Steinberg Cubase 5
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Steinberg Cubase 5

Cubase 5, Allgemeiner Sequenzer from Steinberg in the Cubase series.

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Einführung

Steinberg Cubase 5: Take Five
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Cubase ist bei den Sequenzern eines der Urgesteine. In einer Zeit wo Hersteller sich nur so mit neuen Versionen übertreffen hat Steinberg ebenfalls eine attraktive 5. Version veröffentlicht. Das sollten wir uns genauer anschauen...

Cubase ist neben Logic einer der ältesten Sequenzer auf dem Markt und hat der Konkurrenz bereits eine Menge ergonomische, technologische und konzeptuelle Standards aufgedrückt. Eine neue Version dieser angesehenen Software ist somit bereits ein Anlass für sich – auch wenn man eingestehen muss, dass es bereits eine beträchtliche Anzahl Mitstreiter auf dem Markt gibt. Aus diesem Grund kann man auch sagen, dass Cubase nicht mehr die einzige Anwendung mit Innovation und bestechender Qualität ist. Neben den üblichen Verdächtigen (Logic, Sonar, Pro Tools, Samplitude, Digital Performer and Ableton Live) kamen in den letzten zehn Jahren eine Menge Anwendungen auf den Markt, die zwar über variierende Preise und Popularität verfügen, aber allesamt vollgestopft mit grossartigen Funktionen sind: Fruity Loops, Melodyne, Tracktion, Energy XT, Reaper ...

In einem so hart umkämpften Markt ist es natürlich immer schwieriger sich von der Konkurrenz abzuheben. Cubase 4 hatte seine Kritiker, auch wenn darin der VST3 Standard eingeführt, virtuelle Instrumente aktualisiert und ein neues Media Management System vorgestellt wurden. Zudem konnte man endlich Effekte über 'Drag&Drop' von einer Spur auf die andere bewegen. Das ganze schien aber mehr, als ob Steinberg wieder mit der Konkurrenz gleichziehen wollte, als wirklich etwas neues zu erfinden. Sogar originellere Einfälle wie das Management externer Hardware (vor allem von Yamaha, da dieser Hersteller erst kürzlich Steinberg erworben hatte) und neue Control Room Funktionen waren zwar interessant, aber nicht für alle Kunden von hohem Stellenwert. Auf jeden Fall sind all diese Neuerungen keine Rechtfertigung für den heftigen Preis von €879!

Zum Glück hat die Veröffentlichung von Logic 8 Steinberg dazu bewogen seine Preispolitik und Marketing Strategie zu überdenken – wie Logic so kann auch Cubase jetzt für um die €500 gefunden werden! Mit den ziemlich interessanten Updates 4.1 und 4.5 (Sidechain Management für Effekte, besseres Routing, zusätzliche Sound Banks für HALionOne, etc.) und nun dieser Version 5, versucht Steinberg wirklich sein bestes um uns zu verführen. Schauen wir uns mal ein paar Details an...

64 und kein bisschen müde...

Die Box ist schwer und das ist ein gutes Zeichen. Neben dem USB Dongle und der Seriennummer, mit der man sich registrieren kann, werden dem Käufer auch gleich zwei Bedienungsanleitungen spendiert: Ein Quick Start Guide und eine ziemlich grosse, ausführliche Bedienungsanleitung. Trotzdem werden darin weder die Effekte noch die virutellen Instrumente beschrieben, die in Cubase 5 enthalten sind (dazu muss man sich durch die zusätzlichen PDF Dokumente kämpfen). Es gibt insgesamt 4 DVDs: eine um das Programm zu installieren, eine mit Sounds und Samples und zwei DVDs mit einer 90-tägigen Demo Version von HALion Symphonic Orchestra . Zusätzlich zu den Bedienungsanleitungen erhält man noch eine grosse Anzahl Anleitungsvideos – allesamt sehr schön gemacht und sehr informativ. Wenn man bedenkt, dass Steinberg seine Anleitung bisweilen nur als PDF herausgebracht hatte, so können wir diesem deutschen Hersteller nur herzlich für sein Umdenken danken.

