Ableton Live 8
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Ableton Live 8

Live 8, Allgemeiner Sequenzer from Ableton in the Live 8 series.

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Ableton Live 8: Der Test

Ableton LIVE lebt!
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Ableton Live begleitet uns nun auch schon seit ein paar Jahren. Seit es 2001 auf den Markt kam hat es immer stolz sein einfaches, auf einem Fenster basierendes Interface und die 'schnörkellose' Bedienung vorgezeigt.

Diese Einfachheit hat anfangs so manchen Produzenten und Musiker glauben lassen, dass es sich hierbei womöglich im Vergleich zu anderen DAWs um einen Schritt zurück handeln könnte. Sieben Jahre später hat sich ihnen Live mehr als nur beweisen können. Viele Musiker, Ingenieure und DJs haben Live als ihre erste Produktions- und Performance-Umgebung adaptiert, und Ableton hat nun Live mit einem weiteren eindrücklichen grossen Update in die achte Runde geschickt. Das konstante Bestreben von Ableton zeigt sich unter anderem auch darin, dass sie bereits ein paar Wochen nach der Veröffentlichung bereits die Version 8.0.1 veröffentlichten, welche Verbesserungen in allen Bereichen brachte.

OuvertureLive hat es noch nie an virtuellen Instrumenten, hochwertigen Effekten und coolen Produktionswerkzeugen gemangelt. Jedes grössere Update schafft es jedoch das Inventar dieses Sequenzers zu erweitern und die Version 8 macht da mit Sicherheit keine Ausnahme. Mit einem brandneuen virtuellen Instrument, verbesserter Bedienoberfläche, neuen Produktionswerkzeugen, extra Effekten und sogar einer erweiterten Sample Library scheinen die Leute von Ableton mit Sicherheit noch nicht die Ideen ausgegangen zu sein.

Home Suite Home

Live wird jetzt in drei unterschiedlichen Versionen ausgeliefert: Live LE (medium), Live (gross) und Ableton Suite (XL). Live LE ist im wesentlichen eine abgespeckte Version von Live für Anfänger. Somit ist diese Version was die Spurenzahl und Effekte betrifft, die gleichzeitig betrieben werden können, limitiert. Live und Ableton Suite sind im Kern mehr oder weniger die gleiche Anwendung. Suite besitzt aber zusätzlich eine ziemlich grosse Sample Library (inklusive einer neuen Latin Percussion Applikation), und man erhält damit auch alle zehn virtuellen Instrumente die Ableton im Angebot hat.

Schauen wir uns also mal die wichtigsten Änderungen an, hören wie sie denn im Einsatz so klingen und entscheiden ob dieses neue Update auch ein Schritt in die richtige Richtung ist...

Ableton Live 8: Der Test

Mit dem Groove im Herzen

Die neue Groove Engine ist eines der Updates in Version 8, das mit Sicherheit von einer grossen Mehrheit von Ableton Anwendern begrüsst wird. Mit diesem simplen aber effektiven System ist es möglich, über einfaches 'Drag and Drop' MPC-ähnliche Grooves in irgendeine Performance im Arrangement einzubinden.

Plan de groupeDies ist äusserst praktisch, da Live 8 von Haus aus eine eindrückliche Library mit Groove Patterns besitzt, die exklusiv für Ableton von 'ein paar der originellsten, ausdruckstarksten und eindrücklichsten Schlagzeugern' eingespielt wurden. Diese Patterns können durch einfaches Ziehen aus dem Browser auf einen beliebigen Audio oder MIDI Part angewendet werden. Wenn man Lust hat das ganze noch weiter zu führen, dann kann man diese Grooves auch auf das gesamte Projekt anwenden.
Wer sich jetzt mit dem Gedanken herumschlägt eine eigene Groove Library zu erstellen, der hat Glück gehabt. Die neue Groove Engine erlaubt das extrahieren von Grooves aus einer beliebigen Audio oder MIDI Datei. Diese neuen Grooves können dann auf dieselbe Art und Weise wie die mitgelieferten Groove Patterns verwendet werden. Natürlich kann man sie in jedem beliebigen Projekt einbinden und somit auch speichern.

Eine weitere nette Neuerung ist die 'Randomize' Funktion, mit der sich die eigene Musik mit einem wahrlich unvorhersehbareren Swing versehen lässt, oder dem Anwender die Möglichkeit gibt Audio und MIDI gleichzeitig in Echtzeit zu quantisieren.

Ableton Live 8: Der Test

Warp Geschwindigkeit

'Warping' (also das Verbiegen von Audiodateien) war schon immer eine der bestechendsten Funktionen in Live. Langjährige Ableton Anwender werden also mit Genugtuung feststellen, dass der Anwendung in der Version 8 eine neue Warp Engine spendiert wurde.

