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Auch mit DI Aufnahmen können Gitarren toll klingen

Strategien für 'DI' Recording

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Bei einer Umfrage würden Euch wahrscheinlich 99% der Tontechniker und Produzenten sagen, dass man E-Gitarren am besten mit einem mikrofonierten Verstärker aufnimmt…wenn möglich aufgedreht auf 11.

In einer perfekten Welt würden wir alle unsere Gitarrenspuren auf diese Weise aufnehmen - natürlich mit schallisolierten Räumen, einer grossartigen Akustik und erstklassigen Mikrofonen - ausgestattet mit aller Welt der Zeit. In der realen Welt nehmen jedoch viele Musiker zu Hause in ihren Heimstudios auf und können nicht so einfach ihren Marshall oder Fender Verstärker aufdrehen ohne einen Rausschmiss aus der Wohnung zu riskieren.

Zum Glück tönt Amp-Modeling bereits sehr gut und nur weil man ein Gitarrensignal direkt als DI Signal aufnimmt ('DI' steht für 'Direct Inject'), so muss das nicht zwingend bedeuten, dass dieses Signal als minderwertiges Signal auffallen muss. In gewissen Fällen kann sich ein direktes Signal sogar als Vorteil herausstellen.

Outboard oder Plug-In?

Ihr könnt das DI Signal entweder für einen externen Amp Modeler aufnehmen (wie z.B. ein Line 6 POD) - damit der emulierte Verstärker bereits fix aufgenommen wird - oder Ihr könnt das Signal komplett trocken aufnehmen (keine Effekte, nur das Gitarrensignal) und den Sound später mit einem Plug-In anpassen.

Die meisten DAWs bieten virtuelle Verstärker und Effekte. Hier wird Amp Designer von Apple Logic Pro gezeigt. Apple Logic Pro.

Kommt ein Outboard Modeler zum Einsatz, so kommt dies von der Herangehensweise einem Verstärker gleich - zumindest was die Entscheidung der Klangfarbe betrifft. Manchmal ist dies die bessere Entscheidung, vor allem wenn Ihr Gitarre auf einer fremden Produktion spielt und die klangliche Kontrolle nicht dem Produzenten überlassen möchtet.

In den häufigsten Fällen ist es jedoch wohl das Beste das DI Signal komplett trocken aufzunehmen und den Klang während der Aufnahmen über ein DAW Plug-In abzuhören. Das bedingt natürlich, dass das Aufnahmesystem die Latenz in einem vernünftigen Rahmen hält (Latenz beschreibt die Verzögerung des Signals das durch den Computer bearbeitet wird bevor Ihr es wieder zu hören bekommt), sollte dies jedoch kein Problem sein, so ist dies sicherlich die bevorzugte Methode. Das Schöne daran ist nämlich, dass man den Klang zu einem späteren Zeitpunkt nochmals komplett ändern kann. Solange es sich um Eure Produktion handelt, wieso also nicht?

Die weiteren Vorteile von DI 

Neben der klanglichen Kontrolle ist ein DI Signal auch ein gute Option wenn man nicht möchte, dass das Signal des Gitarrenverstärkers in anderen Mikrofonen auftaucht. Speziell in einem Heimstudio ohne Iso Booth für den Gitarrenverstärker kann eine DI Aufnahme der E- oder Bass-Gitarre die Aufnahmen erheblich erleichtern.

Was am besten klingt

Eine weitere Option ist es eine Spur als DI Signal aufzunehmen und dann über eine Reamping Box wie die Radial Reamp JCR nochmals auf den Verstärker zu schicken. 

Alle Verstärker Emulatoren (sei dies Hardware oder Software) geben Euch die Wahl über verschiedene Verstärkertypen (üblicherweise eine Auswahl zwischen Fender, Marshall, Vox, Mesa/Boogie und so weiter). Normalerweise tönen die stärker verzerrten Modelle authentischer, wogegen es bei den Clean Sounds immer noch schwierig ist überzeugende Emulationen zu finden. Zögert nicht andere Effekte in den Kanal zu hängen, den manchmal erhält man auf diese Weise die besten Resultate.  

Solltet Ihr dennoch nicht mit dem DI Signal zufrieden sein, wollt (oder könnt) aber den Part nicht noch einmal über einen Verstärker aufnehmen, so gibt es immer die Möglichkeit des Re-Amping. Eine Re-Amping Box nimmt das Line-Signal Eurer DI Spur und konvertiert es in ein hochimpedantes Signal. Dieses kann anschliessend wieder in einen Verstärker gespiesen und dieser wie eine Live-Aufnahme mikrofoniert und aufgenommen werden. Re-Amping Boxen sprengen nicht das Budget und können sich schnell als äusserst praktisch erweisen.

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