Die Installation ging sehr flott, und nachdem ich das rote Desktop Symbol zweimal angeklickt hatte, befand ich mich in gewohnter Umgebung: Das Projektfenster. Die erste Neuerung in dieser Version wird einem nicht auf den ersten Blick ersichtlich: Cubase unterstützt jetzt die 64Bit Technologie. War dem nicht bereits so? Ja und nein – auch wenn Cubase 4 bereits mit 64 Betriebssystemen kompatibel war, so war der Code noch nicht wirklich dafür geschrieben worden. Demnach handelte es sich lediglich um eine 32Bit Anwendung, die in einer 64Bit Umgebung betrieben werden konnte.  Cubase 5 dagegen ist vollkommen in 64Bit erhältlich.

Was ist so besonders an 64Bit? Ganz einfach: Damit wird der zuweisbare Speicherplatz erhöht. 32Bit Betriebssysteme können maximal 3.2 GB Speicher ansprechen, während ein 64Bit OS theoretisch bis zu 128GB adressieren kann (ich sage theoretisch, da es im Augenblick noch keine Maschine mit so viel RAM gibt). Dies ist ein sehr wichtiges Detail, wenn virtuelle ROMpler Banks von über 10GB erfordern, um ein einziges Instrument zu emulieren (BFD, superiorDRUMMER 2, Vienna, EastWest Symphonic Orchestra, Ivory Piano, etc.). Zudem vereinfacht dies die Welt derjenigen, die grosse Video-Dateien innerhalb ihres Sequenzers integrieren müssen.

Low tech Propellerhead!

Aber nicht alles ist rosig im 64Bit Land. Auch wenn Steinberg sich verpflichtet hat das Mac OS X, Vista 64 und das bald erscheinenden Windows 7 zu unterstützen, so gibt es diese Pläne für Windows 64XP nicht. Vergesst auch nicht Eure Plug-Ins genauer anzuschauen: Gewisse Hersteller haben bereits eine 64Bit Kompatibilität und Steinberg schlägt die Verwendung der VST Bridge Technologie vor, um 32Bit Plug-Ins im 64Bit Sequenzer betreiben zu können. Dennoch kann es immer noch sein, dass ein altbewährtes Plug-In nun plötzlich nicht mehr funktioniert. Die Verwendung von VST Bridge frisst zudem Ressourcen vergleichbar mit einem echten 64Bit Plug-In. Dazu kommt noch die Inkompatibilität mit Propellerhead Technologien: Wenn man Cubase 4 64Bit in einem 64Bit OS betreibt, kann man keine REX Dateien oder ReWire mehr benutzen: kein Reason, Ableton Live oder Melodyne mit Cubase mehr... Natürlich wird Propellerheads diese Situation irgendwann einmal in die Hand nehmen – doch bislang wurde dazu noch nichts offizielles kommuniziert. Was muss man in dem Fall tun? Die 32Bit Version installieren (läuft ohne Probleme auf einem 64Bit System) und warten bis sich Propellerhead in Bewegung setzt. Die nervt – doch dafür kann Steinberg nichts. Schauen wir uns aber die Funktionen an, welche die Arbeitsweise mit Cubase 5 völlig neu gestalten sollen...

Cogito, Ergonomic Sum

Was das Interface betrifft, so wurde hier das Rad nicht neu erfunden. Der Hersteller scheint es sich in dieser Version zum Ziel gesetzt zu haben, die ganze Bedienung zu vereinfachen. Nehmen wir da zum Beispiel die neue Oberfläche für die Automatisierung, wo nun in einem Fenster alle Hauptbefehle vereint wurden. Jetzt genügt ein Klick, um alle Spuren in den Read oder Write Modus zu schalten. Automations-Informationen können jetzt wahlweise angezeigt oder ausgeblendet werden, oder man kann Playback- und Aufnahmen-Funktionen nach Typ ein- oder ausschalten: Volumen, Pan, EQ, Sends, Inserts. Das spart beträchtlich Zeit!

Was die Steuerung betrifft, so wurden eine Menge kleinere Verbesserungen vorgenommen. Dazu gehören ein virtuelles Keyboard mit dem sich Musik über eine herkömmliche Tastatur spielen lässt, oder eine kostenlose Anwendung für iPod/iPhone mit der sich die Transport Bar über WiFi fernsteuern lässt...ganz nett – aber wahrscheinlich noch nicht genug um ein Upgrade zu rechtfertigen. Doch Steinberg ist zu diesem Anlass auch auf eine Menge Kundenwünsche eingegangen und hat eine Exportfunktion für mehrere Audio Dateien integriert.

