M-Audio Fast Track C600
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M-Audio Fast Track C600

Fast Track C600, USB audio interface from M-Audio in the Fast Track series.

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C600 ohne Umwege

AVID M-Audio Fast Track C600: Der Test
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Mit seinen seitlichen und von oben zugänglichen Verbindungsmöglichkeiten bricht das Fast Track C600 mit dem für M-Audio typischen Rack und Half-Rack Design. Hat sich da der Hersteller wohl entschlossen seinen Kampf nicht nur mit Funktionen, sondern auch mit dem Aussehen auszufechten? Klar doch.

Wie die Mode- oder Musikindustrie so folgt auch die Welt der Audiotechnik populären Trends - dazu muss man sich nur mal die jährlichen Messen wie die NAMM oder die Musikmesse anschauen. Vor noch gar nicht so langer Zeit setzte Line 6 mit seinen Modeling Verstärkern einen Trend, dem schon bald alle anderen Hersteller wie Ibanez, Vox, Zoom, Fender und Marshall folgen würden. Schon wenige Monate wurde der Markt mit verschiedensten kleinen Verstärkern und 5-Watt Röhrenverstärkern geflutet. Als weiteres Beispiel kann aber auch der Erfolg der Faltungshall Anwendungen von Samplitude und Altiverb genannt werden. Schon bald wollten alle Hersteller ebenso einen Hall in ihrem Sortiment (ironischerweise wird dieser Trend jetzt von der 'Algorithmen sind eindeutig besser'-Einstellung verdrängt). Ein weiteres 'Follow-The-Leader' Beispiel findet sich schliesslich auch im Erfolg kleiner Aufnahmegeräte, der mit der Einführung des Zoom H2 begründet wurde.

Und jetzt freut es mich ausserordentlich Euch einen neuen Trend vorstellen zu dürfen, der sich diesmal bei den externen Audio Interfaces in Form des 'Desktop Interfaces' manifestiert. Wer hat's erfunden? Nicht ganz so einfach zu beantworten - auch wenn Mackie mit seinem Onyx Satellite (2006) und TC Electronic mit seinem Konnekt 6 (2008) als erste die Fühler ausstreckten. Gefolgt wurden diese von Steinberg's CI2 & CI2+, Lexicon's I-Onix U42S, der Roland Capture Serie, dem Steinberg UR28M, Propellerhead's Balance und M-Audio's neuen Fast Track C400 und C600 Interfaces...

Das Prinzip hinter einem Desktop Interfaces ist dagegen ganz einfach: Anstatt die Regler wie bei einem Rack-Gerät vorne anzubringen, kann man die Einstellungen von oben vornehmen und verbindet die Geräte von vorne oder von hinten. Auf diese Art und Weise kann das Gerät zwar nicht in einem Rack verbaut werden, ist aber in sich einfacher zu bedienen. Die Regler und Anzeigen fallen grösser aus und liegen weniger eng aneinander - manchmal können auf diese Weise sogar noch ein paar zusätzliche Funktionen platziert werden. Und genau das ist der Fall beim Fast Track C600. Es sieht wunderschön aus...wie ein Treffen im Heimstudio...

...zwischen einer Soundkarte und Kubrick's Monolith in 2001: A Space Odyssey

AVID M-Audio Fast Track C600

Schon beim Auspacken fällt einem auf, dass M-Audio beim Design sich für eine eher ungewöhnliche Herangehensweise entschlossen hat. Das graue PVC Gehäuse der alten Interface Modelle ist einem Darth Vader ähnlichen schwarzen Kunststoffgehäuse gewichen - komplett mit grünen, blauen, roten und orangenen LEDs. Das sieht insgesamt sehr schmuck aus, auch wenn wir uns für das Gehäuse hochwertigeres PVC, oder sogar Metal gewünscht hätten - das hätte beim Drehen der Regler und Drücken der Tasten sicherlich einen hochwertigeren Eindruck hinterlassen. Dennoch muss ich zugeben, dass das Design insgesamt sehr attraktiv ausgefallen ist. Das C600 ist sehr leicht und zugleich schwer genug um rutschfest auf einem Tisch platziert zu werden (natürlich inklusive Anti-Slip Pads). Sein Aussehen und durchdachte Ergonomie sind demnach schon mal sehr vielversprechend.

