PreSonus Studio One 2 Professional
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PreSonus Studio One 2 Professional

Studio One 2 Professional, Allgemeiner Sequenzer from PreSonus in the Studio One 2 series.

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Interview mit dem Vater von Studio One

AudioFanzine trifft den Technical Director von Studio One
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Im Zuge der Veröffentlichung von Studio One v2.5 traf AudioFanzine Matthias Juwan, der als Technical Director für PreSonus in Hamburg arbeitet. Wir sprachen über seine Karriere, die Zukunft von Studio One und über das Software Department von PreSonus.

Hallo Matthias! Kannst Du uns kurz Deinen Job bei PreSonus beschreiben?

Ich bin der CTO (Chief Technology Officer) bei der Niederlassung in Hamburg, welche sich um alle Software bezogenen Aktivitäten von PreSonus kümmert. Es gibt einen anderen CTO in Baton Rouge (Louisiana, USA), welcher verantwortlich für die Hardware ist. Wir arbeiten hier vor allem an Capture und Studio One, haben aber auch schon angefangen eine Software für die Studio Live Mixer zu entwickeln. Mein Ziel ist es, die Niederlassung in Hamburg auszubauen und somit ein wichtiger Bestandteil innerhalb des PreSonus Teams zu werden.


Bitte erzähl uns etwas mehr über Deine professionelle Laufbahn

Matthias Juwan PreSonus

Ich habe vor 12 Jahren angefangen mit Musiksoftware zu arbeiten. Ich studierte Computerwissenschaft und präsentierte die erste Version der Kristal Audio Engine als Teil meiner Abschlussarbeit. Zu diesem Zeitpunkt verfügte sie jedoch über nur vier Spuren. Ich ging damit auch zu Steinberg und bewarb mich für eine Stelle. Damals war Cubase noch in der Version 3.5 oder 3.7 und da ich in einer Band spielte, war ich mit der Software vertraut. Sie stellten mich dann in 2000 an und ich arbeitete für sie bis 2006. Anfangs war ich noch in der 'Consumer' Abteilung (Clean, My MP3) tätig, wurde dann für Cubase SX eingeteilt (ich habe den Step Sequenzer entwickelt), und arbeitete für zwei, oder drei Jahre innerhalb des HALion Teams. Gleichzeitig entwickelte ich zudem auch den Plex Virtual Synth.

Anfangs gefiel mir die Arbeit bei Steinberg sehr gut, doch dann kaufte uns Pinnacle und danach Yamaha. Ich hatte innerhalb der Firma dann keine wirklichen Perspektiven mehr und begann aus diesem Grund wieder in meiner Freizeit an Kristal Audio zu arbeiten. Ich stellte Version 4 fertig (mit 16 Spuren), veröffentlichte sie als kostenlosen Download und erhielt eine Menge ermutigender Rückmeldungen. Das positive Feedback motivierte mich dann auch daran weiter zu arbeiten.

Abermals fing ich von vorne an – diesmal mit einem Code und einem Framework mit dem Namen 'K2 Project'. Natürlich behielt ich währen dieser Zeit meine Anstellung bei Steinberg, doch ich wollte je länger je mehr mein ganz eigenes Projekt. Ich stand im Gespräch mit verschiedenen Investoren, darunter auch Behringer, welche Kristal Audio dann auch ein paar ihrer Bundles beilegten. Keiner wollte jedoch wirklich Geld in das Projekt investieren. Wolfgang Kundrus – den ich von Steinberg her kannte – kam dann schliesslich auf mich zu, da er Kontakte zu PreSonus hatte. Zusammen gründeten wir dann im Sommer 2006 in Hamburg die Firma 'Kristal Labs'. Unser erstes Projekt war 'Capture' für PreSonus. Wir verwendeten meinen K2 Source Code als Grundlage für Capture. Gleichzeitig begannen wir die Arbeit an Studio One.

 

War es einfach aus Studio One nicht nur eine in einem Bundle erhältliche Software, sondern eine komplett eigenständige DAW Aufnahmelösung zu erschaffen?

Das war tatsächlich nicht einmal so schwierig, da PreSonus starkes Interesse an einer eigenen DAW hatte. In den USA war ProTools immer noch sehr dominant und benötigte dringend eine ernsthafte Konkurrenz.

 

War die Arbeit mit PreSonus einfach?

Wolfgang und ich haben hier in Hamburg ein grossartiges Team mit früheren Steinberg Mitarbeitern zusammengestellt. PreSonus finanziert alles und gibt uns zugleich wertvollen Input, doch was den kreativen Anteil betrifft, so hatten wir die ganze Zeit freie Hand. Sie haben in unser Team vollstes Vertrauen. Im Jahre 2009 beschlossen wir, uns mit PreSonus zusammen zu tun – es war also das Ende von Kristal Labs und der Anfang von PreSonus Software.

