitere sehr nützliche Funktion erlaubt das Umschalten zwischen drei unterschiedlichen Stereosignalen in der Monitoring Sektion. Die Möglichkeit diese drei Quellen gleichzeitig zu mischen ist sogar noch besser. Doch für was eigentlich? Es scheint, als ob SSL da an alle Musiker gedacht hat, die mit einem Playback üben möchten und dabei ihre bevorzugte Kombination aus  Mikrofon/Vorverstärker verwenden wollen, ohne dabei auch noch die DAW öffnen zu müssen. Das mag jetzt auf den ersten Blick nicht so wichtig erscheinen, doch im Musiker Alltag kann dies eine wahre Hilfe sein!

Wenn zudem am Ende für Euch 16 Kanäle nicht genug sind, dann ermöglicht die SSL X-Link Technologie bis zu acht X-Desk Mixer miteinander zu verbinden. Dies gibt Euch dann 64 Line Kanäle plus 64 ALT Kanäle...es können also bis zu 128 Kanäle gleichzeitig gemischt werden. Dies ist möglich wegen der X-Desk LINK Ein- und Ausgänge auf der Rückseite... Der letzte Mixer in der LINK Kette wird dann zum Master Mixer und steuert dabei den Monitor Mix, FX Returns und die Mix Sektionen.

Die einzige kleine Kritik, die ich hier anbringen könnte, ist das Fehlen eines vereinfachten X-Desk Moduls mit nur acht Line Kanälen und acht ALT Kanälen. Man braucht ja die Monitor, Master Send/Return und Mix Sektionen nur einmal und ein spezielles Modul würde hier die Übersicht und die Ergonomie deutlich verbessern.

Wer dagegen nicht zu hohe Ansprüche stellt und bereits eines, oder mehrere SSL X-Rack Summing Module besitzt (wie das 623 und 624), kann auch diese über die X-Rack Expansion Verbindung den 16 Kanälen des X-Desk hinzufügen. Hat hier einer Flexibilität gesagt?

Legend @ Home

Was lässt sich jetzt also alles mit dem X-Desk anstellen? Die Lernkurve ist eigentlich ziemlich flach und Leute, welche bereits andere SSL Produkte kennen, werden dieses Gerät als sehr intuitiv empfinden. Man fühlt sich sofort zu Hause, alles ist gut zugänglich und man kann seine Arbeit sehr schnell verrichten!

Bei Aufnahmen gefällt mir, dass ich das Signal des Mikrofonvorverstärkers direkt über die Fader in meine DAW schicken kann... Diese fühlen sich sehr angenehm an und besitzen eine präzise Ansprache...auch wenn sie sich auf den ersten Blick von den Fadern anderer SSL Produkte unterscheiden.

Die SuperAnalogue Technologie des X-Desk bietet eine wirklich hochwertige Klangqualität mit einem hohen dynamischen Umfang und Frequenzgang. Das kann man hören...

Der Test


Wir haben den X-Desk in einem (Heim)Studio getestet, das auf einem ProTools HD3 System mit Digidesign 192 I/O Interface basiert. Es ist immer schwierig den Klang eines Mixers zu beschreiben, da diese Bewertung immer in Bezug auf die Signalqualität und den Klangcharakter des Mixers gesehen werden muss. Dazu kommen noch weitere, wesentlich subjektivere und persönliche Faktoren wie Vielseitigkeit, Arbeitsfluss und Verständlichkeit.

Bei diesem Test war es mein Ziel, einen einfachen Vergleich zwischen einem 'in-the-box' und einem X-Desk Mix bieten zu können. Splinn (eine Rock/Metal Band - www.myspace.com/splinn) hat mir netterweise erlaubt die Audiodateien ihrer ersten EP für diesen Test zu verwenden.

Ich fing mit einem PreMix in Pro Tools an und verwendete dabei einen Bus für die Bass Drum, einen Bus für die Snare Drum, einen Stereo Bus für Toms/Overheads, einen Bus für die Bassgitarre, einen Stereo Bus für Stimmen/Backings/FX und drei Stereo Busse für E-Gitarren, akustische Gitarren und sonstige Gitarren.

Ich habe dann dieselbe Session genommen, die Bus Ausgänge mit den Line und ALT Eingängen des X-Desk verbunden und die Pegel auf einen Nominalwert gebracht.

