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Spezifikationen und Funktionsumfang genau erklärt

Ein Audio Interface kaufen - Teil 1

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Betrachtet man die zahllosen Audio Interfaces dies auf dem Markt gibt und bedenkt man die vielen Variationen bei Ein- und Ausgängen, Formaten, Sampling Rates und allen anderen Spezifikationen, so kann die Anschaffung eines neuen Audio Interfaces eine durchaus komplexe Aufgabe sein. Das Ziel dieses 2-teiligen Artikels ist es dieses Thema etwas genauer anzuschauen und ein wenig Ordnung in Euren Entscheidungsprozess zu bringen.

Euer Audio Interface ist das Bindeglied zwischen Euren Mikrofonen und DI Boxen und der digitalen Welt Eures Computers. In der modernen Welt der Audioproduktion besitzt das Audiointerface verschiedene Funktionen die ursprünglich Mischpulten vorenthalten waren: Mikrofonvorverstärker, Eingänge für Instrumente und Ausgänge für Kopfhörer und andere Geräte. Bei vielen Interfaces findet sich auch einen MIDI Schnittstelle.

Zahlenvergleich

Die wohl komplizierteste Angabe ist bei einem Audio Interface wohl die Anzahl Ein- und Ausgänge. Wenn man Zahlen wie 16 x 8 oder 18 x 20 sieht so bezieht sich die erste Zahl auf die Eingänge und die zweite auf die Ausgänge. Diese Zahlen beinhalten alle möglichen digitalen Ein- und Ausgänge (wie ADAT Optisch und S/PDIF) und zählen sogar Kopfhörerausgänge mit - das ganze kann also etwas verwirrend sein. Hier müsst Ihr schon genau hinschauen um entscheiden zu können, ob das Gerät Euren Bedürfnissen entspricht.

Falls Ihr wie die meisten Musiker 'in the box' (also im Computer) mischen möchtet, so ist man nicht unbedingt auf eine Menge Ausgänge angewiesen - Hauptsache man hat ausreichend um Monitore und Kopfhörer einzustecken. Dennoch solltet Ihr Euch die Anzahl Kopfhörerausgänge genauer anschauen, denn steht nur einer zur Verfügung, so könnt Ihr das Signal nicht mit einem anderen Musiker teilen. Viele Interfaces besitzen zwei Kopfhörerausgänge, doch viele eben auch nur einen.

Beachtet auch, dass Ausgänge individuell gezählt werden, aber häufig als Stereosignal ausgegeben werden. Ist also von 6 Ausgängen die Rede, so können damit durchaus 3 Stereo Paare gemeint sein: zum Beispiel ein Paar 1/4'' Ausgänge, ein Stereo Kopfhörerausgang und vielleicht ein Stereosignal in Form eines S/PDIF Ausgangs.

Bit-te genau anschauen

Eine weitere technische Angabe bei Audio Interfaces besteht in der Bit Tiefe und Sampling Rate die unterstützt werden. Fast jedes Interface unterstützt 24 Bit und 16 Bit Audio, wobei 24 Bit natürlich die bessere Option ist. Ich würde raten von Interfaces die nur 16 Bit unterstützen die Finger zu lassen.

Ihr werdet zudem die maximal unterstützte Sampling Rate sehen - normalerweise handelt es sich dabei um 96 kHz oder 192 kHz. Die meisten Musiker stellen ihre Interfaces auf 44.1 kHz ein - Interfaces mit 96 kHz sollten also in den meisten Fällen ausreichen.

Verkabelung

 Beachtet die Combo Jacks unter dem "Input 1/L" und "Input 2/R" auf der Vorderseite (oben), sowie die 1/4" Analog, S/PDIF, ADAT optical und MIDI Verbindungen auf der Rückseite des Edirol Interfaces.

Ein weiterer Bereich der immer wieder Fragen aufwirft sind die vielen 1/4” Ports die in einem Interface verbaut wurden: Da gibt es hochimpedante Eingänge (HiZ) in die man Gitarren und Bässe direkt einstecken kann, Eingänge mit Line-Pegel für Keyboards und dergleichen, Ausgänge für Kompressoren und anderen externen Effekten, sowie Ausgänge für Monitore und Kopfhörer. Der Begriff 'Combo Jack' bedeutet dass man bei diesem Eingang sowie 1/4'' als auch XLR Kabel einstecken kann.

