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Der Weg zum optimalen Mix - Teil 9

Kritisches Zuhören

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Die Gain Staging Methode aus dem letzten Teil garantiert Euch nicht nur 'virtuellen Headroom' und einen optimalen Pegel für die verschiedenen Spuren sondern bietet Euch auch die erste 'realistische' Möglichkeit Euren Song kritisch anzuhören und die richtige Strategie für die bevorstehende Mixing Session bereit zu legen. In diesem Augenblick werdet Ihr schnell einen ziemlich guten Eindruck über die Vorzüge und Nachteile Eures Projektes erlangen.

Versus…

Bevor Ihr nun die 'Play' Taste drückt solltet Ihr sicherstellen, dass alle Fader auf Null gesetzt sind und die Pan Regler in der Mitte liegen. Greift zu einem Bleistift und einem Blatt Papier und lasst es laufen. Regelt das Gesamtvolumen nur über Euer Interface, nicht aber über die Fader!

Hört Euch jetzt an was im Vordergrund und was im Hintergrund liegt und wann. Welche Spuren besitzen ein gefühlt gleichmässiges Volumen (Lautstärke) und welche scheinen immer wieder zu verschwinden. Gibt es Instrumente die mit anderen konkurrieren?

Wiederholt Euch all das und hört Euch den Song abermals bei einem geringeren Volumen an. Ihr werdet merken wie sich das Verhalten der einzelnen Elemente zueinander verändert hat. Schreibt auf was sich genau geändert hat und wie sich dies auf das Feeling des Songs auswirkt. Tut dies ebenfalls mit einer wesentlich grösseren Lautstärke und schreibt abermals alles auf. 

Habt Ihr dies einmal getan ist es an der Zeit diese neuen Notizen mit Eurem ursprünglichen Schlachtplan zu vergleichen. Entspricht die Realität der Aufnahmen dem was Ihr Euch vorgestellt hattet? Wahrscheinlich werdet Ihr jetzt kein klares 'Ja' oder 'Nein' auf den Lippen haben. Stattdessen wird Euch aufgefallen sein, dass gewisse Elemente bereits Euren Vorstellungen entsprechen und nicht mehr wahnsinnig viel daran geschraubt werden muss. Andererseits habt Ihr jetzt immer noch Zeit Eure Vision des Mixes an Details anzupassen die ich erst jetzt aufgefallen sind. 

Strategie…

Ist dies alles zu abstrakt? Nun reden wir mal über die Lektionen die man bei solchen kritischen Hördurchgängen  lernen kann. 

Ein Element das eine gleichmässige Lautstärke besitzt wird am Ende relativ wenig Dynamikbearbeitung benötigen. Eine Spur dagegen die immer wieder im Mix verschwindet wird sehr genau und stark mit einem Kompressor und Automation bearbeitet werden müssen. 

Konflikte zwischen Instrumenten werden dagegen normalerweise mit EQs und dem Pan Regler behoben. 

Sollte Euch nicht gefallen wie sich die Elemente im Vorder- und Hintergrund platzieren so werdet Ihr auf eine Kombination aus Reverb und/oder Delay, EQ und Volumen zurückgreifen müssen. 

Das Abhören des Songs bei unterschiedlichen Pegeln gibt Euch einen Eindruck der Frequenzeigenschaften der verschiedenen Spuren. Das menschliche Gehör ist bei den Mitten zwischen 1 kHz und 5 kHz wesentlich empfindlicher - bei geringer Abhörlautstärke fallen also Frequenzen in diesem Bereich wesentlich stärker auf. Elemente im Bassbereich und den Höhen kommen bei erhöhter Lautstärke dann immer mehr zur Geltung

Mit diesem Fundament solltet Ihr nun ein paar solide Spuren haben mit denen Ihr auf den Mix losgehen könnt. 

Noch ein Kommentar zum Abschluss. In diesem Artikel habe ich Euch empfohlen das Abhörvolumen mehrere Male zu verändern. Dies ist das einzige Mal wo dies vorteilhaft ist. Da eine Änderung der Lautstärke ja immer auch wieder Auswirkungen auf die Balance der verschiedenen Frequenzen hat, empfehle ich Euch von nun an eine komfortable Abhörelautstärke zu finden und bei dieser zu bleiben.

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