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Thunderbolt Technologie könnte Euer Studio revolutionieren

Was genau kann man mit Thunderbolt anfangen?

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Wer sich in den letzten Jahren über neue Produkte informiert hat dem ist sicherlich aufgefallen, dass immer mehr Thunderbolt Audio Interfaces auf den Markt kommen. Für viele würde die Umstellung auf Thunderbolt den Kauf eines neuen Computers bedeuten - also keine kleine Entscheidung. Das Ziel dieses Artikels ist es Euch die Vorteile von Thunerbolt näher zu bringen damit Ihr die für Euch richtige Entscheidung treffen könnt.

Wir haben mit verschiedenen Herstellern von Audio Interfaces gesprochen um Ihre Meinung zu diesem Thema einzuholen und ich werde sie in diesem Artikel immer wieder mal zitieren. 

Was ist mit dem Hub?

Bei Thunderbolt handelt es sich um eine I/O Technologie die ursprünglich von Intel unter dem Namen Light Peak entwickelt wurde. Sie verfügt gegenüber FireWire und USB über eine wesentlich grössere Bandbreite und stellt externen Geräten die Performance einer internen PCIe zur Verfügung. Thunderbolt basiert tatsächlich auf PCI-E und kann den PCIe Bus in Eurem Computer ansprechen. 

Sollte Euer Computer auf lange Sicht konzipiert worden sein oder besitzt Ihr ein neueres Modell mit einem Thunderbolt Anschluss so ist dies für Euch durchaus wichtig. Jedem der seit 2011 einen Mac gekauft hat wird aufgefallen sein, dass Apple FireWire mit Thunderbolt getauscht hat. 

Wer bereits viel Geld in FireWire Geräte investiert hat kann sich aber beruhigen, denn über einen ziemlich günstigen Thunderbolt auf FireWire Adapter kann man diesen Standard wieder in sein System integrieren. Schnellere Geschwindigkeiten als bei einem FireWire 800 Port sind dann aber leider nicht drin. 

Schneller und breiter

Was sind also die Vorteile von Thunderbolt Geräten gegenüber FireWire? Da gibt es mehrere und alle davon sind wichtig. Thunderbolt hat zum einen eine enorme Bandbreite. Im Vergleich zu FireWire 800 mit 800 mbps (megabits per second) kommt Thunderbolt mit 10 gbps (gigabits per second) daher und kann somit mehr Daten in einer schnelleren Zeitspanne verarbeiten. 

Und wie kann dies in der Audiowelt von Vorteil sein? Zum einen könnt Ihr mehr Kanäle als noch mit FireWire ansprechen. „Wir haben die verfügbaren physischen Kanäle mehr als verdoppelt“, sagt Gannon Kashiwa von Universal Audio über mit Thunderbolt bestückte Apollo Interfaces.

Jim Cooper von MOTU sagt „Unsere neuen Thunderbolt Interfaces 1248 und 16A bieten 128 Kanäle gleichzeitig“. Nun das erscheint auf den ersten Blick als ein wenig Overkill, doch man sollte nicht vergessen, dass einem damit auch die Möglichkeit geboten wird Projekte mit einer höheren Sampling Rate aufzunehmen. Eine höhere Bandbreite arbeitet zudem mit geringeren Buffer Werten, was eine wirklich tiefe Latenz bedeutet. 

Roger Robindore von Apogee hat uns dazu diese Statistik zum Vergleich geschickt: 

1.  FireWire vs. Thunderbolt mit 44.1k/64 Buffer (DAW = Logic):

FireWire Audio Interfaces (auf einem Apple CoreAudio FW Treiber laufend) = 8.48ms Roundtrip Latenz
Ensemble Thunderbolt = 4.31ms Roundtrip Latenz

2.   FireWire vs. Thunderbolt mit 96k/128 buffer (DAW = Logic):

FireWire Audio Interfaces (auf einem Apple CoreAudio FW Treiber laufend) = 7.99ms Roundtrip Latenz
Ensemble Thunderbolt = 3.10ms Roundtrip Latenz

Doch nicht nur Apogee singt Lobeshymnen auf die tiefe Latenz von Thunderbolt. „Die Latenz die wir mit Thunderbolt erreichen können war zuvor nur PCIe Karten vorbehalten. So können Kunden Plug-Ins in ihren Projekten ohne hörbare Latenz verwenden“, sagt Joe Lawton von Focusrite. 