 

Total Export, Hallelujah!

Schon vor Jahren von vielen Anwendern gewünscht, ermöglicht die Total Export Funktion das Exportieren mehrerer Spuren in einem Durchgang. Wenn man bislang in Cubase zum Beispiel eine CD mit 16 Spuren erstellen wollte (zur Weiterverarbeitung in einem anderen Studio...und ohne Verwendung des OMF Formats), dann musste man diese Spur für Spur durch Verwenden des Solo und Mute Buttons exportieren...reine Zeitverschwendung! Jetzt ist es im Mixdown Fenster möglich jeweils für die gewünschten Ausgänge, Spuren oder Instrumente und Effekt-Wege ein Häkchen zu aktivieren. Eigentlich fehlt nur noch eine Funktion um die Effekte in einer Spur wahlweise ein- oder auszuschalten. Natürlich kann man dies aber auch im Mixer selber vornehmen...
Es wäre auch schön gewesen, wenn Cubase mit sogenannten 'Lossless' Audiodateien umgehen könnte (z.B. Monkey Audio)...ein bisschen Platz sparen kann nie schaden.
Nun ja – auch wenn Steinberg im Augenblick mehr mit der Konkurrenz aufschliesst als wirkliche Innovationen zu bieten, so ist diese einfache Funktionen doch auf jeden Fall das Upgrade
wert.

Tempo

Vielleicht für gewisse nicht ganz so wichtig, aber für andere um so mehr, ist das Hinzufügen von zwei neuen Arten von Spuren: Tempo Track und Signature Track. Damit lassen sich Änderungen im Tempo und der Taktart innerhalb des Projektes programmieren. Cubase besass bereits einen Tempo Editor, doch das war eben nur ein Editor – und dazu kein wirklich ergonomischer. Jetzt können Tempi und Taktarten ganz einfach per Mausklick verändert werden, ohne dass man dabei das Projektfenster verlassen muss. Unglücklicherweise kann man pro Projekt nur eine Tempo- und eine Signature-Spur haben. So ist es nicht möglich eine 3/4 und eine 4/4 Spur gleichzeitig abzuspielen, oder eine Spur im Tempo zu erhöhen, während eine andere das Tempo beibehält...doch solche Beispiele sind auch eher selten.
Diese zwei neuen Spuren sollten jedoch auf jeden Fall die Arbeit für Komponisten und Produzenten vereinfachen.


MIDI Plug-Ins

Widmen wir uns nun den MIDI Plug-Ins: Diese wurden komplett überarbeitet und um zwei neue ergänzt: MIDI Monitor und Beat Designer (wird später noch genauer besprochen).
Das MIDI Monitor Plug-In erlaubt einem eine Übersicht über alle Befehle die durch den MIDI Sequenzer geschickt werden. Somit wird es zu einem überaus wertvollen Werkzeug um einen Fehler oder Verbindungsproblem zu diagnostizieren. Dieses ist auch sehr nützlich um komplexere Abläufe zu programmieren – so können Logs zum Beispiel in externe TXT Dateien exportiert werden.

Bei den anderen MIDI Plug-Ins wurden ebenfalls grafische oder funktionelle Verbesserungen vorgenommen. Dem Chorder Plug-In wurde so zum Beispiel ein MIDI Learn Modus spendiert. Einziger Minuspunkt: Dem Anwender werden immer noch keine Werkzeuge gegeben um das MIDI Programmieren von akustischen Instrumenten zu vereinfachen (wie z.B.MusicLab's Rythm'n'Chord). Dennoch war Steinberg im Bereich der realistischen MIDI Programmierung keinesfalls faul – dies zeigt sich in VST Expression...einer weiteren grossen Neuerung in Version 5...

VST Expression: Express Yourself!

Doch was ist es? Nun – es handelt sich hierbei um ein Interface mit dem sich die vielen spezifischen Artikulationen in den grossen Symphonic Sound Banks (Vienna, Garritan, East West Symphonic Orchestra, etc.) steuern lassen. Ähnlich wie eine Drum Map das Editieren von Drums vereinfacht, so können hier Expression Maps erstellt werden, mit denen sich Continuous Controller auf eine spezifische Spieltechnik anwenden lassen (staccato, glissando, tremolo, etc.). Wenn die Expression Map einmal erstellt wurde, muss man nur noch die Veränderungen der Artikulation unterhalb des Piano Rolls einstellen (am gleichen Ort, der auch für Continous Controller verwendet wird), oder die entsprechenden Symbole im Score Editor verwenden.

