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Der Loudness War - Teil 6

Kompression hat Konsequenzen

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In diesem Teil besprechen wir die Konsequenz der Lautstärke auf die Musik und das menschliche Gehör und sehen uns an wie die digitale Technologie die Reduktion der dynamischen Bandbreite in aufgenommener Musik ermöglicht hat.

Nach mehreren Artikeln in denen wir mehr die Gründe und Konsequenzen übermässiger Lautstärken besprochen haben können wir endlich damit anfangen alles in einen Kontext zu setzen.

Lautstärke ist ein kontroverses Thema und führt oftmals zu hitzigen Diskussionen. Gewisse Leute benutzen es sogar als Weg um gewisse Musikrichtungen anzugreifen, was mit Sicherheit nicht das Ziel dieser Serie ist.

La loudness war

Ich möchte hier nur einmal klipp und klar festgehalten haben, dass es aus meiner Sicht absolut keinen Grund gibt Musik zu zerquetschen. Ein Techno/EDM Stück das korrekt abgemischt wurde und Dynamik, Transienten und die Balance der Frequenzbänder respektiert wird laut besser klingen als eines das nach modernen Mastering Trends bearbeitet wurde. Es gibt im Wesentlichen nichts das nicht ohne ein gewisses Mass an Dynamik besser klingt. Und dennoch sind die meisten Alben schrecklich produziert mit einer dynamischen Bandbreite von weniger als 5 oder 6 dB.

Und das betrifft jeden - sogar grosse Produzenten mit viel Erfahrung. Nehmen wir zum Beispiel Trevor Horn - einer der grossartigsten Produzenten der letzten drei Jahrzehnte. Er veröffentlichte unter dem namen Producers ein Album mit dem Namen Made In Basing Street das sich irgendwo zwischen Retro und Pop ansiedeln lässt. Die dynamische Bandbreite? 6dB mit intersample Clipping und so weiter…
Intersample clipping? Dies ist eine der Risiken die bei digital-zu-analog Wandlung auftauchen kann wenn die zur Rekonstruktion verwendeten Filter 0 dBFS übersteigen. Schaut Euch dazu folgendes FabFilter Video an in dem dieses Phänomen erklärt wird.

 

Ein weiters Resultat aus diesen Diskussion ist die Meinung, dass wir  unter Berücksichtigung der aktuellen Abhörkonditionen die dynamische Kompression akzeptieren können - und ich meine dabei die Kompression die im Mastering zum Einsatz kommt, welche diesen Namen eigentlich gar nicht verdient. Abermals gibt es keinen Grund dafür die Dynamik eines Songs zu zerstören nur damit man den Song in einem Auto oder portablen Abspielgerät anhören kann. Was ist denn wenn man sich die Musik zu Hause anhört? Sollte man also für mobile Abspielsituationen einen alternativen Mix erstellen? Nine Inch Nails hat dies für eines seiner letzten Alben gemacht. Wenn es die Lösung ist einen zweiten Mix zu erstellen dann wieso nicht drei oder vier?

Die Evolution des Zuhörens

Eines der grössten Probleme ist wie sich die Angewohnheiten in den letzten Jahren geändert haben. Ich sage hier keinesfalls, dass man in der Vergangenheit feststecken sollte oder jeglichen Fortschritt vermeiden. Dennoch muss man sich bewusst sein, dass der technische Fortschritt nicht immer nur befriedigende Resultate mit sich bringt.

La Loudness war

Die Musik wurde über die Jahre immer mobiler. Zuerst mit portablen Radios, anschliessend mit der in 1963 eingeführten Kassette und dem nachfolgenden Walkman (1980). Die Entwicklung des CD Walkmans verbesserte dann die Klangqualität erheblich, konnte aber ebenfalls noch nichts gegen die ständigen Umgebungsgeräusche machen. Aus diesem Grund blieb egal wie gut die Technologie auch wurde immer ein Teil der Musik überdeckt.

La Loudness war
La Loudness war

 

Die Quadratur des Kreises

Die Digitaltechnik löste schliesslich ein Problem dem sich bis dahin jeder Kompressor und Limiter ausgesetzt sah. In der Welt der Hardware können Kompressoren und Limiter gar nicht in Echtzeit arbeiten. Sogar die schnellsten Kompressoren (z.B. der 1176 LN) lässt einen Teil der Transienten durch und verhindert so ein effektives Plätten der Peaks.

La Loudness war

In der digitalen Umgebung kann man diese Berechnungszeit immer wieder kompensieren und auf diese Weise eine Bearbeitung in Echtzeit ‚vorgaukeln‘. Macht dazu den Test: Nehmt ein Projekt mit vielen Spuren, fügt immer mehr Kompressoren hinzu und schaut was mit der Latenz Eures MIDI Keyboards geschieht.

Ohne Angst die fatalen 0 dB FS zu übersteigen kann man jetzt das Signal so weit zusammendrücken wie man möchte. Auch wenn nicht alle Produzenten bei Einführung der CD auf diesen Zug aufsprangen so hat sich die Angewohnheit alles bis aufs Letzte zu ‚massakrieren/komprimieren‘ inzwischen normalisiert.

 

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