 

Wie wirkte sich dies auf deine tägliche Arbeit aus?

Das war durchaus ein längerer Prozess. Wir mussten die Wahl treffen zwischen mehreren Projekten für unterschiedliche Firmen, oder der Arbeit für nur eine Firma mit nur einer handvoll Projekte. Momentan arbeiten wir eigentlich nur an Capture und Studio One, doch es stehen in der Zukunft auch weitere Projekte an. Es war rückblickend die beste Entscheidung, uns mit PreSonus zusammen zu schliessen, und ich fühle mich persönlich in dieser grossen Firma sehr wohl.

 

Bist Du eigentlich selber auch Musiker?

Der Begriff Musiker würde dann doch vielleicht ein wenig zu weit gehen – ich bin ein eher ungeübter Bassist. Ich spielte früher in verschiedenen Bands, habe jedoch seit ich zu programmieren begann immer weniger Zeit für die Musik...

 

Wie hilft Dir dies beim Programmieren von DAW Software?

Man muss die Erwartungen der Anwender verstehen, doch noch wichtiger ist es, seine eigenen Ziele klar zu definieren. Wer sind die typischen Anwender? Mit Studio One richten wir uns vor allem an Musiker welche sich selber aufnehmen. Das Team in Baton Rouge bietet uns den Blickwinkel eines 'herkömmlichen Musikers', während wir hier in Hamburg. unser Augenmerk ein wenig mehr auf elektronische Musik richten. Unser Ziel ist es Funktionen und Arbeitsflüsse zu definieren, die aus der Sicht des Musikers sinnvoll und logisch nachvollziehbar sind. Man kann natürlich niemals jeden zufrieden stellen, doch wir sind immer bestrebt eine in sich schlüssige Software Anwendung zu realisieren.

 

PreSonus Studio One 2.5

Wer bestimmt den Funktionsumfang von Studio One?

Das Team – und das ist ganz klar unsere Stärke. Wir sammeln Ideen von unserem Team in Hamburg, PreSonus Leuten in Baton Rouge, Anwendern, Beta Testern, Web Foren... Die Möglichkeiten sind zahlreich, und wir müssen gleichzeitig immer darauf achten die besten Ideen zuerst und zur rechten Zeit zu implementieren. Manchmal muss man sich mit gewissen Funktionen halt einfach gedulden, bis das richtige Fundament steht.

 

Hast Du für zwei oder drei Jahre eine Road Map?

Ja, wir nennen es 'Blue Sky'. Dort listen wir auf, was wir gerne mit unlimitierten Ressourcen realisieren würden. Natürlich muss man bei einem kleinen Team immer wieder Kompromisse eingehen.

 

Was ist Deiner Ansicht nach die beste Funktion von Studio One?

Für mich liegt der grösste Vorteil von Studio One in seinem Arbeitsfluss, also wie die unterschiedlichen Sektionen des Programms in die Software eingearbeitet wurden. So ist zum Beispiel Drag'n'Drop zu fast jedem Zeitpunkt möglich. Vielen Anwendern ist wahrscheinlich nicht einmal bewusst wieviele Dinge überhaupt per Drag'n'Drop bearbeitet werden können! Genau darin liegt der Vorteil alles von Grund auf programmiert zu haben. Wir arbeiteten an den Grundlagen und mussten Standardfunktionen mit neuen mischen.

 

Ist es ein Vorteil an einer im Vergleich zur Konkurrenz eher jüngeren Software zu arbeiten?

Da gibt es Vor- und Nachteile. Zum einen müssen wir uns nicht mit früheren Zeiten vergleichen, somit birgt ein relativ frischer Start auch eine Menge neuer Möglichkeiten. Andererseits mussten wir deshalb auch eine Menge Energie auf die Grundlagen der Software fokussieren, bevor wir unser Augenmerk auf wirklich neue Funktionen richten konnten. So finden Anwender in Studio One vergleichbare Funktionen wie in Cubase, Logic, oder Pro Tools, aber eben auch einige einzigartige Funktionen.

 

Hast eine lange Zeit damit verbracht die Konkurrenz zu analysieren?

Ja. So wurden wir zum Beispiel bei Shortcuts sehr stark beeinflusst. Vergiss dabei auch nicht, das in etwa 2/3 des Teams ursprünglich bei Steinberg arbeitete. Dennoch haben wir auch eine Menge selber entwickelt und werden dies auch in Zukunft tun. Am Ende kommt man halt immer wieder zum Anwender zurück. Gewisse fragen nach Funktionen und Optionen aus Cubase oder Logic. In solchen Fällen fragen wir nach dem eigentlichen Problem und versuchen dieses dann auf eine Art und Weise zu lösen, die unserer Philosophie entspricht.