Das wär's auch schon – ziemlich einfach eigentlich. Dennoch vereinfacht es die Dinge sehr – man merkt dies sobald man die Demo Version des HALion Symphonic Orchestra installiert, oder mit den Brass, Gitarren und Bass Samples des HALion ONE Expression Set 01 zu spielen beginnt. Wie bei allen guten Ideen fragt man sich schon bald, wieso da noch keiner zuvor daran gedacht hat. Neben einer einfacheren Programmierung erlaubt VST Expression auch das Transferieren von Sequenzen aus einer Bank in eine andere – solange die entsprechenden Expression Maps vorhanden sind. Vielleicht könnte man genau bei diesem Thema noch einen kleinen Mangel beanstanden: Auch wenn Cubase Expression Maps für HALion One und HALion Symphonic Orchestra bietet, so existieren doch (noch) keine für die grossen Symphonic Samples. Also muss man kräftig in die Hände spucken und die Sache selber in die Hand nehmen - oder warten bis die Hersteller selber (oder andere Enthusiasten) den Job für einen erledigen. Dies wird zwar wahrscheinlich früher oder später geschehen – ob VST Expression aber zu einer Art Standard wird, bleibt einmal dahingestellt...

Vari-ationskraft!

Die Total Export und VST Expression Funktionen sind vielleicht wichtige Erweiterungen für Cubase, aber die Funktion, die in Cubase das grösste Echo ausgelöst hat, ist mit Sicherheit VariAudio. Dies ist im Wesentlichen eine Melodyne-ähnliche Funktion welche direkt in Cubase integriert wurde. Im Audio Editor gibt es jetzt ein neues Menü mit dem Namen 'VariAudio'. Wenn man dieses aktiviert fängt die Software an die Datei zu analysieren. Anschliessend kann die Datei ganz wie eine MIDI Datei bearbeitet werden. So kann die Tonhöhe und die zeitliche Positionierung einzelner Segmente eingestellt werden, während eine Kurve über die Formatnen Auskunft gibt. Ergonomisch gesprochen ist die Integration perfekt: Wenn man die Maus über eine Note hält, so wird die Tonhöhe und der Unterschied zum nächsten Halbtonschritt angezeigt, während über das ganze eine 'Piano Roll' Umgebung gelegt wurde, um die Bearbeitung zu vereinfachen. Im Vergleich zum Melodyne Plug-In ist die Integration nahtlos: Alles funktioniert in Vollbild und nicht in einem minimierten Fenster. Es gibt auch keine Sorgen wegen doppelt belegter Shortcuts zwischen Melodyne und Cubase – und zudem muss man nicht die ganze Audiodatei 'bouncen' um das Resultat hören zu können. Im Vergleich zu Melodyne fehlt eigentlich nur noch eine Sache: VariAudio kann die Lautstärke einzelner Segmente nicht bearbeiten. Doch Steinberg macht das mit einer 'Audio to MIDI' Funktion wieder gut (Melodyne speichert übrigens ebenfalls eine MIDI Datei des Projekts ab). Damit lässt sich eine Mono Audio Spur in eine Sequenz einsetzen und über ein virtuelles Instrument neu abspielen. Natürlich werden hier die Möglichkeiten durch die Qualität des Tonmaterials und Limitierungen in der Analyse eingeschränkt. Dennoch können die Resultate ganz erstaunlich sein und vor allem im Sounddesign zu ganz neuen Ideen führen...

Wie gut tönt VariAudio? Auch wenn die Algorithmen von VariAudio im Vergleich zur Konkurrenz ganz gut dastehen, so können sie doch nicht mit Melodyne mithalten. Dies gilt vor allem für extreme Veränderungen (z.B. plus oder minus eine Oktave). Das hängt natürlich auch alles davon ab, was man denn transponieren möchte – gewisse Klänge funktionieren besser als andere (z.B. Bass), während bei gewissen komplexeren Klängen (z.B. Stimmen) schon schneller die Grenzen erreicht werden. Natürlich hängt auch alles von der Anwendung ab: Versteckt im Mix können gewisse Dinge gar nicht mehr gehört werden, während sie nach vorne gemischt unbrauchbar wären. Dennoch ist es äusserst praktisch ein solches Werkzeug zur Verfügung zu haben. Es ist wirklich sehr praktisch und tönt in vielen Situationen sehr gut.