Da sich mir die Möglichkeit bot, tat ich genau dasselbe mit einem NEVE 8816 Summing Mixer und verwendete genau dieselben technischen Bedingungen. Wenn man den gesamten Markt der Summing Mixer betrachtet (mit Produkten wie Chandler, API, Audient, SPL, AL.SO, Manley, TubeTech, Thermionic Culture, Dangerous, etc.), dann ist dieser Test relativ beschränkt.

Um diesen Test richtig durchzuführen und am Ende eine (fast) objektive Eindruck zu erhalten, müsste man schon eine Vielzahl verschiedener Signal aus den verschiedensten Stilrichtungen, mit unterschiedlichen Dynamikstufen verwenden. Dennoch hoffe ich, dass Euch diese Klangbeispiele einen Eindruck über das Potential des X-Desk geben können.

Ihr findet die Audiodateien hier: https://fr.audiofanzine.com/console-analogique/ssl/X-Desk/medias/s.files.html
Ein paar von uns (ich inklusive) hätten gerne acht Mikrofonvorverstärker gesehen...auch wenn das Gerät dann teurer geworden wäre. Dennoch glaube ich, dass SSL die heutigen Bedürfnisse sehr gut verstanden hat: Ein Mixer mit nur Line Vorverstärkern und keinen EQs erlauben es dem Tontechniker, die eigenen bevorzugten Mikrofonvorverstärker und externe Prozessoren zu wählen. Dies ermöglicht einen Mix aus unterschiedlichen Herstellern und Klangfarben... Somit ist es also möglich, die Qualität eines SSL Signalpfads zu geniessen und dabei den Klangcharakter der bevorzugten externen Geräte zu bewahren.

Die Insert Funktion ist wirklich nützlich (ich würde sogar sagen essentiell!): Damit kann das aufgenommene Signal einfach und direkt bearbeitet werden und der Insert kann also zusätzlicher Send verwendet werden (da er unabhängig von der Position des Schalters immer aktiv ist). Ich wiederhole mich hier, da dies bei anderen kompakten Mixern nicht immer der Fall ist.

Der Phasenumkehrschalter beim Vorverstärker gab mir Anfangs ein wenig Rätsel auf, bis ich dann doch eine relativ einfache Erklärung fand: Der X-Desk wurde natürlich für die Zusammenarbeit mit anderen Produkten von SSL optimiert. Nachdem ich dann die verschiedenen Produkte von SSL ein wenig genauer anschaute, fiel mir auf, dass der Alpha VHD Pre (ein 4-Kanal Mikrofonvorverstärker) über keine solche Funktion verfügte! Wenn man sich also zwei Alpha VHD Pres kauft, dann hat man auch die acht SSL Mikrofonvorverstärker für den X-Desk...SSL denkt aber auch wirklich an alles!

Man braucht immer noch einen externen Kopfhörerverstärker mit mehreren Ausgängen, wenn man Sänger und Musiker in verschiedenen Aufnahmeräumen gleichzeitig aufnehmen möchte. Das Signal des Cue Stereo Bus ist wirklich sehr klar (wie es auch sein sollte...). Das Talkback Signal könnte dagegen besser sein. Wenn man mit dem Musiker reden möchte, während er sich den Mix in seinem Kopfhörer anhört, dann muss der Pegel des Talkback Signals bereits recht laut sein...leider fängt es dann an zu zerren. Ich denke mal, dass die Ingenieure von SSL hier versucht haben, die Schaltung der 4000 und 9000 Serie zu kopieren...leider war dieser Versuch nicht von Erfolg gekrönt...

Beim Mixdown erhält man ebenfalls professionelle Vielseitigkeit. Das Signal tönt klar, aber nicht kalt...ich würde sagen, der X-Desk gibt dem Klang noch ein wenig Biss. Die Bässe sind sehr gut definiert und die Mitten und Höhen sind präsent, aber nicht aggressiv. Das dynamische Abbild ist sehr ausgewogen. Man spürt, dass der Mixer dem Klang etwas hinzufügt, kann aber keine merkbare Klangfärbung feststellen.

Das hat wahrscheinlich mit dem riesigen Headroom zu tun, der grösser als der Mixer selber zu sein scheint! Beim Aufnehmen, wie auch beim Mischen kann man die Pegel nach oben drücken und die Line Vorverstärker aufreissen, ohne dass dabei die Klangqualität leidet. Die 3-farbigen LEDs sind übrigens exzellente Anzeigen: Auch wenn sie rot aufleuchten hat man immer noch ein wenig Headroom, bevor das Signal zu zerren anfängt.

