Mackie MR8
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MR8, Aktiver Monitor from Mackie in the MR series.

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Mackie MR 8: Der Test

Mackie HRs für wenig Geld?
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Mackie hat bei Studio Monitoren bereits eine lange Geschichte vorzuweisen. Die HR824 Monitore (jetzt in MKII Version) sind Bestseller und in vielen professionellen Studios und kleineren Studios zu finden.

Mackie MR8

Die neue MR Series welche wir in diesem Artikel testen werden sind für Einsteiger gedacht und deshalb am anderen Ende der Preisspanne wie die erwähnten Hi-End HR Series anzutreffen.
Speziell für das strapazierte Budget entwickelt hat Mackie bei der MR Series ein einfaches Design und den Aspekt der 'Referenz' in den Mittelpunkt gestellt – deshalb auch MR Series. So gesehen kann man sagen, dass diese Boxen das eigentliche Gegenteil vieler Monitore im unteren Preisbereich sind, da die meisten dieser Produkte den Klang eher verfärben um einen möglichst guten Eindruck der Musik zu vermitteln. Dies ist selbstverständlich für ein kritisches Beurteilen von Aufnahmen und anderen Projekten unbrauchbar.

Die MR Series besteht im Augenblick aus zwei Modellen: Dem MR8 und MR5. Letzterer besitzt einen 5-Zoll Lautsprecher und ist deshalb weniger druckvoll als der für diesen Test ausgewählte MR8 (8-Zoll).

Was ist unter der Haube?

Mackie MR8Als erstes fällt einem auf, dass die MR8 Monitore recht gross sind – man sollte sich also genügend Platz auf seiner Workstation machen um diese 40 x 30 x 35cm umfassenden Lautsprecher unterbringen zu können. Zusätzlich wiegt jeder Monitor für sich bereits 12kg.

Bei der Verstärkung gibt es nichts unübliches zu erwähnen. Der MR hat aktive A/B Verstärker mit Schutzschaltungen, 100W für LF (Tieftöner) und 50W für HF (Hochtöner: silk-domed tweeters). Der Crossover Filter zwischen Tief- und Hochtönern ist 24dB bei 3kHz.

Auf der Vorderseite finden sich lediglich die zwei Lautsprecher wobei der Hochtöner speziell geformt wurde um Schallbeugung zu minimieren und einen maximalen 'Sweet Spot' zu erzeugen Dieser Sweet Spot ist normalerweise genau der Schnittpunkt zwischen zwei Lautsprechern wo der wiedergegebene Klang dem ursprünglichen Signal am meisten entspricht. Bei gewissen Modellen ist dieses Feld ziemlich eng. Normalerweise muss man viel Zeit in die richtige Platzierung investieren und ein Erfolg ist vor allem in engen Räumen (wie Heimstudios und Apartments) nicht immer gewährleistet. Mackie hat sich gemäss ihrem Firmenmotto diesem Problem angenommen und eine Lösung zu dieser Thematik bei der MR Series eingebaut (wir werden später noch genauer hinschauen wie effektiv sie dieses Problem gelöst haben).

ArrièreAuf der Rückseite sind schon ein paar Eigenschaften mehr zu erwähnen. Die Monitore verfügen über Eingänge in den Formaten XLR (symmetriert), TRS oder Klinke (symmetriert) und RCA oder Cinch (unsymmetriert). Gerade neben den Eingängen befinden sich die Filter Einstellungen. Mit diesen zwei Schaltern kann man das Ansprechverhalten der Monitore auf die Eigenschaften des Raums einstellen indem man entweder 2dB bei 5kHz oder 2dB/4dB bei 100Hz anhebt oder absenkt.

Nun kommen wir zu dem Aspekt der für mich den grössten Konstruktionsfehler darstellt. Natürlich sieht eine sehr nüchterne Vorderseite ohne Schalter und Regler sehr schön aus. Aber wann werden Hersteller von Monitoren endlich damit aufhören wichtige Einstellungen wie Eingangspegel oder Einschaltknöpfe auf der Rückseite zu verbauen? Sind Ingenieure mit einem Gespür für Ergonomie wirklich so schwer zu finden? Es scheint tatsächlich so da Mackie bei weitem nicht der Einzige Hersteller mit diesem Problem ist.

Bleibt nur zu sagen, dass es mich schon öfters genervt hat irgendwo hinten an meinen Monitoren  zu fummeln wenn ich nur die Lautstärke etwas anpassen oder die Monitore einschalten möchte. Natürlich ist dies nicht essentiell. Wenn man mal den richtigen Pegel eingestellt hat dann sollte man auch nicht mehr die Lautstärke anpassen müssen – zumindest theoretisch. Ein Kontrollgerät für Monitore wie zum Beispiel der Big Knob von Mackie (nur ein Beispiel) wäre eine schöne Erweiterung für die MR8. Aber dann fängt die ganze Sache schon wieder an teuer zu werden.

