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Alles was Ihr über Phasenprobleme wissen müsst - Teil 3

Phasen – Die Lösungen

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Nachdem wir uns mit der Theorie rumgeschlagen verschiedene konkrete Problemfälle angeschaut haben, widmen wir uns in diesem letzten Teil verschiedenen möglichen Möglichkeiten diese Probleme zu analysieren. Abschliessend werden wir besprechen mit welchen Werkzeugen und Arbeitsschritten man diese Probleme beheben kann.

[Falls Ihr die ersten zwei Teile noch nicht gelesen habt, oder diese nochmals zur Repetition lesen möchtet, so findet Ihr hier Part 1 und Part 2 dieser Serie.]

Das Problem identifizieren

Eure Ohren sind das beste Werkzeug um Phasenprobleme zu erkenne. Mit ein bisschen Übung können Probleme sehr einfach analysiert werden. Um einen Kammfiltereffekt zu erkennen, müsst Ihr nur einen Mix in Mono anhören. Wenn die Klangfarben der Aufnahme nicht wie die ursprünglich aufgenommenen Instrumente tönen, oder die Obertöne stark hervorstechen, so habt Ihr ein Phasenproblem. Dasselbe gilt wenn das Klangbild kraftlos wirkt. Auch eine gedämpfte Bassdrum, eine undefiniert Rhythmusgitarre oder eine leblose Snare sind starke Indikatoren verschobene Phasen.

Comprendre la Phase

Dieses Phänomen kann ganz einfach durch einen kurzen Delay (weniger als 25 ms) erzeugt werden. Das Resultat eines 'hohlen', 'dünnen' oder 'aggressiven' Klangs wird Euch schnell auf die Nerven gehen.

Falls Ihr Euren Ohren nicht traut, so gibt es auch 'wissenschaftlichere' Lösungen mit denen sich eventuelle Phasenprobleme aufdecken lassen. Zuerst nehmt Ihr einen Spectrum Analyzer und sucht nach einer Kurve, die für einen Kammfiltereffekt typisch ist. Gewisse Plug-Ins wie StereoScope von Blue Cat Pro oder Stereo Tool von Flux (Freeware) ermöglichen es Phasenprobleme auch bei Stereodateien zu erkennen.

Das Problem beheben

Comprendre la Phase

Schauen wir uns nun die möglichen Lösungsansätze an. Zuerst solltet Ihr wissen, dass es hier keine Wunderlösung gibt und man unabhängig von der vorgeschlagenen Lösung immer eine leichte Phasenverschiebung haben wird. Dies ist jedoch nicht schlimm, da man bei einem bewussten Umgang mit Phasenproblemen klanglich weitaus mehr bewegen kann als blosse EQs. Wäre dem nicht so, so hätte man bereits vor Jahren aufgehört mit mehreren Mikrofonen zu arbeiten.

Während der Aufnahme ist es wohl am einfachsten bei zwei sich bekämpfenden Signalen die eine in der Phase zu drehen (die meisten Vorverstärker bieten diese Funktion). Auf diese Weise werden Signale anstatt ausgelöscht nun angehoben und umgekehrt - auf jeden Fall hört man sofort den Unterschied. Diese Lösung bietet sich vor allem für Perkussionsinstrumente an.

Ein noch weiterer effektiver Trick ist es die Mikrofone so lange umherzuschieben bis man eine gute Balance gefunden hat. Es schadet sicherlich nicht dies auszuprobieren, da diese Methode häufig zu sehr guten Resultaten führen kann.

Comprendre la Phase

Die Glücklichen unter Euch können es sich vielleicht auch leisten in Equipment zu investieren, das speziell für diese Probleme entwickelt wurde (wie z.B. Little Labs IBP und Phazer by Radial Engineering). Mit diesen Geräten kann man die Phasenlage stufenlos einstellen und ist was den Klang angeht extrem flexibel.

Natürlich kann man während eines Mixdowns auch auf den Trick mit der Umkehrung der Phasenlage zurückgreifen. Wer ein bisschen mehr Handwerker sein möchte kann auch die Wellenformen stark vergrössern und diese wieder einander angleichen. Für Faule gibt es auch hier natürlich spezielle Plug-Ins wie Sound Radix Auto-Align oder Advanced AudioWaves Tack Align Pro. Das oben erwähnte Little Labs IBP gibt es zudem auch in virtueller Form auf der UAD Plattform.

Was Phasenaprobleme angeht die durch EQ entstanden sind, so könnte man einen phasenlinearen EQ verwenden. Achtet dort aber genau auf perkussive Sounds da diese Art der EQs manchmal so etwas wie ein 'Pre-Echo' erzeugen kann.

Comprendre la Phase

Beim Einsatz von Delay und Hall solltet Ihr immer auch alles in Mono abhören und so unschönen Überraschungen entgegenwirken.

Phasenproblem die durch schlechte Latenzkompensation einer Software entstehen passt man am besten manuell an. Rechnet die verdächtige Spur raus, importiert sie wieder in Euer Projekt, verschiebt sie bis es wieder stimmt und beklagt Euch direkt beim Hersteller für seine schlampige Programmierarbeit!

Abschliessende Worte

Ich hoffe dass diese Serie die meisten Fragen zum Thema Phase beantworten konnte. Grundsätzlich solltet Ihr jetzt so ziemlich jedes Phasenproblem verstehen und beheben können. Dennoch gibt es zum Schluss noch einen Ratschlag: Wie fast immer so gilt auch hier dass die Erfahrung Euer bestes Werkzeug ist - also ran an den Speck und üben!

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