Die Pegelanzeigen wurden sicherlich für DAW Systeme optimiert und gehen von -60 bis 0 dB...FS! Wenn man den Pegel des X-Desk insgesamt als zu hoch empfindet (und aus diesem Grund schwierig in Griff zu kriegen sind), dann können die LEDs auch auf eigene Bedürfnisse kalibriert werden (damit man zum Beispiel nach oben mehr gefühlten Headroom hat).

Wenn man das ALT Signal dem Stereo Cue zuweist, dann wird der Nominalpegel erreicht, wenn sich der Cue Pegel auf dem Maximum und der Master Cue Pegel auf '0' befindet. Der Stereo Cue Bus besitzt keine Line Vorverstärker - man kann also den Eingangspegel der ALT Signale separat absenken, jedoch nicht separat anheben. Über den Master Cue Level Regler kann jedoch der gesamte Pegel des Stereo Cue Bus angehoben werden.

Praktisch hätte ich gefunden, wenn man jedes ALT Signal aus Stereo Cue entfernen könnte, ohne dabei die Pegeleinstellung zu verlieren. Die Möglichkeit gewisse Signale für Solo Listening isolieren zu können ist ganz nützlich, doch ALT Signale können nur wie folgt aus dem Mix entfernt werden: a) indem man den CUE ST Pegel auf Null dreht, oder b) indem man den Cue to Mix Schalter ausschaltet. Im zweiten Fall wäre ein On/Off Schalter für den Cut to Mix (wie bei der 4000 Series) gern gesehen gewesen...

Was den Dynamikumfang betrifft, so gilt für den Mix Bus dasselbe, was auch schon für die einzelnen Kanäle gilt: Beide haben den typischen SSL Dynamikumfang. So gesehen empfand ich den Master Level Regler als sehr nützlich, auch wenn sich SSL immer bemüht, dass Anwender von dem hohen Headroom ihrer Geräte profitieren können...

Was mich am Ende wohl am meisten beim X-Desk beeindruckt hat, war der Fakt, dass in so einem kleinen Mixer die gesamte 30-jährige Erfahrung und Philosophie von SSL gefunden werden kann. Das bedeutet so viel wie einen vielseitigen Arbeitsfluss, die Klangqualität und die Verarbeitung machen aus diesem Mixer ein mächtiges Werkzeug mit hoher Zuverlässigkeit.

Für um die €2'200 erhält man einen kompakten Mixer, der alle Tricks eines grossen Mischpults beherrscht!

Fazit

SSL hat mit dem X-Desk den Nerv voll getroffen und bietet einen erweiterbaren Mixer, welcher stets den Fokus auf die Bedürfnisse moderner professioneller Musikproduktionen hat. In diesem kleinen Gerät findet sich das gesamte Wissen und die Philosophie von SSL. Es hat sicher nichts, weswegen er gegenüber vergleichbaren Produkten neidisch sein müsste...doch gibt es bei diesem Preis überhaupt Konkurrenten?

SSL Fans werden typischen SSL Sound geniessen! Der Rest von uns, der schon immer mit SSL Produkten arbeiten wollte, wird den X-Desk als die beste Möglichkeit sehen, seinen Traum zu einem zahlbaren Preis Wahrheit werden zu lassen.

  • Klarer, aber etwas bissiger SSL SuperAnalogue Sound in einem kompakten Mixer
  • Von SSL bekannte Vielseitigkeit und Philosophie
  • Möglichkeiten von Routing, Summing und Monitoring, die man von einem grossen Mischpult gewohnt ist
  • Präzise Funktionen, welche aus dem X-Desk einen absolut zuverlässigen Mixer machen
  • Intelligent aufgebauter Stereo Cue Bus bietet insgesamt 16 Kanäle
  • Erweiterbar mit bis zu acht X-Desks, und der Möglichkeit, bevorzugte externe Geräte zu integrieren
  • Was für ein Preis!

  • Talkback Sound
  • CUE ST Level Control ohne 'Push-Push' Schalter (wie beim 4000), um das Signal zu entfernen, ohne dabei die Pegeleinstellung zu verlieren
  • Kabel müssen separat gekauft werden...
  • Keine 'X-Desk XPander' Version ohne Monitor, FX Send/Return Funktionen