Die geringeren Latenzen von Thunderbolt sind ein direktes Resultat der Direct Memory Access (DMA) Technologie. Damit wird die Fähigkeit eines Thunderbolt Gerätes beschrieben Daten direkt mit dem Speicher des Mac auszutauschen ohne zusätzlich die CPU des Rechners zu belasten. Dies bedeutet, dass der CPU weitere Ressourcen für Plug-Ins und Berechnungen zur Verfügung gestellt werden. 

Mit einer geringeren Belastung kann man zudem mit kleineren Buffer Einstellungen und Latenzwerten arbeiten. 

Und nicht nur das

„Die Bandbreite von Thunderbolt ist für Audio Anwendungen eigentlich viel zu hoch angesetzt - sogar bei Projekten mit vielen Kanälen und einer hohen Auflösung“, so Cooper. „Doch aus einem praktischen Standpunkt aus gesehen erhält man so die Möglichkeit mehrere Geräte hintereinander zu betreiben - inklusive Festplatten und andere Geräte - ohne dabei Gefahr zu laufen, dass der Audiofluss unterbrochen wird. Bei FireWire oder USB kann man hier schnell in Teufel’s Küche geraten“. 

Ein Thunderbolt Port kann bis zu sechs hintereinander gereihte Geräte ansprechen - und eines davon kann sogar ein Bildschirm sein. 

Für die Zukunft gerüstet?

 

Datenübertragungsprotokolle ändern sich momentan sehr häufig, da die Geräte immer noch versuchen mit der ständig ansteigenden Geschwindigkeit von CPUs mitzuhalten. Thunderbolt scheint aber dennoch für eine verhältnismässig lange Zukunft gerüstet - auch wenn man bereits bei Thunderbolt zwischen Version 1 und 2 unterscheidet - und Version 3 in der nicht all zu fernen Zukunft zu liegen scheint. Auch hier wird alls rückwärtskompatibel sein - halt einfach gebunden an die maximale Geschwindigkeit der ‚alten‘ Thunderbolt Generation. Macht Euch hier aber keine Sorgen - Thunderbolt 1 ist bereits lächerlich schnell. 

Windows aussen vor

Während Thunderbolt sehr schnell in alle Apple Rechnern eingebaut wurde so hält sich das Windows Universum hier noch ein wenig zurück. „Bei Windows hat man schon vor zwei Jahren mit dem grossen Durchbruch gerechnet, doch wir warten immer noch darauf“, sagt Matthias Carstens von RME. „Es gibt wenig Motherboards mit Thunderbolt und eine sauber arbeitende Implementierung ist noch schwieriger zu finden - schliesslich müssen Windows und das BIOS perfekt auf einander abgestimmt sein. Willkommen in der Realität!“

Das einmal gesagt sollte noch erwähnt werden, dass Hewlett-Packard viele seiner Modelle mit einem Thunderbolt Port bestückt hat und andere Hersteller wohl diesem Trend folgen werden. 

Upgrade oder nicht?

Ob Ihr jetzt auf Thunderbolt upgraden solltet oder nicht hängt von mehreren Faktoren ab. „Ich würde jetzt nur wegen Thunderbolt ein Upgrade durchführen“, so Cooper. „Diese Entscheidung sollte von anderen Faktoren in Eurer Aufnahmeumgebung gefällt werden wie sich verändernde I/O Voraussetzungen oder das Alter Eures Rechners. Steht Euch so oder so ein Upgrade bevor dann würde ich es auf jeden Fall empfehlen”.

Solltet Ihr jedoch mit Eurem Audio Interface und Eurem Computer noch vollkommen zufrieden sein so ist ein Upgrade nicht zwingend. Wer wartet wird sich zudem schon bald die Vorzüge von Thunderbolt 3 zu eigen machen können. 

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