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Der Weg zum optimalen Mix - Teil 13

Der richtige Pegel

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Jetzt wo wir uns bei unserem Rough Mix mit dem Stereobild befasst haben geht es an die Lautstärken. Das Ziel ist es eine einfache Balance zu finden bei der man alle Elemente entsprechend Eurer Vision so gut wie möglich hört.

Diese Aufgabe ist wesentlich schwieriger als Ihr zuerst denken könntet und seid Ihr nicht vorsichtig so findet Ihr euch schnell in einem…

Teufelskreis

Stellt Euch folgende Szene vor: Ihr seid dabei die Lautstärken Eurer einzelnen Spuren einzustellen, der Mix tönt gut doch es scheint als ob die Gitarre noch ein wenig schwächelt. Also dreht Ihr dort den Fader ein wenig auf…und plötzlich ist die Gitarre genau dort wo Ihr sie haben wollt - alles dank ein paar dBs. Das Problem ist nur, dass die Stimme jetzt plötzlich weiter in den Hintergrund gerutscht ist - nichts was sich mit ein paar dBs nicht beheben liesse! Doch wo ist jetzt die Snare? Vielleicht ein wenig anheben - und dazu auch gerade noch die Kickdrum. Hmm - aber nun ist der Bass nirgendwo zu hören und muss angehoben werden. Aber nun sind wir wieder an dem Punkt wo die Gitarre nicht mehr so präsent daher kommt…Ihr seht schon worauf ich hinaus will.

Kennt Ihr dieses Phänomen? Keine Sorge - das ist ganz normal. Wie wir doch gerade sehen werden kann man mit einer etwas strikteren Herangehensweise eine solche Situation durchaus umgehen. 

Weniger ist mehr

Zuerst einmal schaltet auf Mono um damit Ihr Euch nicht von den Pan Reglern beeinflussen lasst. Zieht anschliessend die Fader jeder einzelnen Spure komplett nach unten. Nehmt anschliessend das Instrument das Eurer Meinung nach am lautesten und präsentesten im Mix sitzen sollte (normalerweise die Stimme, könnte aber auch die Gitarre, oder das Schlagzeug sein) und setzt diesen Fader auf -3 dB. Achtet nun darauf, dass Ihr diesen Fader niemals anfasst und alle anderen Elemente diesem Fader anpasst. Wieso genau -3dB? Ganz einfach um ein wenig Headroom zu lassen was später für die Automatisierung besonders nützlich sein wird. 

Im Augenblick ist es das Beste die Lautstärken der anderen Spuren relativ zu Eurem ausgewählten Instrument zu setzen. Hebt die Fader nach und nach an - vom wichtigsten zum unwichtigsten Element (wie in Eurem 'Puzzle' ursprünglich definiert). Die Idee ist hier das Volumen so weit anzuheben bis es mit dem bereits eingestellten Instrument konkurriert und anschliessend wieder ein wenig zurück zu drehen. Ihr wollt dass es hörbar ist ohne dabei den anderen Spuren in den Weg zu kommen.

Um es Euch ein wenig einfacher zu machen könnten wir einmal eine Reihenfolge annehmen: Stimme, Schlagzeug, Gitarre, Bass, Backings. Setzt also die Stimme zuerst auf -3 dB und hebt anschliessend das Schlagzeug an bis es mit der Stimme konkurriert - und nehmt es ein wenig zurück. Bringt anschliessend die Gitarre rein, stellt sie so ein, dass sie das Schlagzeug anfängt zu übertönen und senkt sie anschliessend wieder etwas ab. Macht dasselbe mit den anderen Instrumenten. Denkt Ihr einmal eine Spur sei nicht laut genug so senkt die weniger wichtigen Instrumente ab, achtet aber gleichzeitig darauf den Fader des betroffenen Instrumentes nicht anzufassen! Ihr solltet denken 'die anderen Spuren sind zu laut' und nicht 'die Spur ist zu leise'. 

Das alles erscheint nun gut und schön, doch leider wird dabei die 'Lebendigkeit' der Musik nicht wirklich in Betracht gezogen. Instrumente haben ja an verschiedenen Orten unterschiedliche Lautstärken. So kann es sein, dass die Gitarre in der Strophe eine perfekte Lautstärke hat, während des Refrains jedoch zu laut wird. Nun in diesen Fällen empfehle ich Euch das jeweilige Instrument an der lautesten Stelle einzupegeln. Es wird zwar dann an anderen Stellen etwas zu schwach klingen, doch das können wir später mit EQ und Kompressoren wieder ausgleichen. 

Der Vorteil dieser Herangehensweise liegt darin, dass wir zum einen diesen Teufelskreis umgehen können. Zudem lasst Ihr Euch ausreichend Headroom und schliesslich spart Ihr mit dieser Methode auch noch Zeit. Was könnte man also mehr wollen?

Noch ein letzter Kommentar zum Schluss. Diese Herangehensweise mag Euch jetzt ein wenig wissenschaftlich vorkommen - oder zu kühl und analytisch. Nun da habt Ihr auf eine gewisse Art und Weise absolut recht! Das wichtigste Ziel dieser Methode ist es jedoch Eure Perspektive ein wenig zu ändern. Fangt Ihr an zu denken 'da ist zu viel von dem und dem' und nicht mehr 'das und das fehlt' so habt Ihr Euch erfolgreich umgepolt und am Ende wird es Euch vor allem die Musik danken!

Zur Unendlichkeit und weiter!

Seid Ihr fertig mit dem Rough Mix schaltet wieder auf Stereo und hört es Euch an. Der Mix wird natürlich bei weitem noch nicht perfekt sein, doch gleichzeitig müsstet Ihr jetzt hören in welche Richtung es geht und wie weit es schon Eurer Vision entspricht. Ich empfehle Euch an dieser Stelle einen neuen Bounce zu erstellen. 

Im nächsten Kapitel sprechen wir über EQs - ein wirklich breites Gebiet!

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