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Schritt für Schritt zum nächsten Mix

Mixing: 12 Schritte

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Wir haben hier bei Audiofanzine bereits viele verschiedene Aspekte von Mixdowns besprochen und analysiert, wie man am besten an einen Mix herangeht. Wir haben dennoch immer wieder Anfragen erhalten doch mal eine Übersicht zu erstellen, die den gesamten Prozess vereinheitlicht. Natürlich ist dies nicht unbedingt möglich, da es ja nicht einen einzigen 'richtigen' Weg gibt. Mit diesem Einwand im Hinterkopf möchten wir Euch nun eine Art 'Roadmap' vorstellen.

Natürlich ist der Mixdown Prozess einfach zu komplex um in 12 Schritten wirklich alles zusammenfassen zu können. Aus diesem Grund habe ich weiter unten verschiedene Links eingefügt, die bei den jeweiligen Themenbereichen mehr ins Detail gehen und Euch so bei Eurem Arbeitsfluss helfen.

  In diesem Screenshot aus Digital Performer wurde die Meter Bridge um rote Pfeile ergänzt, die den Headroom anzeigen sollen.

1. Bereitet Euch für den Mix vor. Hört alle Spuren einzeln ab, färbt sie ein, fügt wo nötig Marker ein und organisiert Eure Dateien und Ordner in einer klaren und nachvollziehbaren Art und Weise. Ihr solltet schon jetzt abschätzen welchen Klang Ihr für den Mix anstrebt - hört also im Vorfeld vergleichbares Referenzmaterial an.

2. Konfiguriert das DAW Mixer Fenster. Erstellt Aux Tracks und Bus Sends für zwei Hall Effekte (einer lang und einer kurz) und mindestens einen Delay. Erstellt alle Subgruppen die Ihr normalerweise benötigt - dazu gehören zum Beispiel Drums, Stimmen, Gitarren, etc. Wie bei den Aux Sends könnt Ihr auch hier später noch mehr hinzufügen, doch es lohnt sich hier schon im Vorfeld die Grundlagen abgedeckt zu haben. Stellt alle Fader auf 0 dB und belasst Euren Master Fader auf 0 (falls Ihr noch keinen habt erstellt vorher einen…).
3. Erstellt eine ungefähre Balance der Spuren und stellt alle Pan Werte ein.
Positioniert alle Elemente wie Kick Drum, Bass und Lead Vocal entweder genau in der Mitte oder ganz leicht von der Mitte verschoben. Nicht alle Stereosignale müssen komplett links und rechts sein - experimentiert ein wenig mit deren Positionierung.

In einem Projekt mit bestehender Automation kann man Headroom bekommen indem man alle Spuren auf eine einzige Gruppe routet und diese entsprechend absenkt.

4. Stellt sicher, dass Ihr ausreichend Headroom habt (der Unterschied zwischen den Peaks und der 0dB Anzeige) damit keine der Spuren die Pegelanzeigen in den roten Bereich treiben. Sollte es Euch ab einem gewissen Punkt unmöglich sein Änderungen vorzunehmen ohne dabei ein Signal in den roten Bereich zu fahren, so sollte Ihr die 'All Tracks' Subgruppe aktivieren und auf diese Weise das Gesamtsignal absenken (der Master Fader sollte auf jeden Fall bei 0 bleiben). Es lohnt sich aber auf jeden Fall die Pegel eher konservativ einzustellen, damit Ihr gegen Ende der Mixdown Session nicht plötzlich an Eure Grenzen stosst.
 

 Mit einem Hi-Pass Filter lassen sich ganz einfach ungewollte Bässe aus dem Mix entfernen und diesen zum atmen bringen.

