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Tips und Tricks für die Aufnahme und Bearbeitung von gedoppelten Spuren

Doubling leicht gemacht

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Eine der besten Möglichkeiten um eine Spur aus dem Mix herauszuheben und gewichtiger zu machen ist es, sie zu doppeln. Die meisten kennen das von einer gedoppelten Rhythmusgitarre, welche den Sound eines Mixes wesentlich dichter und breiter erscheinen lassen kann. Doch diese Technik ist nicht nur für Rhythmusgitarren interessant. Mit Doubling kann man auch Stimmen (Lead und Backing), sowie Bläser und Streicher verdichten - eigentlich kann so ziemlich jedes Instrument durch diese Technik mehr an Präsenz gewinnen.

Sei präzis

Es ist wichtig, dass Ihr Euren Part vor dem Verdoppeln gut kennt, denn es ist essentiell bei dieser Technik, dass die beiden Aufnahmen rhythmisch ineinander 'verzahnt' sind. Ihr wollte zum Beispiel nicht, dass ein Schlag auf den Downbeat fällt, der nächste aber erst eine 16tel Note später erklingt. Da wir keine Roboter sind wird es auch bei genaustem Nachspielen noch ausreichend kleine Unterschiede geben. Zusammen abgespielt und auf beide Seiten gepannt wird dann die Aufnahme schön gross und breit klingen.

Ihr fragt Euch vielleicht weshalb man nicht einfach eine Aufnahme digital duplizieren und dies als Verdopplung nehmen kann. Dies würde nicht funktionieren, da diese immer noch wie nur eine Spur klingen würden. Man könnte versuchen die eine Spur um ein paar Millisekunden zu verschieben - dies würde dem 'Doubling' schon etwas näher kommen, aber bei weitem nicht so gut klingen wie zwei separat eingespielte Spuren. Probiert es am besten selber mal aus!

Der richtige Kopfhörermix ist wichtig

Den alten Part auf die eine Seite und den neuen während der Aufnahme auf die andere zu pannen, hilft Euch beim Einspielen die Übersicht zu wahren.

Um einen wirklich rhythmisch guten Take aufnehmen zu können solltet Ihr sicher gehen, dass Ihr die Originalspur und Eure Performance während der Aufnahme gut hört. Ich empfehle Euch alle unnötigen Instrumente stumm zu schalten und wenn nötig die Originalspur stark auf die eine Seit zu pannen. Auf diese Weise könnte Ihr sie wirklich als separate Spuren erkennen und eine möglichst identische zweite Spur aufnehmen.

Selbstverständlich ist es keine Schande nach der Aufnahme zu den zur Verfügung stehenden Werkzeuge Eurer DAW zu greifen!

Grosse Rhythmusparts

Auf vielen Rock, Pop und Metal Songs hört man gedoppelte Power-Chord Rhythmusgitarren (manchmal mehr als nur gedoppelt), die wie eine dicke Gitarrenwand klingen. Einer der Tricks mit dem man einen solchen Sound erzeugt ist es die Gitarren für die Aufnahmen etwas herunterzustimmen. Eine tiefer gestimmte Gitarre tönt gegenüber einer normal gestimmte wesentlich grösser.

Für mich funktioniert es recht gut einen halben tiefer zu stimmen. Wer noch weiter geht riskiert, dass die Saiten etwas zu weich werden und die Intonation hörbar darunter leidet (ausser Eure Gitarre wurde mit speziell dicken Saiten bezogen). Natürlich müsste Ihr mit einer solchen Stimmung dann wieder alles um einen Halbton transponieren, doch das sollte bei Powerchords eigentlich nicht ein so grosses Problem sein.

Hier ist ein kleines Rock Beispiel (MIDI Drums, Lead Guitar, Bass, Rhythmusgitarre) mit einem einzigen Powerchord in der Mitte des Stereobildes.

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Hier ist die gleiche Spur mit einer Dopplung der Rhythmusgitarre (beide hart auf links und rechts gepannt).
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Eine weitere Frage ist ob man auf beiden Seiten exakt denselben Sound haben möchte, oder kleine Variationen zulässt. Das hängt natürlich vom Stück und Eurem Ziel ab. Denselben Sound zu verwenden resultiert in einer gleichmässigen Gitarrenwand, während der Einsatz verschiedener Verstärker oder Pickups dann eher wie zwei verschiedene Gitarristen tönt. Das ist grösstenteils geschmacksache und hängt davon ab, was am besten für den Song funktioniert.

Auch wenn Ihr nicht unbedingt einen grossen 'Hi-Gain' Sound zum Ziel habt, so funktioniert diese Technik für fast alle Stilrichtungen. Ich habe so auch schon Clean Sounds und sogar akustiche Gitarren gedoppelt und sehr überzeugende Resultate erzeugt.

Sing es zwei Mal

Wenn Ihr eine Stimme doppelt einsingen wollt, so solltet Ihr Euch bewusst sein, dass dies beim Mixdown anders im Stereobild positioniert wird. Da die Stimme fast ausschliesslich in der Mitte platziert wird, so empfiehlt es sich dies auch mit der gedoppelten Spur zu tun. In diesem Fall empfiehlt es sich zudem die gedoppelte Spur etwas leiser zu machen. Vor allem bei der Lead Stimme fallen rhythmische und tonale Abweichungen stark auf und es kann schnell sein, dass die zwei Spuren wie zwei separate Stimmen daherkommen.

Das zweite Mal geht es besser

Doubling ist ein grossartiges Werkzeug und können einer Spur mehr Dampf verleihen als so mancher Effekt, den man im Nachhinein hinzufügt. Dennoch sind alle diese Tipps natürlich nur Anregungen und Ihr sollte an dieser Stelle ermutigt werden auch eigene Dinge auszuprobieren und einen ganz eigenen Sound zu kreieren.

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