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Der Loudness War ─ Teil 9

Sich an die Regeln halten

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In diesem Teil fahren wir mit der Diskussion um die Konsequenzen zu laut abgemischter Musik fort.

Solltet Ihr bis hierhin alle Teile dieser Serie gelesen haben, so müsstet Ihr eigentlich jetzt ganz gut verstehen wieso der Loudness War weder für aufgenommene Musik, mobiles Musikhören und somit Eure Ohren so schlecht ist. Doch vergesst bei all dem die Live Events nicht. Es ist heutzutage fast unmöglich an ein Konzert zu gehen ohne dass man auf Ohrstöpsel angewiesen ist. Was für ein verrücktes Paradox: Ohrstöpsel tragen zu müssen um Musik zu hören und zu geniessen!

Es gibt nur wenige Länder mit strikten Regelwerken was diese Thematik angeht. In Frankfreich gibt es zum Beispiel ein Gesetz dass den Schallpegel an Konzerten und Diskotheken auf 105 dBA beschränkt. Und dazu einen Peak Level von 120 dBA! …nicht schlecht Herr Specht! Vergleicht man dies mit Regeln für Arbeitsplätze so dürfte man ein Konzert bei diesem Pegel ohne Hörschutz nicht länger als 20 Minuten durchführen! Wie kann es sein, dass etwas das für den Arbeitsplatz gilt an einem Konzert keine Relevanz mehr hat?

Neben Konzerten und Clubs denkt auch an Anlässe wie Raves und EDM Festivals wo die Schallpegel immens sind und Regeln sehr selten bis gar nie eingehalten werden.

Immer und überall

Und was ist mit Kinos? In etwa dasselbe Leid. Und ich rede hier nicht von den diversen Nebengeräuschen (Popcorn, Handys, der Typ der nicht aufhören kann mit seiner Freundin zu reden, etc.), sondern von der Lautstärke gewisser Filme.
Da gibt es zwei wichtige Faktoren: Der Mix gewisser Blockbuster und die Lautstärke in den Kinos selber. Wer sich schon einmal The Bourne Supremacy, Star Wars: The Clone Wars, Inception, The Avengers,or Gravity in einem Kino angeschaut hat der weiss wovon ich hier rede.

In diesen Filmen gibt es immer irgendein Geräusch. Geradewegs vom ersten Bild bis hin zum letzten wird man zugedröhnt mit Musik, Ambience, Spezialeffekten und Dialog. Das Resultat? Ein überkomprimierter Soundtrack damit auch ja alles in den Film passt - und das im Zeitalter von Dolby und DTS Systemen die zu unglaublichen Dynamikpegeln fähig sind.

Das Thema der Lautstärke in Kinos ist derart aktuell dass die Audio Engineering Society dazu ein spezielles Kommitee ins Leben gerufen hat. So hat die Association of Audiovisual Professionals in Frankreich erst vor kurzem folgendes Statement abgegeben (Commission Supérieure Technique De L’Image Et Du Son 2011):

"[...] die Möglichkeiten von Digitalaudio hat in den letzten Jahren dazu geführ, dass gewisse Lautstärken auf absurde Pegel angestiegen sind [...]. Es ist essentiell dass alle Beteiligten an solchen Produktionen zusammenarbeiten und sicher stellen, dass die Lautstärke in Kinos nicht gesundheitsgefährdend wird. Eine unserer wichtigsten Aufgaben und gleichzeitig Empfehlungen ist es die Schallpegel in Kinos auf 79dB zu reduzieren [...]"

Gehen wir zurück zu The Bourne Supremacy. Hier ist ein Screenshot des Audiosignals: 13 dB dynamische Bandbreite während einer der leisesten Szenen (z.B. auffalten eine Karte) ist fast so laut wie der Automotor oder die Musik. Zu laut abgespielt (was sehr häufig der Fall ist) kann dies verhehrende Folgen haben.

loudness war

Diese Szenen wären wohl leichter verständlich und erträglich gewesen, wenn mann anstatt alles reinzuwürgen ein bisschen achtsam mit dem Material umgegangen wäre. Bei der Musik verhält es sich genau gleich.

Initiativen und Resultate

Wie bereits erwähnt gibt es momentan diverse Initiativen um diesem Problem Herr zu werden. Einer der ersten auf die Allgemeinheit gerichteten Versuche war die Integration von Sound Check in iTunes. Diese Funktion kann über das Preferences Menü angesteuert werden.
Noch interessanter ist dass Sound Check zur Grundeinstellung wurde und in iTunes Radio nicht mehr deaktiviert werden kann. Diese Funktion passt das Lautstärkesignal automatisch an. Das Ziel ist es jedoch nicht die Lautstärke anzuheben, sondern es dem Zuhörer zu ermöglichen alle Stücke bei ungefähr derselben Lautstärke anzuhören. Somit werden die Musikstücke besser klingen die über mehr Dynamik verfügen, da dort die Attacks und Peaks konserviert wurden. Zu stark komprimierte Songs werden insgesamt als weniger laut empfunden und die fehlende Dynamik wird sogar bei gleicher Lautstärke offensichtlich.  Es bleibt zu hoffen, dass diese entlarvende Methode dazu führt dass Profis sich eines Besseren belehren lassen.

Hier zwei Screenshots um diesen Punkt zu untermalen: Die Grace Jones und David Guetta Songs aus früheren Artikeln abgespielt bei derselben empfundenen Lautstärke.

Loudness war
Loudness war

 Am Ende hat nur ein Stück einen klaren, dynamischen Sound mit viel Details…wogegen der andere nur noch flach klingt.

01 GraceJones
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  • 01 GraceJones 00:32
  • 02 DavidGuetta 00:17
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