 

PreSonus Studio One 2.5

Wenn Du eine Funktion aus Studio One in einem Konkurrenzprodukt siehst, empfindest Du dann Stolz oder Wut?

Für mich ist das ein Zeichen dafür, dass die Konkurrenz uns fürchtet. Genau dasselbe geschah also Cakewalk Sonar X1 veröffentlichte: Es nervte zwar, dass sie dieselben Farbe verwendeten...doch das bedeutet am Ende ja nur, dass wir ihre Aufmerksamkeit hatten und am Markt an Relevanz gewonnen haben. Also Logic 8 oder 9 eingeführt wurde, hatten sie das Layout geändert. Das war ein oder zwei Jahre vor der ersten Studio One Version und wir hatten etwas Angst, da es unserem geplanten Layout doch sehr ähnlich war...also ob sie davon irgendwie Wind gekriegt hatten...! Am Ende sind aber gewisse Dinge halt einfach logisch und offensichtlich.

 

Kommen wir nach den Stärken noch zu den Schwächen von Studio One. Gibt es diese überhaupt und wenn ja, wie können diese behoben werden?

Es gibt natürlich immer noch ein paar Schwachpunkte. Gewisse Funktionen hinken immer noch der Konkurrenz hinterher, da diese halt einfach schon wesentlich länger daran arbeiten. Auch wenn wir ein junges, kleines Team sind, so stossen wir doch immer wieder auf Inkonsistenzen innerhalb der Software an denen wir arbeiten müssen. So gibt es bei den Global und Song Setups immer noch widersprüchliche Einstellungen. In solchen Fällen stürzt die Anwendung zwar nicht ab, doch es ist sehr wichtig die Anzahl Optionen und Einstellungsmöglichkeiten auf ein überschaubares Mass zu reduzieren.

Eine unserer Stärken liegt darin, dass wir keine Angst davor haben gewisse Funktionen wegzulassen. So wussten wir bei der Comping Funktion in Version 2.0, dass uns nicht ausreichend Zeit zur Verfügung stehen würde sie sauber zu implementieren. Also beschlossen wir sie vorerst auszulassen und erst dann zu integrieren, als sie unserer Ansicht nach vollkommen ausgereift war

 

Die Version 2.5 wurde gerade eben veröffentlicht. Arbeitet Ihr bereits an v 3.0?

Ja, darüber denken wir gerade nach!

 

Matthias Juwan PreSonus

Woran arbeitet Ihr im Augenblick?

Leider kann ich dazu keinen Kommentar abgeben! Doch ich kann Euch sagen, dass wir dazu immer noch angeregte Diskussionen führen. In der Zukunft werden neue Kollaborationen angestrebt, wie zum Beispiel unsere aktuelle Zusammenarbeit mit Celemony. Im Gegensatz zu Steinberg versuchen wir also nicht alles selber zu machen. Wir sind also nicht vom Rest der Welt abgetrennt und sind gegenüber anderen Firmen immer sehr offen. Da gibt es immer eine Menge Möglichkeiten!

 

Was hältst Du von einem Projekt wie Ohm Studio welches die Cloud auf eine intelligente Art und Weise einsetzt?

Ich habe letztes Jahr einen ihrer Entwickler auf der Musikmesse getroffen und wir hatten ein äusserst interessantes Gespräch. Die sind wirklich ambitioniert. Sie haben eine Menge zu tun und ich habe sehr viel Respekt für sie! Doch zurück zu Studio One: Schon von Anfang an wollten wir die Möglichkeit der Datenteilung mit Exchange und SoundCloud integrieren, und wir werden auch an dieser Absicht festhalten. Exchange ist dabei nur ein kleiner Schritt – nur der Anfang.

 

Wie denkst Du wird der DAW Markt in zehn Jahren aussehen? Was wird Deiner Ansicht nach die nächste grosse Evolutionsstufe?

Da wird noch einiges gehen. Was die Benutzeroberflächen betrifft, so werden immer mehr Touch Oberflächen auftauchen, was uns bei PreSonus natürlich sehr interessiert. Dann wird es dann wie bereits erwähnt natürlich immer mehr Kollaborationen geben. Es ist durchaus möglich, dass wir in Zukunft auf eine strategische Zusammenarbeit setzen werden, sollte sich so eine nächste höhere Qualitätsstufe erreichen lassen. Die dritte Idee zielt schliesslich auf Hardware ab. PreSonus ist ja im Kern eigentlich ein Hardware Hersteller und eine unserer Herausforderungen ist die perfekte Integration von Software und Hardware. Wir schauen uns auch Lösungen an, wie man StudioLive Sessions in Studio One übertragen kann, etc.

Wir haben noch so viele Dinge zu tun!

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