Musik mit Computern
Audio Equipment und Musikinstrumente Musik mit Computern
  • Textgrösse erhöhen oder verringern
  • Drucken

Verbessert das Timing in Euren MIDI Spuren ohne dabei den Groove zu verlieren

Grundlagen des Quantisierens

  • Like
  • Tweet
  • +1
  • Pin it
  • Mail

Mit der 'Quantisieren' Funktion Eurer DAW könnt Ihr schlampiges Timing in MIDI Aufnahmen aufräumen - bei vielen DAWs steht diese Funktion sogar bei Audiospuren zur Verfügung. Diese mächtige Funktion kann man sehr einfach falsch einsetzen - Grund genug einmal diese einmal etwas genauer anzuschauen.

Wie sie funktioniert

Es gibt zwei Arten der Quantisierung: Zum einen die 'Grid'-Quantisierung bei welcher das Tempo auf ein vorhandenes Temporaster gelegt wird. Durch diese Bearbeitung werden die Startpunkte (und wenn man möchte Endpunkte) auf den vorgegebenen Temporaster gelegt - je nach Einstellung entspricht dies einer ganzen Note, Viertelnote, Achtelnote und so weiter.

Also zweite Art gibt es das 'Groove Quantizing' bei dem die MIDI Noten an ein vorgegebenes Groove Template angepasst werden. Dies basiert entweder auf einem in der DAW integrierten Groove Template oder wurde einer anderen Spur des Projektes entnommen. So könnte man zum Beispiel der Schlagzeugspur ein Groove Template entnehmen und anschliessend auf den Bass anwenden.

 
 
Fig. 1: Hier sieht man eine kurze MIDI Passage in Pro Tools 11. Im Verhältnis zum Temporaster betrachtet sieht man, dass diese MIDI Dateien noch nicht quantisiert wurden.

In diesem Artikel werden wir uns vor allem auf die Grid Quantisierung konzentrieren, da Ihr diese Art der Quantisierung wahrscheinlich am meisten benutzen werdet. Ich möchte noch darauf hinweisen, dass viele es viele DAWs ebenfalls bereits ermöglichen Audiodateien zu quantisieren (wie z.B. Pro Tools und Logic Pro) - dort trefft Ihr dann auch wieder auf viele Begriffe aus der MIDI Quantisierung.

Auf dem Raster

Schauen wir uns die wichtigsten Parameter an die man im 'Quantisieren' Menü der meisten DAWs findet: Note On, Note Off und Preserve Note Duration (oder etwas in der Art) sind da die üblichen Verdächtigen.

Die Note On und Note Off Optionen bestimmen ob man den Anfang oder das Ende einer Note quantisiert - oder beides. Häufig möchte man die 'Note On' Werte quantisieren (s. Fig. 1) und man möchte die Länge der Noten beibehalten (s. Fig. 2). Ist das Ziel die Performance so weit wie möglich intakt zu halten so liegt man damit richtig. Werden die 'Note Off' Werte ebenfalls quantisiert so bedeutet dies, dass die Notenenden ebenfalls auf den Raster gezogen werden, was sich am Ende negativ auf den Groove auswirken könnte. Werden beide Werte gleichzeitig aktiviert so wird die Funktion 'Preserve Note Duration' ausgeschaltet.

 
 
Fig. 2: Dieselbe Figur nachdem die Notenanfänge quantisiert wurden. Die Länge wurde dabei gleich gelassen.

Raster Werte

Normalerweise kann man über ein Menü den Rasterwert der Quantisierung einstellen. Setzt man diesen also auf Achtelnote, so werden die Noten auf die nächste Achtelnote innerhalb des Rasters gezogen.

Beachtet dabei unbedingt, dass die Quantisierung keinesfalls länger ist als die kürzeste Note in Eurem Projekt. Kommen also Sechzehntel Noten vor, quantisiert nicht auf Achtelnoten, da dies den Groove komplett zerstören würde.

Neben den herkömmlichen Werten stehen einem auch ungerade Unterteilungen zur Verfügung - also Werte wie '3 über 2', was einer Triole entspricht und einem 'Swing' schon sehr nahe kommt.

Randomize: Die meisten Anwendungen geben einem auch die 'Randomize' oder 'Humanize' Funktion. Diese soll der Quantisierung etwas mehr Zufall verleihen - eine eher selten wirklich gute Lösung, die aber ab und zu ganz hilfreich sein kann. Es empfiehlt sich stattdessen einen der anderen Parameter zu verwenden, welche die DAW zur Verfügung stellt.

Andere Parameter

Einer dieser Parameter ist 'Strength'. Damit wird die Intensität des Quantisierens festgelegt. Bei 100% werden die Noten exakt auf den Raster gelegt. Bei 50% werden die Noten dagegen nur zur Hälfte in die entsprechende Richtung gezogen. Somit ist es möglich das Timing zu verbessern ohne dabei komplett die Eigenheit des Musikers zu verlieren. (s. Fig 3).

 
 
Fig. 3: In diesem Beispiel wurde der 'Strength' Wert auf 58% gesetzt, damit die Noten näher am Raster sind, aber nicht komplett darauf.

Gewisse DAWs bieten dem Anwender auch den 'Sensitivity' Parameter mit den Unterteilungen 'Exclue Within' und 'Include Within'. Damit werden Noten innerhalb eines gewissen Wertes nicht quantisiert und nur Noten, welche stark vom Raster abweichen. Dies hilft es den 'Feel' des Musikers zu erhalten - zum Beispiel wenn das Stück mit einem gewissen Swing eingespielt wurde.

Bei einem Song mit einem Swing Groove kann natürlich auch die Funktion 'Swing' äusserst hilfreich sein. Dabei werden die Achtelnoten nicht gleichmässig verteilt sondern entsprechen eher der erst und letzten Note einer Triole.  

Der Swing Parameter in einer DAW wird normalerweise in Prozent angegeben. Wie bei den meisten Parametern muss man da ein wenig experimentieren um den richtigen Groove zu erzeugen. Der 'Undo' Befehl wird da schnell zu Eurem besten Freund werden. Speichert aber auch im Vorfeld eine unbearbeitete Version irgendwo ab, damit Ihr nicht plötzlich die gesamte Performance verliert.

Feeling Groovy

Für das 'Groove Quantizing' wählt Ihr normalerweise einen der DNA Grooves den viele Sequenzer zur Verfügung stellen. In Pro Tools und anderen Anwendungen wechseln die Quantisierungswerte zu Prozentanzeigen für Timing, Duration und Velocity (s. Fig. 4).

 
 

  Fig. 4: In Pro Tools und vielen anderen Anwendungen sehen die Parameter beim Groove Quantisieren etwas anders aus als bei der herkömmlichen Quantisierung.

Lasst Ihr alles auf 100% so werden Euch schnell ein paar starke Veränderungen des Grooves auffallen. Nicht nur hat sich das Timing verändert, sondern auch die Dynamik. Möchtet Ihr nur das Timing korrigieren, so solltet Ihr auf den 'Velocity' Wert verzichten.

Gewisse DAWs ermöglichen es den Groove einer Spur zu entnehmen und als Groove Template auf eine andere Spur anzuwenden. Das kann z.B. für eine MIDI Bass Line durchaus cool sein und helfen sie zum Leben erwecken.  

 

 

 

Sind Sie der erste, der auf diesen Artikel reagiert
  • Like
  • Tweet
  • +1
  • Pin it
  • Mail