Hier sind ein paar Klangbeispiele:

Bass: original, variaudio1, variaudio2

Gitarre: original, variaudio1

Saxofon: original, variaudio1

Stimme: original, pitch change1, two voices, pitch change2

Steinberg hat VariAudio zum Anlass genommen, um dem Anwender mit 'Pitch Correction' ein weiteres Werkzeug zur Verfügung zu stellen. Wie der Name bereits vermuten lässt, handelt es sich hier um ein Plug-In, welches in der jeweiligen  Tonart die Tonhöhe automatisch anpasst (wie in Auto Tune). Es ist möglich eine bestimmte Tonleiter festzulegen, die Toleranz zu definieren und andere Paramter einzustellen. Der grosse Unterschied zu VariAudio ist, dass dieses Plug-In in Echtzeit funktioniert und bei richtig eingestellten Werten seine Aufgabe ganz gut bewältigt. Mit Pitch Correction können sich auch ein paar Spezialeffekte erzeugt werden: Mickey Mouse (+ 2 Oktaven), Barry White (-2 Oktaven). Das Plug-In kann auch über MIDI angesteuert werden oder den 'Cher' Effekt erzeugen.
Zwischen Pitch Correct, VariAudio und AudioWarp ist es wirklich möglich seine Spuren zu bearbeiten, als ob sie aus 'klanglichem Lehm' bestehen würden. Dies ist ein wirklich gutes Argument für Cubase 5 – diese Anwendung hat jetzt was Audio Editing betrifft ein ganz eigenes Niveau erreicht...

FX Maschine

In Cubase 4 hat Steinberg den mitgelieferten Effekten ein Update gegönnt, und jetzt werden dem Anwender mit Cubase 5 insgesamt 58 Plug-Ins zur Verfügung gestellt. Die Auswahl dieser Effekte ist sehr ausführlich und deckt so ziemlich alle Bedürfnisse ab: Spektrale Bearbeitung (EQ, Filter, Wah, Enhancer), Dynamik (Kompressor, Gate, Expander, De-Esser, Transient Designer), Spatial (Autopan, Stereo Widener), Pitch (Octaver), Modulationseffekte (Chorus, Phaser, Flanger, Ring Modulator), Verzerrungen, Simulationen von Verstärkern, Stimmgeräte, Klangerzeuger, ect...etc...
Es sollte hier eine leichte Redundanz festgestellt werden: Gewisse Effekte sind zum Teil als Mono und als Stereo Versionen vorhanden (wie bei den Wave Effects Bundles). Anstatt dem Anwender vier verschiedene Delays zu geben, wäre es vielleicht schlauer gewesen das Plug-In etwas durchdachter zu programmieren...

Dennoch sollte man Steinberg ein Lob dafür aussprechen, dass sie mit Reverence endlich ein hochwertiges Reverb mitgeliefert haben. Hier handelt es sich um einen Faltungshall, der das mittelmässige RoomWorks ablösen soll (welches aber immer noch zur Verfügung steht). Es gibt zu Reverence selber eigentlich nicht so viel zu sagen. Die Funktionen sind denen anderer Faltungshalle sehr ähnlich (Hallparameter, 3-Band EQ, Reverse Mode, Preview...). Man sollte vielleicht noch anmerken, dass das Plug-In in Stereo und Surround funktioniert und mit einer Sammlung an Impulsantworten ausgestattet wurde. Dies sind jedoch nur Reverbs – keine Lautsprecher-Simulationen für Gitarristen. Da man jedoch eine Menge Impulse auf dem Internet finden kann und es auch möglich ist WAV oder AIFF Dateien zu importieren, ist dies kein grösseres Problem.

Der einzige Kritikpunkt, den man bei diesem Hall anbringen kann, ist allen Plug-Ins dieser Art gleich: Reverence frisst ganz schön CPU Leistung. Um das Plug-In in Stereo zu betreiben hält sich die Sache noch in Grenzen – wer aber Reverence in Surround verwenden möchte, der sollte lieber mit einer leistungsfähigen Maschine ausgestattet sein. Dennoch – Steinberg benötigte wirklich seinen eigenen Faltungshall. Wer schon einen besitzt, dem kann dies egal sein. Wer aber noch keinen besitzt kann sich hier ein bisschen Geld sparen...

