Klangerzeugungen
Thematische Foren Klangerzeugungen
  • Textgrösse erhöhen oder verringern
  • Drucken

Unterschiedliche Herangehensweisen an einen Mixdown im Vergleich

Der richtige Anfang bei einem Mix

  • Like
  • Tweet
  • +1
  • Pin it

Beim Mix eines Songs hat man es mit einer Unzahl an Entscheidungen zu tun, die nach und nach abgearbeitet werden müssen. Ihr entscheidet wie laut jedes Instrument sein soll, wo Ihr es im Stereobild platziert, welche Effekte zum Einsatz kommen, welche Spuren stumm geschaltet werden, usw. Es gibt hier in der Tat derart viele Optionen, dass dies für einen Anfänger doch ziemlich überwältigend sein kann. Eine der ersten Entscheidungen die Ihr treffen müsst ist was Ihr zuerst bearbeiten möchtet. In diesem Artikel beschreiben wir verschiedene Herangehensweisen mit denen Ihr mit Eurer Arbeit anfangen könnt. Welche ist wohl für Euch die beste?

Zuerst einmal organisieren

 
A zeroed out mixer lets you start your mix from scratch

Bevor wir hier verschiedene Arbeitsweisen etwas genauer anschauen sollten wir unsere Spuren organisieren. Ordnet sie zum einen in einer logischen Abfolge - speziell bei einer grossen Session wird dies Euch helfen die Übersicht zu behalten. Falls noch nicht geschehen verleiht Euren Spuren ein paar sinnvolle Farben damit Ihr auf einen Blick sehen könnt welche Instrumente zusammen gehören. Ich erstelle auch immer ein paar Subgruppen für Stimmen, Instrumente, Schlagzeug und Perkussion damit ich diese Hauptgruppen miteinander vergleichen kann.

Es macht durchaus auch Sinn an dieser Stelle ein paar Halleffekte (ein langer und ein kurzer) und einen Delay als Bus Effekte aufzuschalten, da Ihr diese mit grosser Sicherheit benötigen werdet. Wir haben zu diesem Thema bereits ein paar Artikel veröffentlicht, lest dazu diesen und auch diesen.

 

Alles auf Null

Am häufigsten fangen Tontechniker wohl mit einem auf Null gesetzten Projekt an. Dies bedeutet alle Fader auf 0 dB und alle Panner in die Mitte. Schaltet alle Sends ab, entfernt oder schaltet alle Inserts ab und fangt praktisch von Null an. Jeder Schritt den Ihr von nun an vornehmen werdet wird absichtlich geschehen und nichts wird einfach so mit einem EQ bearbeitet, mit Reverb versehen oder im Stereobild positioniert.

Sollte Euch jemand Spuren für einen Mixdown zuschicken so empfehle ich Euch diese Herangehensweise, da Ihr beim Importieren der Spuren eh mit einem neuen Session Template beginnt.

Einfach weitermachen

Arbeitet Ihr schon eine Weile an einem Projekt so kann es auch kontraproduktiv sein das ganze Projekt auf Null zu stellen. Ihr habt wahrscheinlich bereits ein paar Pegel angepasst, Effekte hinzugefügt und die Spuren im Stereobild verteilt. Es mag Euch nicht bewusst sein, doch Ihr habt in dem Fall schon begonnen einen Rough Mix zu entwickeln. Diese haben manchmal eine Energie die man nicht mehr so einfach von Grund auf hinbekommt. Anstatt also von Vorne anzufangen nehmt was Ihr habt und baut darauf auf.

Einfach nicht den Pan Regler anfassen

Sagen wir Ihr fangt mit der “alles auf Null“ Methode an, was kommt dann? Eine Herangehensweise die mir ganz gut gefällt ist es zuerst einmal die Balance der einzelnen Instrumente mit Hilfe von EQs und Fadern anzugehen. Fasst dabei die Pan Regler nicht an und fügt keine Effekte hinzu! Dies zwingt Euch dazu wirklich auf die verschiedenen Lautstärken zu achten.