Für diejenigen die Ableton Live noch nicht so kennen: Warping erlaubt das Analysieren und Manipulieren von Audiodateien, damit sie in einem beliebigen Tempo abgespielt werden können. Somit kann das Temo des Projektes verändert werden und die Audiodateien passen sich dieser Tempoänderung an. Im Allgemeinen wird Warping als die bessere Lösung als traditionelles Time-Stretching betrachtet, da der Prozess weniger Artefakte erzeugt.

Plan de groupeDie Warping Engine in den früheren Versionen von Live war bereits ziemlich eindrücklich und hat dem Anwender eigentlich nicht viel zu meckern gegeben. Somit ist die Tatsache, dass Ableton nun eben dieses System verbessert hat, bereits ziemlich eindrücklich. Die überarbeitete Engine bietet eine neue Methode mit der die eigenen Sounds berechnet werden und erlaubt es die Events um die Timeline herum zu biegen – anstatt umgekehrt. Dies erzeugt ein noch natürlicheres Resultat und verhindert, dass die Timeline zu sehr gestreckt oder zusammengedrückt wird.

Live kann jetzt die Transienten der Audiodateien erkennen und entsprechend kennzeichnen. Diese neue Funktion kann auch verwendet werden um diese Kennzeichnungen in MIDI Informationen zu verwandeln. Mit dieser Methode kann jede Portion des in 'Slices' unterteilten Loops abgespielt und über den MIDI Editor von Live neu arrangiert werden.
Der 'Beats' und der 'Complex' Warping Modus haben zudem ein ernsthaftes Upgrade erhalten. Dies resultiert in einem transparenterem Resultat, wenn man mit perkussivem Material und komplexen, polyphonen Sounds arbeitet. In der Anwendung tönen beide Modi jetzt wahrlich exzellent und erzeugen auch bei extremen Einstellungen immer noch gute Resultate.

Ableton Live 8: Der Test

Spezialeffekte

Plan de groupeLive 8 erweitert die Auswahl an Effekten um nicht weniger als sechs neue Prozessoren und hebt somit die Liste an mitgelieferten Effekten auf 20 an. Das ist wahrlich mehr als genug um alle grundlegenden Bedürfnisse mit nur dieser einen Anwendung abzudecken.


Die Neuzugänge bestehen aus einer guten Mischung von Spezialeffekten und Produktionswerkzeugen. Ein Highlight der neuen eher 'dekorativen' Effekte ist wohl das Vocoder Plug-In. Hier handelt es sich mehr um ein einfach anzuwendendes Multiband Vocoding. Das Routing ist sehr übersichtlich und die grosse Anzeige gibt dem Anwender eine gute Übersicht über jedes einzelne Band.

Plan de groupeEin weiterer interessanter Neuzugang ist der ‘‘Frequency Shifter’ womit man coole Ring Modulation Effekte erzeugen kann. 'Overdrive' erzeugt - wie der Name schon sagt - eine schöne Verzerrung, welche die bereits vorhandenen Plug-Ins wunderbar ergänzt.
Plan de groupeZudem wurden der Anwendung weitere Plug-Ins spendiert, die sich eher in einer normalen Mixing Session als äusserst praktisch erweisen werden. Ein Multiband Dynamik Kompressor und ein Limiter erweitern die Dynamikbearbeitung und sollten es wohl einiges einfacher machen den finalen Mixdown zu erstellen.


Schliesslich wird dem Anwender noch ein Looper Plug-In spendiert. Hierbei handelt es sich um ein halbes Instrument und einen halben Effekt und erweitert Ableton Live um eine Funktion, die bislang so nicht vorhanden war. Dieser praktische kleine Phrase Looper ist für eine einfache Fernbedienung konzipiert worden – somit kann alles über einen optionalen Fussschalter gesteuert werden. Dies ist grossartig wenn man endlose Overdubs oder dergleichen Plan de groupeerstellen möchte.

Jeder einzelne Teil des Loops kann durch 'Drag and Drop' in einen neuen 'Clip Slot' gezogen werden – da steht der Kreativität wahrlich nichts mehr im Wege. Plan de groupeDer Looper kann alles zudem ziemlich gut synchronisieren und bleibt auch bei mehreren geöffneten Instanzen noch im Rhythmus.

Ableton Live 8: Der Test

Instrumente

Kollisionskurs

Plan de groupeWas virtuelle Instrumente betrifft so war Ableton zwar nicht ganz so fleissig...doch das bedeutet keinesfalls, dass sie nicht auch hier etwas neues anzubieten hätten. Somit wird dem Anwender zum Beispiel ein brandneues Instrument mit dem Namen 'Collision' vorgestellt. Dies ist ein Physical Modeling Synthesizer mit dem sich erstaunlich echt klingende Perkussionen erstellen lassen. Zwar geht das ganze eher in Richtung Xylophon und Glockenspiel, aber mit ein wenig Experimentieren können dem Collision schon ganz schön neuartige Klänge entlockt werden. Wie gesagt, Bongos, Timbale und dergleichen sucht man hier vergeblich, doch insgesamt bietet Collision einen schönen Kontrast zu den anderen eher auf Synthesizer basierten Instrumenten  in Live. Hier sind ein paar Klangbeispiele: Bells 1, Bells 2, und ein Pad Sound.

