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Der Weg zum optimalen Mix - Teil 12

Links, Rechts und Mitte

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Wie bereits im letzten Teil erwähnt beginnen wir den Rough Mix indem wir die Elemente im Stereobild verteilen. Dazu möchte ich Euch eine sehr effiziente Arbeitsweise empfehlen die ich vor ein paar Jahren bei einem befreundeten Tontechniker entdeckt habe.

Panning game

Das Prinzip dahinter ist ganz einfach. Zuerst schaltet man alle Spuren stumm die in der Mitte bleiben sollen - dazu gehören Bass, Hauptstimme, Bass Drum, Snare und so weiter. Stellt anschliessend alle verbleibenden Fader auf dieselbe Lautstärke und fangt an diese mit den Pan Reglern im Stereobild zu verteilen. Versucht Euch an unterschiedlichen Kombinationen, hört Euch die Änderungen des Klangbildes an und achtet besonders auf die rhythmische Interaktionen die dabei vorkommen.

Nach ein paar Minuten wird Euch auffallen wie dasselbe Instrument auf der einen Seite nicht dieselbe Emotion hervorruft wie auf der anderen Seite. Andererseits kann ein Groove mit der Platzierung eines Instrumentes radikal ändern. Wieso ist das so?

Kopfspiel

Der Grund weshalb das Platzieren im Stereobild einen derart grossen Einfluss auf die Musik hat liegt in psychoakustischen Prinzipien. Ich bin hier bei weitem kein Experte, möchte aber dennoch ein wenig darauf eingehen. 

Ihr habt sicher alle schon von den rechten und linken Hemisphären des Gehirns gelesen, oder? Nun laut Wikipedia werden Sinneswahrnehmungen im Gehirn jeweils 'übers Kreuz' verarbeitet. Was das linke Ohr hört wird also in die rechten Hemisphäre geschickt und umgekehrt. Und da jede Hemisphäre seine Eigenheiten besitzt (Sprache wird z.B. in der rechten Seite und die räumliche Wahrnehmung in der linken Seite bearbeitet) erscheint es auch nur logisch, dass auch Musik abhängig von der wahrgenommenen Seite unterschiedlich interpretiert wird. 

Aus einer rhythmischen Sichtweise besitzt ein symetrisches Stereobild mehr Druck während bei einem asymetrischen der Groove unterstützt wird. Hier ist ein praktischeres Beispiel: Nehmen wir an Ihr habt zwei komplementäre Rhythmen die über das gesamte Stereobild verteilt sind - einer (A) auf dem Beat und einer (B) auf dem Offbeat - jeder davon wird geoppelt. Insgesamt hat man also vier Instrumente die über das gesamte Stereobild verteilt werden. Bei einem AA/BB Panning (also A auf der linken und B auf der rechten Seite) erhält man so einen klaren, tanzenden Klang. Entscheidet man sich für AB/AB ist das Resultat grösser und kraftvoller. Ich kann Euch nur empfehlen dieses Phänomen selber auszuprobieren - Ihr werdet erstaunt sein wenn Ihr diesen Effekt zum ersten Mal bewusst wahrnehmt!

Euer Spiel

Jetzt wo Ihr Euch dessen bewusst seid liegt es an Euch Eure eigenen Schlüsse zu ziehen und diese auf Euer Projekt zu übertragen. Dieses lustige Spiel mit den Pan Reglern sollte Euch übrigens nicht mehr als 15 Minuten beanspruchen. Es ist tatsächlich wenig sinnvoll hier viel Zeit zu verbringen denn am Ende darf hier nicht der Intellekt die Entscheidungen übernehmen. 

Im nächsten Teil werden wir den Rough Mix fertigstellen indem wir für jedes Instrument eine erste Lautstärke einstellen. 

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