AVID M-Audio Fast Track C600

Als erstes fällt einem der grosse Volumenregler auf der rechten Seite auf, der durch zwei kleinere Regler zum Einstellen der zwei Kopfhörerausgänge ergänzt wird (unabhängige Kanäle 1/2 und 3/4). Über diesen Drehreglern findet man drei Tasten um Audio Ausgänge paarweise Ein- und Auszuschalten: 'A' für die Ausgänge 1/2, 'B' für die Ausgänge 3/4 und 'C' für die Ausgänge 5/6. Somit kann diese Sektion als Monitoring Controller verwendet werden über die man schnell zwischen verschiedenen Abhören umschalten kann. Diese Sektion hat zudem eine weitere wertvolle Funktion zu bieten: Eine MIDI Transport Sektion über die man den Sequenzer ansteuern kann: Play, Rec, Stop, FFW und RWD - eigentlich alles vorhanden. Eine weitere 'Multi' Taste kann zudem mit bis zu acht abfolgenden Befehlen programmiert werden. Das ersetzt jetzt natürlich keine Mackie Control, reicht aber aus um einiges an Zeit zu sparen und das Arbeiten einfacher zu gestalten. Solche Bedienelemente sollten eigentlich auf allen Interfaces zu finden sein.

Auf der linken Seite findet man die Sektion die für die Vier Eingänge des Interfaces zuständig sind. Abermals konnte man durch das Desktop Design auch hier weitere nützliche Funktionen wie eine 8-teilige LED Anzeige für jeden Eingang unterbringen. Das vereinfacht das Einpegeln natürlich enorm. Die restlichen Funktionen sind dagegen eher Standard: Jeder Eingangskanal verfügt über eine PAD Taste, und zwei Tasten stehen zur Verfügung um die Phantomspeisung für die Kanäle 1/2 und 3/4 auszuschalten. Die Eingänge 1 und 2 wurden zudem mit zusätzlichen Tasten versehen mit denen sich die vorderen oder die hinteren Eingänge auswählen lassen.

AVID M-Audio Fast Track C600

Sind die denn unterschiedlich? Aber natürlich! Auf der Vorderseite findet sich neben den zwei Kopfhörerausgängen ein Paar Klinkeneingänge, wovon einer (Eingang 2) als hi-Z Eingang ausgelegt ist. Auf der Rückseite findet man dagegen vier XLR/1/4'' Komboeingänge für die Kanäle 1-4. Für die Kanäle 1 und 2 kann man also wie gesagt die vorderen oder hinteren Kanäle auswählen und genau das ist der Grund für die erwähnten Front/Rear Tasten.

AVID M-Audio Fast Track C600

Der Rest der Verbindungsmöglichkeiten ist ebenfalls eher standard: Sechs Line Ausgänge auf 1/4'', S/PDIF In/Out auf Cinch, MIDI In/Out auf 5-Pin DIN, ein USB Port und eine Verbindung für das Netzteil. Letzteres Detail hat ein paar Konsequenzen: Verwendet man das Interface nur mit dem USB Kabel, so stehen nur die Kanäle 1 und 2 zur Verfügung. Möchte man die weiteren Kanäle verwenden, so muss man das Interface mit einem Netzteil verbinden (dasselbe gilt für den zweiten Kopfhörerausgang).

Das erinnert mich ein wenig an die MBox

AVID M-Audio Fast Track C600

Nachdem man den Treiber auf dem Computer installiert hat (ich verwendete dazu ein MacBook Pro) kann man das Control Panel starten...das irgendwie vertraut wirkt. Aber klar doch! Es entspricht im Wesentlichen dem MBox Pro Control Panel - nur das Layout gewisser Menüs und Tasten wurde den Funktionen angepasst. Hier ist schon sehr klar zu sehen, dass AVID und M-Audio immer mehr aneinander angeglichen werden, was auf keinen Fall als Negativpunkt zu bewerten ist. Als wir in der Redaktion die MBox Pro genauer antesten konnten, gefiel uns zum Beispiel das Control Panel ausserordentlich gut. Damit ist es zum Beispiel möglich alle vier virtuellen Mixer anzuzeigen und alle üblichen Einstellungen vorzunehmen: Solo, Mute, Pan, Reverb Send/Return (neben Delay und Echo erhält man insgesamt sechs unterschiedliche Algorithmen). Man kann zudem den grossen Volumenregler auf ausgewählte Ausgänge zuweisen, die Fader zwischen Pre/Post umschalten, die Sample Rate einstellen, die Clock Source auswählen...und das ist noch nicht alles!

Über das 'Multi-Button Settings' Menü kann man gewisse Elemente des Interfaces bestimmten Funktionen zuweisen. Somit ist es möglich die Transportanzeige mit ProTools oder einem anderen beliebigen Sequenzer zu verwenden (die Befehle werden via Tastenabkürzungen zugewiesen). Kann die Software also via Keyboard Shortcuts bedient werden, so kann sie mit dem C600 bedient werden!

AVID M-Audio Fast Track C600

In diesem Fall funktioniert die Multi-Taste ein wenig anders: Hier können mehrere Keyboard Shortcuts zugewiesen werden. Drückt sie zum Beispiel zum ersten Mal für 'Aufnahme', zum zweiten Mal für 'Stop', zum dritten Mal um zum Marker 3 zu gehen, etc. Da man maximal acht unterschiedliche Schritte zuweisen kann, sind den Anwendungsmöglichkeiten hier fast keine Grenzen gesetzt. Es gibt jedoch keine Möglichkeit die Sequenz zu unterbrechen - man muss also immer wieder alle Schritte nach einander durchgehen.

