Einstiegsratgeber
Thematische Foren Einstiegsratgeber
  • Textgrösse erhöhen oder verringern
  • Drucken

Die Vor- und Nachteile beider Setups

Pedalboards vs. Multi-Effekt Pedale

  • Like
  • Tweet
  • +1
  • Pin it

Solltet Ihr nicht jemand sein der digitale Gitarreneffekte von Grund auf ablehnt, so lohnt es sich vor dem Kauf durchaus mal die verschiedenen erhältlichen Multieffekt-Pedale mit traditionellen Pedalboard Konfigurationen zu vergleichen. Hier soll natürlich nicht die eine Option der anderen vorgezogen, sondern lediglich Vor- und Nachteile aufgezeigt werden.

Auf der einen Seite

Zuerst ein Blick auf die traditionelle Herangehensweise: Individuelle Bodentreter werden mit kurzen Kabeln verbunden und ruhen auf einem gekaufen (oder selbstgemachten) Pedalboard mit eingebauter oder zusätzlich erworbener Stromversorgung. Um es uns für diesen Artikel einfacher zu machen nenne ich diese Konfiguration ganz einfach 'Traditionelles Pedalboard'. Bei dieser Variante hat man verschiedene Vorteile: Man hat die absolute Freiheit aus unterschiedlichen Pedalen auszuwählen (natürlich immer Anbetracht des eigenen Budgets) und - sofern ausreichend Platz vorhanden - kann das Setup um weitere Pedale ergänzt werden.

 

Für die folgende Behauptung habe ich jetzt keine statistische Grundlage, doch ich bin mir ziemlich sicher, dass sich professionelle Gitarristen grösstenteils für ein traditionelles Pedalboard entscheiden - insbesondere wenn einem Roadies und Gitarrentechniker zur Verfügung stehen. Kommen nur hochwertige Pedale und gute Kabel zum Einsatz, so sollte man auf jeden Fall auch eine hervorragende Klangqualität erwarten dürfen (was natürlich dann immer auch noch vom Instrument und Verstärker abhängig ist…).

Man hat auch die Wahl zwischen analogen und digitalen Effekten - oder einer Kombination aus Analog und Digital. Zudem gibt es Effektpedale mit sogenannten 'True-Bypass' Schaltungen, welche helfen den Signalpfad bei ausgeschaltetem Effekt so unverändert wie möglich zu belassen.  

Und nun zum Herausforderer

Andererseits kann man natürlich nicht abstreiten, dass einem ein Multieffektpedal natürlich bedeutend mehr Klangmöglichkeiten bietet. So bietet der POD H500X von Line 6 (Bild oben) über 100 verschiedene Effekte (8 davon können gleichzeitig aktiv sein). Ein traditionelles Pedalboard mit derart vielen Effekten würde eine ganze Bühne vereinnahmen und man müsste zwischen Distortion und Chorus schon mehrere Meter zurücklegen.


Aber natürlich wiegt Qualität immer schwerer als Quantität und für eine lange Zeit war genau das die Achillesverse von Multieffektpedalen. Traditionelle Pedalboards klangen einfach besser. Auch wenn es Musiker gibt die hier immer noch widersprechen, so sind die klanglichen Unterschiede in der aktuellen Generation bei weitem nicht mehr so gravierend. Die heutigen Modelle verfügen über 24Bit Audioqualität, verwenden Modeling Technologie und tönen erstaunlich gut.

Jedes Multieffektgerät verfügt über ein eingebautes Stimmgerät und die meisten verfügen über ein Fusspedal mit dem sich Wah-Wah, Volumen oder andere Parameter ansteuern lassen. Beides würde für einen 'Traditionalisten' separate Investitionen bedeuten - zudem müsste man wohl für Volumenpedal und Wah-Wah separate Einkäufe tätigen müssen. Multieffektpedale sind häufig leichter, kleiner und einfach auf- und abzubauen. Es ist zudem möglich die eigenen Einstellungen abzuspeichern und für jeden Song eine eigene Konfiguration abzurufen.

