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Klangsynthese, Sound Design und Klangbearbeitung - Teil 29

Das Trautonium und das Theremin

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Im letzten Artikel haben wir mit dem Ondes Martenot und dem Onioline zwei erstaunliche Instrumente angeschaut. In diesem vorletzten Teil lade ich Euch ein mit mir noch zwei weitere faszinierende Beispiel zu entdecken!

Das Trautonium

Wir fangen mit einem String Synthesizer an: Dem Trautonium. Dieses wurde 1930 vom Deutschen Friedrich Trautwein entwickelt und verfügt als Interface für den Musiker eine Seite.

La synthèse sonore

Genauer genommen handelt es sich um einen Widerstand der horizontal über eine Metallplatte platziert wurde. Der Musiker verbindet durch Druck den Widerstand mit dieser Platte und schliesst so den elektrischen Kreislauf der in den Röhrenoszillator gespiesen wird und somit den eigentlichen Klang erzeugt.

Der elektrische Widerstand ist abhängig vom Druck auf die Saite und wirkt sich somit auf die Frequenz (also die Tonhöhe) des durch den Oszillator erzeugten Signals aus. Dynamische Variationen können durch variieren des Drucks auf die Metallplatte erzeugt werden.

Kleine Metallscheiben die senkrecht zur Seite verlaufen ermöglichen es dem Musiker direkt chromatische Noten zu spielen.

Schon wie beim Ondes Martenot war es auch hier das Ziel dem Musiker ein Instrument zur Verfügung zu stellen das eher mit einem Streichinstrument als mit einem Keyboard verglichen werden kann. Mit Filtern war es möglich die Klangfarbe des Trautoniums zu verändern, was es zum ersten subtraktiven Synthesizer überhaupt machte.

La synthèse sonore

Nach dem kommerziellen Flop der ersten Version (dem Volkstrautonium) vertraute Friedrich Trautwein die Weiterführung der Produktion seinem Assistenten Oskar Sala an. Dieser Physiker, Komponist und Pianist verwandelte das Trautonium in das Mixtur-Trautonium (1950) und verlieh ihm eine zweite Saite (mit Metallplatten), Rausch- und Hüllkurvengeneratoren, Bandpass Filter und Subharmonic Oszillatoren.

Es war dank diesem Instrument dass Hitchcock den Soundtrack für The Birds realisieren konnte. (Auf dem Bild links sieht man Oskar Scala zusammen mit Alfred Hitchcock).

Heute baut die Deutsche Firma Trautoniks immer noch diese wunderbaren Instrumente und Doepfer verkauft Ribbon Module welche das String Trautonium emulieren.


Das Theremin

Abschliessen möchte ich diesen Exkurs in die Welt der wundersamen elektronischen Klangerzeuger indem ich Euch das wohl erstaunlichste aller musikalischen Werkzeuge vorstelle: Das Theremin!

La synthèse sonore

Bevor ich jetzt hier im Detail erkläre weshalb dieses Instrument so einzigartig ist, möchte ich darauf hinweisen, dass die Klänge dieses Instruments (welche 1919 vom Russen Lev Sergueïevitch Termen entwickelt wurde) dem des Ondes Martenot sehr ähnlich sind. Dies ist auch nicht sonderlich erstaunlich da beide auf derselben Klangerzeugung basieren, das Timbre des Theremin jedoch nicht modifiziert werden kann.
Was das Theremin so einzigartig macht ist die Bedienung. Der Musiker muss nämlich das Instrument dabei nicht einmal anfassen! Das Theremin verfügt über zwei Antennen: Eine gerade vertikal verlaufende Antenne und eine runde horizontal liegende. Der Musiker variiert die Frequenz und Amplitude des Signals durch Verändern der Distanz zwischen seinen Händen und der Antenne.

Wird das Theremin eingeschaltet wird ein elektromagnetisches Feld um die zwei Antennen erzeugt. Wird dieses verkleinert (z.B. durch die Hände), so wird die Spannung vergrössert. Wird die Spannung erhöht so senkt dies die Frequenz eines der zwei Oszillatoren ab, während die zweite Frequenz gleich bleibt. Die vertikale Antenne steuert die Tonhöhe des Signals - der Musiker muss also seine Hand näher an die Antenne führen um einen höheren Ton zu erhalten. Die horizontale Antenne steuert dagegen das Volumen - je weiter die Hand von der Antenne entfernt ist desto lauter das Signal.

Auch wenn die Spieltechnik so schwierig zu meistern ist so kommt das Theremin doch immer noch in vielen Produktionen zum Einsatz. Moog Music hat mit dem Etherware sogar einen Reissue auf den Markt gebracht.

Als Abschluss noch ein Video für alle Musik Nerds da draussen:

 

 

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