Fangen wir also mit den Aufnahmen an!


Der Ruf meiner Gitarre

AVID M-Audio Fast Track C600

Um dieses Audio Interface zu testen verwenden wir ein Audio-Technica 4040 Kondensatormikrofon, eine Takamine Gitarre und unsere viel teurere MBox Pro. Für den Test nahmen wir ein Y-Kabel welches auf der einen Seite mit dem 4040 und auf der anderen Seite mit dem Fast Track C600 und der MBox Pro verbunden war. Wir platzierten das Mikrofon vor der Gitarre und schlossen die zwei Interfaces an den Computer. Before wir zu spielen begannen kalibrierten wir die Eingangssignale mit einem 1 kHz Sinuston, den wir über einen Lautsprecher abspielten und mit einem Messmikrofon aufnahmen. Mal kalibriert fiel uns auf, dass das Fast Track ausreichend Headroom besass - schliesslich befand sich der Gain Regler erst in der Mittelposition. Das ist schon mal ein sehr gutes Zeichen, denn mit günstigeren Interfaces muss man häufig den Pegel fast dreiviertel aufdrehen um ein vernünftiges Eingangssignal zu erhalten.

Wir verglichen die beiden aufgenommenen Audiodateien (eines mit dem FastTrack und eines mit der MBox aufgenommen) und können sagen, dass sich das M-Audio ziemlich gut zu schlagen wusste. Der Klang schein bei der MBox Pro ein bisschen mehr Definition zu besitzen - speziell beim ersten Schrummen - doch insgesamt fällt einem hier eigentlich kein grosser Unterschied auf. Betrachtet man den hohen Preisunterschied, so merkt man schon sehr schnell, dass sich das FastTrack ziemlich gut zu schlagen weiss. Der neue Vorverstärker tönt eindeutig besser als die Vorverstärker früherer FastTrack Versionen.

Um die Erwartungen unserer kritischer Leser zu erfüllen, haben wir die Geräte zusätzlich noch mit einem Line Signal gefüttert und konnten abermals einen kleinen, aber am Ende doch nicht wirklich gewichtigen Unterschied feststellen. Am besten macht Ihr euch hier aber Euer eigenes Bild:

AT4040 Fast Track C600
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  • AT4040 Fast Track C60000:27
  • AT4040 Mbox Pro00:27
  • Line Fast Track C60000:32
  • Line Mbox Pro00:32

Das C600 Interface erweist sich in der Praxis dank seiner Transport Tasten, dem grossen Volumenregler und dem Desktop Design als äusserst praktisch. Die Multi-Taste schien dagegen nicht wirklich ausgereift, doch vielleicht wird sich da in naher Zukunft noch jemand melden und uns eines besseren belehren. Die Bedienung der A, B, und C Tasten zum Ein-/Ausschalten der Line Ausgänge könnte zudem auch etwas besser gestaltet sein: Das Einschalten eines Ausgangs schaltet nicht automatisch einen anderen aus - das könnte vor allem beim Vergleichen verschiedener Lautsprecher hilfreich sein. Noch ein letzter Kommentar: Weshalb gibt es überhaupt Audio Interfaces mit vier Vorverstärkern? Solo Musiker benötigen normalerweise nicht mehr als zwei Vorverstärker und Leute die ein Schlagzeug aufnehmen möchten benötigen dagegen mindestens acht...

Fazit

Das neue FastTrack C600 Interfaces kann eigentlich in allen Aspekten überzeugen. Das Desktop Design ist sehr praktisch, die Bedienelemente sehr durchdacht ausgelegt, Eingänge für Instrumente und Kopfhörerausgänge sind leicht zugänglich und unabhängig und das Gerät sieht zudem noch hübsch aus. Das Kunststoffgehäuse sieht vielleicht ein wenig unstabil aus...doch wenn man den Preis denkt... Was den Klang betrifft, so ist uns gegenüber älteren Modellen eine klare Verbesserung aufgefallen und beim Vergleich mit der wesentlich teureren MBox Pro muss sich das FastTrack C600 auf keinen Fall verstecken. Die Vorverstärker und Wandler funktionieren richtig gut und dieses M-Audio Interface wird sich sicherlich als gute Wahl für Musiker erweisen, die nicht mehr als €300 ausgeben möchten und auch nicht mehr als vier Vorverstärker benötigen.

Pros Cons
  • Gutes Aussehen
  • Praktisches Desktop Design
  • Hochwertige Vorverstärker und Wandler
  • Transport Tasten
  • Grosser Volumenregler
  • Zwei unabhängige Kopfhörerausgänge
  • S/PDIF In/Out
  • Kunststoffgehäuse
  • 'Multi-Taste' nicht wirklich nützlich