Ein weniger lustiges Thema ist die Platzierung der Lüftung auf der Rückseite. Wenn man den Monitor nahe an eine Wand gestellt hat dann kann diese die Entfaltung der Bassfrequenzen merklich stören – man sei also gewarnt!

In der Abhöre

ConnectiqueMassive Attack – Angel
Dieses berühmte Bass Intro von Massive Attack ist für mich ein unbestreitbarer 'Standard' um das Ansprechen der Bassfrequenz zu beurteilen. Hier sind die MR8 wirklich nicht schlecht! Der Bass ist sehr präsent und man kann den charakteristischen Roll-off unter 60Hz spüren, was für die meisten Anwendungen vollkommen ausreicht. Auch wenn sie nicht so genau wie Lautsprecher sind die das Drei- oder Vierfache kosten, so sind sie doch sehr gut einsetzbar. Später im Song können die Panorama-Effekte auf der Stimme sehr gut wahrgenommen werden. Das Stereobild ist verhältnismässig weit ausgefallen.

Pink Floyd – Have a cigar
Dies ist ein Song mit einem 'Old-School' Mix der über viele Overdubs verfügt (speziell bei den Gitarren) – etwas worin sich Pink Floyd schon immer sehr spezialisiert hatte. Diese können auf dem MR8 sehr gut auseinander gehalten werden. Wenn man sich etwas vor den Lautsprechern hin- und her bewegt merkt man auch, dass der Sweet Spot effektiv ziemlich gross ist und nicht viel seines Spektrums verloren geht.

EventMichael Jackson – Beat It
Auf diesem "Ach so 80er Jahre"-Song wird der Mix sehr sorgfältig wiedergegeben und die höheren Mitten sind auf den MR besonders präsent. Speziell die Snare wird sehr hervorgehoben und die Hallfahnen werden gehört. Der Nachteil eines breiten Sweet Spots ist ein zwar gutes Stereobild aber eben kein grossartiges. Dennoch ist der Kompromiss den Mackie eingegangen ist sehr überzeugend.

Gorillaz – Dirty Harry
Auch hier werden eher die tiefen Frequenzen hervorgehoben. Obwohl der Bass rund ist und mit anständig Druck daher kommt so ist er doch noch ein wenig undeutlich. Dennoch kann er gut von der Bass Drum unterschieden werden.

Metallica : Sad but true
Dieser Song aus dem Black Album liefert die "Wall of Sound" von Bob Rock mit seinen vielen Lagen von elektrischen Gitarren. Auch hier gibt es nicht viel zu meckern – die Persönlichkeit der MR Monitore ist auch hier vorhanden. Nichts sticht wirklich heraus und alles scheint ziemlich ausgeglichen zu sein.

Sting – It’s probably me
Dieses Pop-Duo bringt die Stimme von Sting und die Gitarre von Clapton zusammen. Das Fingerschnalzen im Intro ist sehr klar und man kann die Overdubs hören. Der MR8 scheint sich in dieser Art der Musik sehr wohl zu fühlen.

Fazit

C'est toi dans le noir?Wenn man den Preis von €600 pro Paar betrachtet, dann kann über die Mackie MR8 Monitore nicht wirklich etwas schlechtes sagen. Ihr 'Referenz' Anspruch geht grösstenteils auf und auch dies setzt sie von vielen anderen Monitoren in dieser Preisklasse ab die häufig doch die Musik eher 'schön' machen möchten. Die MR8 Monitore sind sehr linear. Ein darauf erstellter, gut ausgeglichener Mix tönt deshalb dann eben auch...nun...ausgeglichen! Und dies ist wirklich der ultimative Test ob man es mit einem Referenz-Monitor zu tun oder eben einem Lautsprecher der bloss gut tönt und den Besitzer eines Heimstudios glauben lässt der Mix sei besser als er in Wahrheit ist.

Die Bässe sind vielleicht ein wenig wummrig aber immer noch brauchbar und die Hochtöner sind klar und präsent. Das Stereobild ist ein wenig kleiner als bei anderen Modellen aber dafür ist der Sweet Spot einiges breiter – und die Monitore sehr gut ausbalanciert.
Wäre es nicht wegen der nervenden Eigenschaft, dass man alle Funktionen auf der Rückseite verbaut hat, hätte ich den Mackie MR8 eine perfekte Note 10 gegeben! Dennoch empfehle ich allen mit einem eingeschränktem Budget sich diese MR Monitore mal genauer an zu hören.

+ Preis
+ Balance und Neutralität
+ 'Sweet Spot'

- Nicht sehr ergonomisch
- Lüftung auf der Rückseite