...dasselbe gilt auch für alle anderen Plug-Ins. Mit ihnen lässt sich eine gesamte Produktion von A bis Z durchführen. Es fehlt an nichts und man kann mit Cubase 5 so arbeiten, wie es ausgeliefert wird. Was die Qualität der Effekte betrifft, so kann man sagen, dass es zwar an nichts fehlt, die Plug-Ins aber auch nicht mit den Effekten von Drittanbietern mithalten können. Speziell die EQ und Dynamik-Effekte können nicht mit Produkten von Flux, Sonnox, Wave, URS, oder PSP verglichen werden– doch diese kosten zum Teil auch mehr als der gesamte Sequenzer selber...

Groove Baby Groove!

In Cubase 5 stellt Steinberg zwei neue virtuelle Instrumente und ein MIDI Plug-In vor. Letzteres widmet sich ganz elektronischen Rhythmen: Groove Agent One, LoopMash, und Beat Designer.

Entgegen allgemeiner Meinung ist Groove Agent One nicht vergleichbar mit dem alten Groove Agent – viel eher mit dem LM4...mit einem Aussehen das an Akai MPC erinnert. Es handelt sich hier um einen Drum Sampler mit 16 virtuellen Pads die auf eine AIFF, WAV, MPC Datei, oder verschiedenen Slices eines Loops zugewiesen werden können.  GA1 kann bis zu 8 Layers pro Pad ansteuern und es stehen einem insgesamt 8 Banks mit jeweils 16 Pads zur Verfügung. Pads werden durch ein einfaches 'Drag&Drop' aus der MediaBay, dem Audio Editor oder dem Projektfenster zugewiesen – aber unglücklicherweise nicht aus dem Desktop. Wenn man aber mehr als eine Datei auf  dasselbe Pad legt, dann erstellt die Software die dazugehörigen Layers automatisch. Was das Editieren betrifft, so stellt der GA1 eine Menge Bedienelemente zur Verfügung: Tuning/Transpose Sample, Amplitude Curve, Multimode Filter (aber nicht mit Resonanz...seufz), Reverse Mode... Kurz gesagt: Es gibt hier genug einzustellen, auch wenn man wünschen könnte, dass diese Sektion etwas besser entwickelt worden wäre. So war es nicht möglich die Start- und End-Punkte des Samples einzustellen, und es gibt auch keine Effekte (Distortion, Delay, etc.). Natürlich kann man diese Effekte im Mixer mit unterschiedlichen Audio-Ausgängen einstellen – dies ist jedoch weit weniger intuitiv. Auch wenn die beiden sich gleichen, so sollte man nicht erwarten, dass der Groove Agent One auch nur annähernd an Guru von FXpansion herankommt. Doch schliesslich handelt es sich hier um eine Anwendung die in einem Sequenzer integriert ist...

Was Sequencing betrifft, so wird man mit dem neuen MIDI Plug-In Beat Designer eine Menge Spass haben. Indem die Ergonomie und Logik eines klassischen Step Sequenzers verwendet werden (bis zu 64 Steps pro Pattern mit unterschiedlichen Taktarten), kann der Beat Designer schon schnell den Groove Agent One oder irgendeinen anderen Synthesizer oder Drum Sampler ansteuern. Die Anwendung ist dabei äusserst einfach: Ein Klick um einen Event hinzuzufügen, ein Klick um einen zu löschen und 'Click&Drag' um die Anschlagsdynamik zu ändern. Über zusätzliche Slider kann zudem der 'Swing Feel' eingestellt werden. Dies ist wirklich ein netter kleiner Sequenzer...auch hier sollte angemerkt werden, dass die Kombination aus Groove Agent One und Beat Designer noch lange nicht an die Leistungsfähigkeit und Ergonomie von Guru heranreicht...

