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Der Weg zum richtigen Mix - Teil 36

Parallel Compression

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In diesem Kapitel besprechen wir eine bestimmte Kompressionstechnik von der Ihr sicherlich schon einmal gehört habt - nicht zuletzt in unserer Mastering Serie. Ich spreche hier von paralleler Kompression, oder auch NY Kompression wie sie gelegentlich genannt wird. Dies ist eine unter Tontechnikern sehr beliebte Technik (speziell für Schlagzeugspuren), doch jedoch auch noch vielen anderen Anwendungszwecken dienen kann.

Prinzip

Das Konzept hinter dieser Technik ist ziemlich einfach: Anstatt einen Kompressor in den Insert der zu bearbeitenden Spur zu hängen wird das Signal auf einen Aux Bus geschickt - erst dort durchläuft es dann einen Kompressor mit ziemlich extremen Einstellungen. Bei dieser Technik sind folgende Werte nicht ungewöhnlich: Ratio so hoch wie möglich, extrem schneller Attack um auch dem letzten Transienten den Garaus zu machen, eine sehr, sehr schnelle Release Zeit um einen pumpenden Effekt zu erzeugen, den höchst möglichen Wert für Knee und der Threshold so tief wie möglich angesetzt. Bei solchen Einstellungen tönt das Signal selbstverständlich schrecklich: Alles ist am pumpen und zerren.

Nimmt man das Signal jedoch runter und fügt es langsam dem Mix hinzu so wird Euch as Resultat schnell zum Lächeln bringen! Damit lässt sich jetzt nämlich der Spur ein solides Fundament verleihen, gleichzeitig aber eine Menge Punch schön transparenten Peaks bieten.

Und wozu?

Wie bereits eingängig erwähnt kommt die parallele Kompression oftmals bei Schlagzeugaufnahmen zum Einsatz. Damit kann man den Klang grösser machen ohne die natürliche Dynamik zu beeinflussen. Doch es wäre wirklich schade diesen Trick nur der Schlagzeugspur vorzuenthalten. Auf Stimmen werden schwache Konsonanten angehoben. Auf dem Bass erhält man mehr Sustain ohne den Groove des Bassisten zu beeinflussen. Auf “Hi-Gain“ Gitarren wird der Druck unterstützt. Man kann diese Technik also für fast jedes Instrument einsetzen…aber auch hier darf man es natürlich nicht übertreiben. Auf jeder Spur eingesetzt wird der Mix nicht plötzlich besser klingen.

Bevor ich abschliesse noch ein paar kurze Anmerkungen. Zuerst einmal gibt es Kompressoren bei denen die Balance des Signals im Verhältnis zum Kompressor eingestellt werden kann (Dry/Wet). Auch wenn dies praktischer erscheint als extra eine Spur für einen neuen Kompressor erstellen zu müssen, so bevorzuge ich die klassische Methode immer noch. Über einen Aux Bus hat man einfach mehr Möglichkeiten das Signal im Detail zu bearbeiten und könnte so zum Beispiel das überkomprimierte Signal noch gezielt mit einem EQ bearbeiten oder auf einen Hall schicken.

Andererseits müsst Ihr zudem wissen, dass gewisse Plug-Ins und DAWs diese Aux Bus Technik aufgrund von Latenzproblemen nicht so zulassen wie wir sie für diese Technik gerne hätten. Sollte Euch die parallele Kompression jemals undefiniert vorkommen so könnte das Problem darin liegen und Ihr werdet wohl oder über auf eine im Plug-In integrierte Lösung zurückgreifen müssen.

 

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