Die meisten modernen Multieffektpedale sind zudem mit Verstärkersimulationen ausgestattet, was dem Anwender ein zusätzliches Mass an Flexibilität bietet. Sollte Euer Verstärker kurzfristig das Zeitliche segnen, oder aus welchem Grund auch immer ist ein echter Gitarrenverstärker keine Option, so kann man nun ganz einfach direkt über das PA spielen. Natürlich ist das nicht genau dasselbe, doch sollte der Anlass einen vernünftigen Monitor bieten, so kann man damit durchaus einen Aufritt bestreiten. Natürlich können und Verstärkersimulationen und Effekt auch in einer Aufnahmesituation als Direktsignal aufgenommen werden. Bei einem traditionellen Pedalboard muss man dagegen immer über einen Verstärker spielen.

Irgendwo dazwischen

Falls Ihr das Beste beider Welten wünscht, so gibt es natürlich auch Hybrid-Lösungen auf dem Markt. Zu erwähnen sind da zum Beispiel das Carl Martin Quattro, oder das Tech 21 Fly Rig 5 (s. unten). Beide bieten dem Gitarristen ein Multieffektpedal mit einem komplett analog ausgelegten Signalpfad. Verzichten muss man hier jedoch auf die Annehmlichkeiten digitaler Effektpedale wie die Möglichkeit Presets zu speichern, oder Updates via Computer installieren zu können.

Im Direktvergleich

Jetzt wo wir die grundlegenden Unterschiede verstehen ist es an der Zeit die beiden Effekttypen direkt miteinander zu vergleichen.

Traditionelles Pedalboard Multieffekt-Pedal
PROS PROS
Bei hochwertigen Pedalen ist die Klangqualität überlegen Mehr Effekte verfügbar und die Kosten pro Effekt sind bedeutend günstiger
Komplett individuell zusammenstellbar - Pedale können von beliebigen Herstellern zusammengestellt werden All-in-one Gerät, normalerweise mit einer einzigen Stromversorgung
Erweiterbar Verstärkersimulationen sind nützlich wenn kein Verstärker zur Verfügung steht
Flexibel: Effekte können der Kette hinzugefügt oder entnommen werden. Bei kleineren Gigs kann man auch ein kleineres Setup verwenden Schneller Auf- und Abbau mit weniger Kabeln
Falls erwünscht ist ein komplett analog ausgelegter Signalweg möglich Normalerweise kleiner - beansprucht also weniger Platz auf der Bühne und ist leichter zu tragen
Wesentlich einfacher auf der Bühne Einstellungen vorzunehmen Zwischen den Effekten werden keine Verbindungskabel benötigt
Pedale können einzeln ersetzt werden Digitales Speichern ermöglicht es eigene Presets zu speichern
Reihenfolge der Effekte kann beliebig geändert werden Viele Geräte können via eine Computerverbindung aktualisiert werden (Firmware Update)
  Häufig eingebautes Stimmgerät und Volumenpedal
CONS CONS
Ist häufiger die teurere Variante Gegenüber einem hochwertigen analog ausgelegten Pedalboard wird bei Multieffektgeräten die Klangqualität als weniger gut betrachtet
Der Unterhalt ist aufwändiger Keine Kontrolle darüber welche Effekte integriert sind
Benötigt mehr Platz Kann nur teilweise die Abfolge der Effekte ändern
Man muss nicht nur die Effekte selbst, sondern auch das Pedalboard, die Kabel und das Netzteil sepeart kaufen Geht mal etwas kaputt, so muss das gesamte Gerät eingeschickt werden
  Normalerweise ist es nicht sehr einfach während eines Songs auf die Schnelle Änderungen vorzunehmen

Selbstverständlich wollen wir hier auch eine Debatte lostreten. Tobt Euch also bei den Kommentaren ordentlich aus und ergänzt diese Liste mit Euren eigenen Pros und Cons! Ich bin mir sicher, dass es hier die eine oder andere gegenteilige Meinung geben wird ;-)

Sind Sie der erste, der auf diesen Artikel reagiert
Sind Sie der erste, der auf diesen Artikel reagiert
  • Like
  • Tweet
  • +1
  • Pin it