5. Arbeitet mit EQ wo notwendig, doch versucht es nicht zu übertreiben. Holt Euch mehr Definition in den Mix indem Ihr konsequent mit einem Hi-Pass Filter ungewollte Bässe absenkt. Ihr könnt dies auf fast jeder Spur machen und werdet merken wie sich das Gesamtbild verbessert. Vertraut bei der Cutoff Frequenz Euren Ohren: Am besten dreht Ihr sie so weit auf bis das Signal anfängt dünn und hohl zu klingen - geht anschliessend etwas zurück und achtet dabei, dass Ihr dies nicht isoliert vom Mix macht, sondern immer jeweils im Kontext!
6. Bearbeitet die Dynamik des Songs.
Verwendet Automation um ungewollten Pegelspitzen entgegenzuwirken. Alles was Euch dazu bewegt nach dem Volumenregler zu greifen und es abzusenken sollte hier genauer angeschaut werden. Dasselbe gilt natürlich für Stellen wo das Signal plötzlich im Mix verschwindet (vor allem wichtig bei Stimmen). Verwendet Kompression um die Dynamik insgesamt auszugleichen und/oder dem Gesamtklang mehr Charakter zu verleihen. Gewisse Kompressoren klingen eher transparent und wurden ausschliesslich für die Dynamikbearbeitung entwickelt, während andere (speziell Vintage Emulationen) dem Klang eine warme Färbung verleihen. Der Grund dafür dass man die Dynamik erst nach dem EQ bearbeitet liegt darin, dass Änderungen im EQ direkten Einfluss auf einen nachgeschalteten Kompressor haben können. Ich sollte hier noch darauf hinweisen, dass ich noch keinen Master Bus Kompressor eingefügt habe. Sollte dies Eurer Arbeitsweise entgegenkommen, so lohnt es sich diesen so früh wie möglich in die Summe zu hängen, da dies die Gesamtbalance des Mixes beeinflusst.
7. Fügt räumliche Effekte wie Hall und Delay hinzu.
Verwendet diese mit Vorsicht und falls Ihr nicht sicher seid bleibt eher auf der konservativen Seite. Mixes ohne viele räumliche Effekte tönen direkter, während Mixes mit vielen räumlichen Effekten eher etwas breiter und indirekter daherkommen.

Das Magic AB Plug-In von Sample Magic ermöglicht einen einfachen Vergleich zwischen Mix und Referenzspuren

8. Vergleicht Euren Mix mit vertrauten Songs und hört sie bei derselben Lautstärke an. Jetzt hört Ihr im Vergleich wie sich Euer Mix schlägt. Bei grossen Unterschieden gibt es hier Nachholbedarf (wenn zum Beispiel Euer Bass wesentlich lauter eingestellt ist). Diese Art des A/B Vergleichs hilft es zudem Fehler in der Raumakustik entgegenzuwirken.
9. Lasst den Mix ein wenig ruhen, damit Ihr ein wenig Abstand erhaltet. 
Am besten lohnt es sich eine Nacht darüber zu schlafen - mindestens empfiehlt sich jedoch eine Pause von ein paar Stunden.
10. Hört Euch den Mix mit frischen Ohren an. 
Ihr werdet mit Sicherheit etwas finden, das Ihr noch anpassen möchtet. Hier ein paar Dinge auf die Ihr achten solltet: Gibt es im Mix ausreichen Platz, oder tönt der überladen? Ist die Hauptstimme gut zu hören? Wie ist die Mono Kompatibilität des Mixes? Hört Euch den Mix auf anderen Systemen an (z.B. Auto) und macht entsprechende Notizen.
11. Macht Eure Anpassungen. 
Wenn Ihr glücklich seid erstellt einen 24 Bit Stereo Master. Ihr könnt ihn später immer noch auf 16 Bit WAV oder MP3 runter rechnen.
12. Wiederholt die Schritte 9 bis 11, ausser Ihr müsst eine enge Deadline einhalten.
Vergesst Euer Projekt mit einem sinnvollen Namen abzuspeichern, damit Ihr das Projekt in diesem Zustand später wieder abrufen könnt.

Der beste Weg zu besseren Mixes ist es so viel wie möglich zu machen. Viel Spass!

 

Nachfolgend noch ein paar (englische) Artikel die Euch tiefer in die Materie des Mixings bringen sollen. Wir sind gespannt auf Eure Killer Mixes!!!

And much more...

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