Operator

Plan de groupeOperator ist ein klassisches Live Instrument, das jedoch in der Version 8 einige Neuerungen erhalten hat. Auf der Oberfläche fallen einem da zuerst Modulation, Routing und ein angepasstes Interface auf. Doch auf den zweiten Blick sieht man schon schnell, dass sich Ableton damit nicht zufrieden gegeben hat.
Im Herzen des neuen Operator findet man neue 'User' Wellenformen. Der Synthesizer erlaubt jetzt das Editieren eigener Wellenformen, indem man einfach die Amplitude verschiedener Sektionen zeichnet. Dies erlaubt also wirklich das Erzeugen eines 'eigenen' Oszillators. Zudem stehen dem Anwender nun Feedback Oszillatoren für noch extremere Sounds zur Verfügung.
Operator besitzt jetzt auch brandneue Filter Typen und die Möglichkeit die Hüllkurven und Filterkurven auf eine ähnliche Art und Weise zu bearbeiten, wie man es bereits aus dem 'Sampler' Instrument kennt. Schliesslich soll eine neue MIDI Mod Matrix das Routen von Modulatoren flexibler gestalten.

Ableton Live 8: Der Test

Das Getriebe

Plan de groupeEine Menge der wirklich wichtigen Updates von Live 8 finden sich in der Bedienoberfläche und dem gesamten Arbeitsfluss. Es gibt hier einfach zu viele neue Funktionen, als dass ich auf sie alle im Detail eingehen könnte. Eine der wohl wichtigsten Neuerungen ist wohl die Möglichkeit 'Crossfades' im Arrangement erzeugen zu können. Dies ist eine grossartige Möglichkeit um nicht-destruktiv editieren zu müssen und ausgewogene Übergänge zu erzeugen.
Der MIDI Editor wurde auch um neue Funktionen erweitert und besitzt jetzt Step Editing, Insert Marker und andere neue, oder verbesserte Editiermöglichkeiten. Hier waren Verbesserungen und Anpassungen schon länger nötig – insgesamt also ein willkommenes Update.

Plan de groupeGruppentherapie

Wer Projekte mit einer grossen Anzahl Spuren hat, oder einem Controller mehrere Parameter zuweisen möchte (und vielleicht gerade noch mehrere Controller gleichzeitig bedienen möchte), für den lohnt sich dieses Update ebenfalls. Im 'Clip View' lassen sich jetzt Spuren ganz einfach gruppieren und anschliessend wie nur eine einzige Spur behandeln. Sie können miteinander angesprochen und als eigener Bus wieder im Mix integriert werden.

Plan de groupeEs können aber auch mehrere Parameter mit nur einem Regler auf dem Controller angesteuert werden. Das geschieht ganz einfach indem man mehrere Bedienelemente anwählt und dann den Regler auf dem Controller dreht – wirklich sehr einfach. Dies ist vor allem für Musiker welche die Software live einsetzen ein wahrer Segen.

Wie bereits erwähnt wurde Live 8 mit einer Menge anderer Verbesserungen dieser Art bereichert – aber es sind einfach zu viele als dass wir in diesem Artikel alle im Detail besprechen könnten.

Ableton Live 8: Der Test

Fazit

Dies ist ein wirklich grosses Update für Live. Auch wenn die Anwendung auf den ersten Blick an sich dieselbe bleibt, so könnten die Änderungen doch dazu führen, dass man seine Art und Weise ändert mit der man Live benutzt. Es ist ohne weiteres vorstellbar, dass dieses Update so manchen neuen Anwender auf Live aufmerksam machen könnte.

Plan de groupeDie Installation ist wirklich problemlos und kann durch einen Download abgeschlossen werden – ohne dass man noch einen iLock oder sonstigen Dongle bräuchte. Die Aktivierung ist ein automatischer Prozess der innerhalb weniger Minuten abgeschlossen ist. Wer also Live 8 noch nicht kennt, der sollte sich einen Gefallen tun und das Upgrade runterladen – oder zumindest das Demo mal genauer unter die Lupe nehmen.

+ Reichhaltiges Update
+ Im Vergleich sehr günstig (€49 für bestehende Live 7 Anwender - €549 für die  volle Ableton Suite)
+ Spannende neue Effekte und Instrumente
+ Eine lange Liste an Verbesserungen im Arbeitsfluss und bei der Bedienoberfläche

- Insgesamt könnte das Interface und die Pegelanzeigen für Profis ein wenig zu simpel sein
- Keine Unterstützung mehrerer Monitore