Es gibt bei den 1/4'' Verbindungen aber noch mehr zu beachten: Gewisse Interfaces besitzen 'Balanced' (symmetrische) Verbindungen und andere 'Unbalanced'. Symmetrische Verbindungen sind dabei weniger anfällig auf äussere Einstreuungen, speziell wenn längere Kabel zum Einsatz kommen. Professionelle Einrichtungen sind normalerweise mit symmetrischen Verbindungen ausgestattet. Ist das Kabel weniger als 7 Meter lang, so kann man durchaus auf eine Symmetrierung verzichten.

Schaut man die Spezifikationen etwas genauer an, so sieht man 'TS' und 'TRS' als Beschreibungen für 1/4'' Eingänge. Bei einem TS Stecker handelt es sich um einen normalen Klinkenstecker ohne Symmetrierung. Ein TRS Stecker ist jedoch entweder symmetrisch, oder bei einem Kopfhörerausgang als Stereostecker ausgelegt.

Phantome im Interface

 Die zwei kleinen Tasten mit dem Namen '48' sind Ein-/Ausschalter für die Phantomspeisung des Focusrite Scarlett 18i8.

Ein paar der besten Stimmenmikrofone für Studioanwendungen sind Kondensatormikrofone - und diese benötigen eine Stromspannung um zu funktionieren. Es gibt nur wenige Kondensatormikrofone die mit Batterien gespiesen werden können (z.B. das AKG C1000), doch so ziemlich jedes hochwertige Kondensatormikrofon benötigt um Betrieb die sogenannte Phantomspeisung - eine 48V Gleichstromspeisung die vom Audio Interface geliefert und über das XLR Kabel übertragen wird.

Fast jedes Interface mit eingebauten Mikrofonvorverstärkern kann eine solche Phantomspeisung generieren. Auf gewissen Interfaces wird man diese für jeden Kanal individuell ein- oder ausschalten können (speziell Interfaces mit einer grösseren Anzahl Vorverstärker), während andere diese Stromspeisung global für alle Kanäle ansteuern. Grundsätzlich kommt das auch gar nicht so sehr darauf an - es sein denn man besitzt ein altes Bändchenmikrofon, welches durch die Phantomspeisung beschädigt würde.

Stoppt die Latenz in ihren Spuren

Eine weitere Funktion die immer wieder angepriesen wird ist das 'Direct Hardware Monitoring' mit dem man das Aufnahmesignal ohne hörbare Latenz abhören kann. Latenz bedeutet übrigens so viel wie die gemessene Zeit die ein Eingangssignal benötigt bis es komplett durch die DAW gelaufen ist und am Ende auf die Monitorlautsprecher oder Kopfhörer geschickt wird. Das Signal benötigt Zeit bis es im Computer ankommt (Analog/Digital-Wandlung), von der DAW bearbeitet wird und am Ende aus der digitalen wieder in die analoge Domäne gewandelt wird. Kleine Buffer Einstellungen können diese Werte zwar verringern, jedoch nicht komplett auslöschen.

'Direct Hardware Monitoring' ermöglicht es das Eingangssignal abzuhören bevor es auf den Computer trifft und dies zusammen mit den bereits aufgenommenen Spuren der DAW abzuhören. Ihr hört auf diese Weise zwar keine Latenz, doch Ihr könnt auch keine DAW Effekte auf dem Eingangssignal hören. Wer für die Aufnahme Effekte wünscht (z.B. Hall bei einer Stimmenaufnahme) der sollte sich nach einem Audio Interface mit eingebautem DSP Prozessor umschauen. Diese ermöglichen es einen Effekt während der Aufnahme hinzuzuschalten, ohne dass diese jedoch am Ende in der DAW ankommen.

Dieser Screenshot stammt aus MOTU'sCueMix DSP. Damit lassen sich unter anderem Reverb und Compression steuern und Monitor Mixes einrichten.

Im zweiten Teil dieser Serie werden wir ein paar Fragen abdecken die Euch bei der Entscheidung helfen sollen, was denn eigentlich Eure Bedürfnisse beim Kauf eines neuen Audio Interfaces sind. Wir werden zudem das Thema 'Ein-/Ausgangsformate wie Thunderbolt, FireWire und USB ansprechen.   

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