Zuletzt noch das originellste Mitglied: LoopMash. Keine Sequenzen oder One Shot Samples – diesmal arbeiten wir mit Loops – also einem Konzept welches Miracle von PowerFX oder Guru (schon wieder) sehr ähnlich ist. Die Idee hier ist es den Groove eines Master Loops mit dem Sound von 7 anderen Loops zu kombinieren. Ähnliche Elemente über die Loops und Beats hinweg werden aneinander angepasst und zu neuen 'Mash-Ups' zusammengefügt. Dazu kann beliebiges rhythmisches Klangmaterial verwendet werden. Die Software basiert auf einem Klangerkennungs-Algorithmus, und es können bis zu 8 Szenen mit einem einzigen Klick aufgenommen werden. Es gibt nicht viele Einstellungsmöglichkeiten, doch das ist ganz in Ordnung. So bleibt LoopMash ein einfaches und effektives Werkzeug um originelle Ideen zu finden – spezielle wenn man versucht melodische Loops und Drum Loops zu mischen. Wer auf Electro steht, dem wird diese Funktion sicher sehr gut gefallen. Wer eher auf Jazz oder Rock steht, den wird diese Funktion nicht interessieren – dasselbe gilt für Groove Agent One oder Beat Designer.

Ich möchte einen der wenigen Schwachpunkte von Cubase gegenüber der Konkurrenz unterstreichen: Die Anzahl virtueller Instrumente. Obwohl Embracer, Monologue, Spector, oder HALion One an sich sehr interessant sind, so sind sie doch noch Welten entfernt von der Leitsungsfähigkeit und Flexibilität  vom Z3TA +, Dimension Pro, und Rapture LE Trio in Sonar, oder den Instrumenten die man mit Logic 8 erhält (Kein Rhodes, keine Orgel, etc.)...

Es wäre insgesamt weniger beschämend, wenn Steinberg Cubase wenigstens mit einem echten Software Sampler ausliefern würde (wieso ist eigentlich HALion nicht einfach inklusive?). Alles was wir als Grundausstattung erhalten ist  der HALionOne ROMpler mit Sound Banks die von 'ok' bis hin zu 'sehr durchschnittlich' reichen.

Was dies betrifft, so wäre es schön wenn Steinberg ein attraktiveres Angebot zu bieten hätte. Sei dies durch Marketing oder spezielle Lizenzen (Third Party Plug-Ins) – oder wieso nicht einfach Technologien oder Produkte von kleineren spezialisierten Entwicklern einkaufen?

Fazit

Cubase 5 ist ohne Zweifel ein Erfolg, und man kann ganz klar Fortschritt in vielen Gebieten erkennen. Anwenderfreundlicher, leistungsfähiger und besser ausgestattet – Cubase lebt und erfreut sich bester Gesundheit! Natürlich möchte man immer noch mehr (speziell virtuelle Instrumente), aber Funktionen wie VariAudio, VST Expression, Tempo/Signature Spuren, oder die Multitrack-Export Funktion machen dieses Update essentiell. Die Frage ob man von Version 4 (oder tiefer) ein Upgrade auf Version 5 kaufen sollte, kann nur mit einem klaren 'Ja' beantwortet werden. Dabei darf man aber nicht vergessen, dass die VariAudio Funktionen (neben anderen Dingen) nicht in der Studio Version enthalten ist.

Wer aber noch keinen Sequenzer besitzt, oder einen Wechsel ins Auge gefasst hat, für den wird die Antwort schon ein wenig schwieriger. Wenn man sich auf dem Internet umschaut, dann stellt man schnell fest, dass neben Magix, Cakewalk und Ableton kein anderer Hersteller eine Demo Version seiner Software zur Verfügung stellt! Es ist eine Schande, dass man viele Anwendungen vor dem Kauf nicht testen kann – vor allem wenn sie sich auf dem Papier nur in den Details unterscheiden. Wenn ich aber als treuer und langjähriger Cubase Anwender sprechen kann, dann kann ich Cubase 5 nicht genug empfehlen..

+ Vollkommen 64Bit!
+ VariAudio – effizient und voll integriert.
+ VST Expression.
+ Endlich gibt es einen Multitrack Export!
+ Endlich ein hochwertiger Hall!
+ Tempo und Signature Spuren – so viel einfacher...
+ Eine komplette 'All-in-One' Lösung.
+ Gedruckte Bedienungsanleitungen und Lern-Videos.
+ Groove Agent One – simple und effektiv.
+ Loopmash
+ Die Automation Anzeige
+ Das Konzept einer iPhone Anwendung um dem Sequenzer steuern zu können.

- Kein Sampler, keine Orgel, kein Klavier ausserhalb der Presets in HALion One
- Synthesizer sind mit der Konkurrenz nicht vergleichbar