Habt Ihr einmal ein gutes Fundamtent könnt Ihr mit dem Stereobild und Effekten anfangen und Ihr werdet merken wie Euer Mix zu leben anfängt. Es gibt Leute die eine ähnliche Herangehensweise vorschlagen bei der Volumen und Panning, aber keine Effekte zum Einsatz kommmen - so zum Beispiel unser Author Nantho der für die “Der Weg zum richtigen Mix“ verantwortlich ist.

Zuerst das Schlagzeug

 
Viele Mixdown Engineers fangen gerne mit dem Schlagzeug an

Eine weitere Methode ist es sich zuerst auf das Schlagzeug zu konzentrieren und dieses zum Klingen zu bringen. Anschliessend wird der Bass bearbeitet und dann Gitarre und andere Rhythmusinstrumente. Der mit einem Grammy ausgezeichnete Audio Engineer Darrell Thorp sagte dazu einmal in einem Interview: “Ich fange mit Schlagzeug, Bass und dann Gitarren an und sobald ich soweit bin fange ich an die Stimme einzuschalten.“
Leute mit einer anderen Herangehensweise mögen jetzt argumentieren, dass der Kontext mit dem Rest der Spuren essentiell ist, doch ich finde, dass wenn man das Schlagzeug für sich zum Klingen bringt so wird es im Kontext mit den anderen Instrumenten ebenfalls gut klingen.
Alan Parsons hat bei dieser Methode eine kleine Variation. “Ich fange mit dem Schlagzeug an, nehme es dann aber wieder heraus und schaue mir alles andere an. Ich arbeite an der Balance der Rhythmusinstrumente und sogar der Verzierungen wie z.B. das Orchester. Es soll sich alles gut anfühlen noch bevor das Schlagzeug wieder ins Spiel kommt - dreht man dieses am Ende wieder rein hat man es plötzlich mit einem Song zu tun.

Konzentriert Euch auf das wichtigste Element

Es kann auch durchaus sinnvoll sein sich von Anfang an auf das wichtigste Element eines Mixes zu konzentrieren - bei den meisten Stücken wird dies die Stimme sein. Alles andere sollte sich dieser unterordnen und somit sollten erste Einstellungen der Balance dies immer im Fokus haben. Die Stimme (oder das Hauptelement) muss bei dieser Herangehensweise immer so gut wie möglich klingen - fügt wenn nötig EQs hinzu, komprimiert sie oder bearbeitet sie mit Effekten.

 
Eine weitere populäre Methode ist es sich auf das wichtigste Element zu konzentieren - normalerweise handelt es sich dabei um die Stimme.

Seid Ihr mit dem Klang zufrieden könnt Ihr anfangen den Rest der Instrumente oder Stimmen darum herum zu formen. Der Grund weshalb man sich früh darauf konzentriert ist da man sonst Gefahr läuft Entscheidungen zu treffen die jedoch auf Entscheidungen basieren, die man bereits bei anderen Instrumenten vorgenommen hat. Nur beim Anfang des Mixes sind solche Entscheidungen keine Reaktionen auf die umgebenden Elemente - aus diesem Grund lohnt es sich also das Hauptelement ganz am Anfang zu bearbeiten.

Und was wählt Ihr?

Wie Ihr sehen könnt gibt es für einen Mxi eine Menge Herangehensweisen. Das liegt auch daran, dass man beim Mixing eine Menge Optionen hat und es eigentlich keinen “richtigen“ Weg gibt. Wie entscheidet Ihr also was für Euch das Beste ist? Versucht es mit unterschiedlichen Herangehensweisen und schaut womit Ihr die besten Resultate erzeugen könnt.

Als Anfänger ist es durchaus sehr nützlich bei einem Mixdown mit einer gewissen Systematik heranzugehen. Nur so werdet Ihr auch verstehen wie Ihr zu einem guten Resultat gekommen seid und wie Ihr dies bei einem Folgeprojekt wiederholen könnt.

 

Sind Sie der erste, der auf diesen Artikel reagiert
  • Like
  • Tweet
  • +1
  • Pin it