Klangsynthese
Klangerzeugungen Klangsynthese
  • Textgrösse erhöhen oder verringern
  • Drucken

Klangsynthese, Sound Design und Klangbearbeitung - Teil 10

Polyphonie, Paraphonie und Multitimbralität

  • Like
  • Tweet
  • +1
  • Pin it

Im letzten Artikel haben wir darüber gesprochen aus was genau sich eine Stimme zusammensetzt und das sie aus mehreren Oszillatoren bestehen kann ohne dabei polyphon sein zu müssen.

Polyphonie...und Komplexität

Wie wird also Polyphonie definiert? Mit Polyphonie wird die Fähigkeit eines Synthesizers beschrieben mehrere Stimmen gleichzeitig erklingen zu lassen - jede mit seiner eigenen Klangerzeugung (Oszillatoren) und Klangbearbeitung (Filter, Verstärker, Hüllkurven). Theoretisch muss man also nur eine Stimme multiplizieren und man kann loslegen, oder? Das ganze ist jedoch ein wenig komplizierter. 

La synthèse sonore

Moog hat in 1975 mit dem Polymoog (dem ersten echt polyphonen Synthesizer) sicherlich sein Lehrgeld bezahlt, denn er wurde niemals zu einem würdigen Nachfolger des MiniMoog. 

Der PolyMoog besass 71 Tasten und verfügte über totale Polyphonie für alle davon. Die Komplexität die diese Architektur jedoch mit sich brachte machte die Herstellung zu einem Alptraum - sehr teuer und überaus anfällig für technische Probleme. Andere Lösungen mussten her und eine Beschränkung der Polyphonie war ein erster Ansatz. 

La synthèse sonore

Nehmen wir zum Beispiel den Sequential Circuits Prophet 5. Dieser besass nur fünf Stimmen Polyphonie mit zwei Oszillatoren pro Stimme, die Tastatur umfasste aber 61 Tasten. Doch welche Stimmen sollen beim Spielen hier priorisiert werden? Die Lösung für diesen und viele andere Synthesizer lag in der Digitaltechnik. Damit kann man zum einen analysieren welche Tasten gedrückt wurden und in welcher Reihenfolge dies geschah. Übersteigt eine neu gespielte Note die maximale Stimmenzahl des Synthesizers so fangen Noten der gespielten Reihenfolge nach zu verschwinden. 

Moderne komplett digital ausgeleget Synthesizer können aktuell bis zu 128 Stimmen gleichzeitig erklingen lassen. 

Paraphonie

Ein Artikel über Polyphonie wäre wohl nicht komplett ohne über Paraphonie zu reden. Wie bitte? Nun dies war ein System das vor allem vor dem Erscheinen echter Polyphonie sehr beliebt war und aktuell vor allem in modernen analogen Synthesizern zu finden ist. Ein paraphonisches System basiert auf einem einstimmigen (monophonen) Synthesizer und simuliert auf eine gewisse Weise einen polyphonen Synthesizer. 

Bei einem paraphonischen Synthesizer werden verschiedene Oszillatoren nacheinander abgespielt, diese teilen jedoch anschliessend dieselben Filter, Hülkurven und Modulationen. 

Spielt man also zum Beispiel ein C, wartet auf die Attack und Decay Zeiten der Hüllkurve und spielt kurz bevor das Signal verstummt ein G so werden für eine kurze Zeit beide Noten zu hören sein, jedoch keine neue Hüllkurve angetriggert. 

Multitimbralität

Es wäre unmöglich in diesem Artikel nicht auch noch kurz auf multitimbrale Instrumente zu sprechen zu kommen. Multitimbralität bedeutet für ein elektronisches Instrument, dass es nicht nur unterschiedliche Klänge abspielen kann, sondern auch für jeden unterschiedliche Filter und Hüllkurven besitzt. Doch ist das nicht die Definition eines polyphonen Instruments? Nicht ganz da bei einem polyphonen Syntesizer für jede Note immer wieder dieselben Hüllkurven und Filtereinstellungen getriggert werden. 

La synthèse sonore

Einer der ersten multitimbralen Synthesizer war der Six-Track von Sequential Circuits. Dies war ein Sample-basierter Synthesizer dessen Sounds übereinandergelagert und wahlweise gleichzeitig oder auf unterschiedliche Sektionen verteilt getriggert werden konnten. Die verfügbaren Stimmen wurden dabei auf die verschiedenen MIDI Kanäle aufgeteilt. 

Und wenn wir schon beim Thema sind - was ist MIDI eigentlich? Genau darüber sprechen wir in unserem nächsten Artikel. 

 

Sind Sie der erste, der auf diesen Artikel reagiert
  • Like
  • Tweet
  • +1
  • Pin it